Umweltfreundliche Mobilität und Sicherheit im Straßenverkehr sind landauf und landab Ansätze, die Kommunen bürgerfreundlicher und zukunftsorientiert aufzustellen. Ein Vorstoß der SPD-Fraktion am Donnerstagabend, in der Bräunlinger Kernstadt mehr Radwege auszuweisen, endete mit einem Kompromiss, der dem angestrebten Verkehrskonzept nicht vorgreift.

Der SPD-Standpunkt

Von einem einzulösenden Wahlversprechen sprach SPD-Franktionschef Peter Ebert, als er eine ganze Reihe Straßennamen aufzählte. Ob Gumppstraße, Färbergasse, Ebermannstraße, Dögginger Straße, Zähringer Straße, Hüfinger Straße, Bruggener Straße oder Galgenhofstraße: Sie sollen, komplett oder in Abschnitten mit Schutzstreifen oder Radfahrstreifen versehen werden. Ebert definierte einen Nachteil der Kernstadt. Zwar sei Bräunlingen von allen Richtungen gut zu erreichen. Aber nur bis zum Rand er Kernstadt. Sei es von Waldhausen, Bruggen, Doggingen oder Hüfingen her: Die sichere Fahrt der Radler ende abrupt mit dem Übergang auf eine normale Straße.

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Ein höheres Verkehrsaufkommen – der SPD-Antrag in der Sitzungsvorlage sprach auch von geringeren Fahrbahnbreiten und immer größeren Fahrzeugen – mache die Benutzung der Straße für Radfahrer gefährlich. „Kinder und Schüler müssen risikolos an den Bahnhof kommen“, nannte er einen weiteren Aspekt. Auch die Tatsache, dass immer mehr ältere Menschen mit hoher Geschwindigkeit auf E-Bikes den Straßenraum bevölkern, spiele eine Rolle. Dazu kämen Umweltschutz-Gründe. Wo mehr Rad gefahren wird, werde das Klima weniger belastet.

So sieht es die Verwaltung

Bürgermeister Micha Bächle misst, wie er betonte, dem Thema Radverkehr Bedeutung bei. Der Ausbau von Radwegen erfolge sukzessive, zuletzt 2018, als in Döggingen ein Radweg angelegt wurde. Eine Umsetzung der SPD-Forderung ohne die Prüfung von Notwendigkeit, Kosten und tatsächlicher Nutzerzahlen sowie eine Entscheidung über künftige Tempo-30-Zonen sei kontraproduktiv.

An sieben Stellen in Bräunlingen stehen Kameras, die den Verkehr dokumentieren. Kennzeichen werden nicht erfasst, so dass der Datenschutz gewährleistet ist.
An sieben Stellen in Bräunlingen stehen Kameras, die den Verkehr dokumentieren. Kennzeichen werden nicht erfasst, so dass der Datenschutz gewährleistet ist. | Bild: Rathaus Bräunlingen

Vor allem, wenn man berücksichtige, dass der Gemeinderat bereits ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben habe. Das Thema Radverkehr werde man dem Verkehrsplaner mitgeben. Allerdings, so Bächle, stellten Fußgänger eine höhere Zahl an Verkehrsteilnehmern.

Die Straßenbreite reicht nicht

Der Dögginger Ortsvorsteher Dieter Fehrenbach schlüsselte die vom Land vorgegeben Fahrbahnbreiten für Straßen mit Schutzstreifen und Radfahrwegen auf. Ob 7,50 Meter oder 9,20 Meter: In der Kernstadt hätten solche Vorgaben kaum eine Chance. Berthold Geyer (Gruppe 84) sah das Radwegenetz durchaus verbesserungswürdig.

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Eine Temporeduzierung böte generell ein höheres Potenzial an Verkehrssicherheit, auch wenn Radler, in den engen Straßen, Beispiel Zähringer Straße, auch immer mit Fahrfehlern der motorisierten Verkehrsteilnehmern rechnen müssten. Die Verkehrsbehörde werde ebenfalls ein Wörtchen mitreden wollen, warnte Michael Hall (CDU) und empfahl auf ein Gesamtkonzept zu warten.

Feinheiten in der Formulierung

Der Verkehrsplaner möge das Wegekonzept so weit wie möglich umsetzen, formulierte Peter Ebert in der Runde einen neuerlichen Vorschlag. CDU-Fraktionssprecher Michael Gut störte sich daran, in einer solchen Entschließung den Begriff Radwege zu verwenden. Er bevorzugte stattdessen „Radmobilität in der Kernstadt“ als Handlungsanweisung.

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SPD-Rat Clemens Fahl hätte es genügt, die Radmobiltät im Konzept höher zu stufen. Ihm waren Schlüsselstellen ein Anliegen. Etwa, indem man 2020 die Sicherheit erhöhe, indem man bei Straßenquerungen farbliche Markierungen einsetze. Bürgermeister Bächle formulierte am Ende den von allen Fraktionen getragenen Kompromiss: „Im Mobilitätskonzept sind Belange des Radverkehrs und der Sicherheit zu berücksichtigen.“

Noch in diesem Jahr geht es weiter

Bürgermeister Micha Bächle beauftragt den Verkehrsplaner, die Belange des Radverkehrs in sein Konzept einzuarbeiten. Dazu können Daten genutzt werden, die bei Verkehrszählungen im Oktober 2018 und Februar 2019 aufliefen.

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Damals wurden Pkw, Fußgänger und an einigen Stellen im Stadtgebiet auch vorbeifahrende Radfahrer registriert. Noch vor Jahresende möchte die Verwaltung mit dem Thema erneut in den Rat gehen. Mögliche Verbesserungsmaßnahmen, auch im Bereich Radverkehr, sollen abstimmungsfähig vorgelegt werden.

Radweg und Schutzstreifen: Das sind die Unterschiede

Die Maße: In den Empfehlungen des Landes Baden-Württemberg für Radverkehrsanlagen (ERA) werden Musterlösungen definiert. Ein Schutzstreifen wird durch jeweils ein Meter lange weiße Striche von der Straße getrennt. Er misst 1,25 bis 1,50 Meter in der Breite. Die Straße muss eine Mindestbreite von 4,50 Meter aufweisen. Als ideal wird eine rote Belagfarbe bei Kreuzungen oder Abzweigungen angesehen. Beidseite Radwege an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen etwa müssen 1,60 bis zwei Meter breit angelegt werden. Sie werden mit einer durchgehenden weißen Linie von einer mindestens 5,50 Meter breiten Straße getrennt. Weitere Regelungen gelten, wenn der Radweg längs parkende Fahrzeuge passiert. Hier ist ein Sicherheitstrennstreifen mit 0,75 Meter verpflichtend.

Die Rechte: Autos dürfen auf einen Radfahrstreifen weder halten noch parken, Radfahrer müssen den Radfahrstreifen nutzen. Der Schutzstreifen dagegen muss von Radfahrern nicht zwingend genutzt werden. Pkws dürfen nur in Ausnahmefällen auf dem Schutzstreifen fahren. Das Parken ist untersagt, ein Halten nur bis maximal drei Minuten gestattet.