Seit 1992 ist Bernhard Hauser beim Straßenmusiksonntag mit dabei. Er organisiert das dritte Fest nach dem Auftakt in den Achtzigerjahren. Im Laufe der Jahre hat sich die Veranstaltung gewandelt: Es wurde größer und aufwändiger – mehr Besucher, mehr Künstler, größeres Angebot, größere Vielfalt. "Viele, die früher im Organisationsteam mit dabei waren, sind es auch heute noch. Manche also bereits seit über 20 Jahren", sagt Bernhard Hauser.

Bernhard Hauser gehört mit zum Helferteam, das beim Straßenmusiksonntag mit anpackt und sich unter anderem auch um die zahlreichen Künstler kümmert.
Bernhard Hauser gehört mit zum Helferteam, das beim Straßenmusiksonntag mit anpackt und sich unter anderem auch um die zahlreichen Künstler kümmert. | Bild: Simon, Guy

Das sorgt beim großen Festival für wohltuende Routine: "Inzwischen treffen sich die Helfer auch schon vorher mal. Die Standorte sind eigentlich klar. Jeder ist für eine bestimmte Straße zuständig – bei mir ist das die Sommergasse", sagt Hauser. Dort wird akustische Musik gespielt, und dort kenne er alle Anwohner, Probleme können in Windeseile behoben werden: "Wenn etwa bei einem der Strom ausfällt, dann holen wir schnell eine Kabeltrommel und legen eine Leitung in ein Haus." Die Anwohner helfen immer bereitwillig.

Es ist diese Stimmung, die für das einzigartige Flair des Bräunlinger Straßenmusiksonntags sorgt: "Er hat einen bestimmten Charakter, der bleiben soll", sagt Hauser. Es gebe zwar einige Gruppen, bei denen müsse man auf die Hinterfüße stehen, aber meistens löse sich das Problem dann schon irgendwie. "Wenn es nach Regen aussieht, dann will eben jeder ganz schnell einen Pavillon. Die Abläufe haben sich im Laufe der Jahre nach und nach enwickelt." Dennoch gebe es auch jedes Mal etwas Unvorhergesehenes, etwas, mit dem niemand gerechnet hätte: "Straßenmusiker und Gaukler sind teilweise schon sehr speziell. Überraschungen gibt es immer", sagt Hauser. Mit ein Aspekt, der das Wochenende so interessant werden lässt.

Ein weiterer Punkt sind die vielen Freundschaften, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Der Straßenmusiksonntag beinhaltet jedes Mal etliche neue Elemente, ist aber auch ein großes Familientreffen: "Manche kommen auch, obwohl es in finanzieller Hinsicht für sie gar nicht so lukrativ ist. Sie reisen teilweise bereits schon früher an. Dann wird schon vor dem Sonntag gefeiert", sagt Hauser. Er ergänzt: "Ich habe montags immer alle zu mir nach Hause zum Frühstücken eingeladen. Daraus wurde dann im Prinzip wieder eine Feier. Es gibt sehr viele, sehr gute Kontakte.

Hauser erinnert sich noch an besonders skurrile Künstler. Etwa den Amerikaner Dirty Fred: "Der hat sich auf die Fahnen geschrieben, beim Publikum alle Emotionen zu entfesseln, die es eben so gibt." Das habe dann so ausgesehen, dass er mit faszinierender Kunstfertigkeit eine Jonglage zum Besten gab, um dann unvermittelt in die Luft zu spucken. Den eigenen Speichel habe er mit dem Gesicht aufgefangen und dann so weitergemacht, als ob nichts gewesen wäre. einen australischen Musiker habe er immer wieder darauf angesprochen, doch auch mal aufzutreten, er habe jedoch eine erhebliche Summe Geld gefordert. Kurz vor dem Festival meldete er sich trotzdem: "Darf ich auftreten?"

Wichtig ist dem Organisationsteam, dass sich die Künstler untereinander nicht stören, auch dass sonst keine Störung vorkommt: "Früher war das ja ein wenig anders. Die Künstler mussten jede Stunde den Standort wechseln und hatten daher kaum Equipment mit dabei. Jene mit großer Lautstärke spielten zu den geraden Stunden, die leisen zu den ungeraden", sagt Hauser.

Am Veranstaltungstag gebe es morgens eine Besprechung in der Stadthalle und jeder Betreuer bekomme entsprechend seine Gruppen zugewiesen. "Vom Organisationsteam kennen alle die Vereine und wissen, wer, wie und wo steht, oder wo Hilfe gebraucht wird. Das funktioniert bei uns ohne viel Aufhebens."

Hauser freut sich jetzt bereits auf den anstehenden Straßenmusiksonntag. Warum er nach all den Jahren immer noch mitmacht? "Mir liegt viel daran, dass die Veranstaltung weitergeht. Da steckt viel Herzblut drin und viele Freundschaften sind entstanden."

Die Freude daran hat er an seinen Sohn Christoph weitergegeben, der auch beim Organisationsteam mit dabei ist: "Montags gab es ja auch immer ein Fest bei uns im Garten. Wenn die Jungen dabei waren und gesehen haben, was die Künstler so aufführten, da quollen denen die Augen über, sie sind durchgedreht." Christoph arbeite zwar im Ausland, für den Straßenmusiksonntag komme er jedoch immer wieder nach Hause. Zum Familientreffen.

Großes Straßenkunstfestival startet in zwei Wochen

  • Die Lottobühne: 2018 wird es mit der Lottobühne bei den Brändbachterrassen eine kleine Veränderung geben. Wie Organisatorin Maren Ott sagt, werde man die Bühne etwas weiter nach oben in die Grünanlagen versetzen. Das geschieht aus sicherheitstechnischen Gründen. Vorteil für die Zuschauer: Sie können jetzt direkt vor der Bühne stehen oder aus dem Schatten der Bäume heraus die Auftritte verfolgen.
  • Kein Eintritt: Das größte Straßenkunst-Festival im deutschen Südwesten kostet keinen Eintritt. Allerdings freuen sich die Künstler über eine Spende in den Hut. Wer die Veranstaltung dennoch unterstützen möchte, kann sich einen der Straßenmusiksonntag-Sammler-Buttons kaufen. Die gibt es dort für 3 Euro zu kaufen.
  • Das Organisationsteam: Die eingespielte Truppe, die sich zum Straßenmusiksonntag um etliche große und kleine Aufgaben, Probleme und Fragen kümmert, besteht aus: Bernhard Hauser, Saban Karaosmanoglu, Albert Frey, Hubert Zürcher, Bernd Müller, Sarah Schuhbauer, Michael Hirt, Christoph Hauser. Am Fest kümmert sich jeweils einer um einen bestimmten Bereich in der Innenstadt. (guy)