Kühles Wasser

Der Briard Emil aus Löffingen, der mit Frauchen Carmen Reichenbach auf dem Straßenmusiksonntag war, sieht den ganzen Trubel während der Musiknacht gelassen, er ist Menschen gewohnt. Obwohl es für ihn recht spät ist und er eigentlich schon lange schlafen würde, nutzt er die Gelegenheit zum Bad – nicht in der Menge – sondern im kühlen Nass des Narrenbrunnens. Und er war nicht der einzige, der mal eben schnell im Wasser seine Füße eintauchte. Übrigens lockte der Brunnen nicht nur Hunde an, sondern wurde auch von Kindern vor allem am Sonntagnachmittag rege genutzt.

Auch die Kleinsten haben beim großen Straßenmusik-Festival ihren Spaß.
Auch die Kleinsten haben beim großen Straßenmusik-Festival ihren Spaß. | Bild: Roland Sigwart

<p>Die Brändbachbühne lockt nicht nur mit zwei Kleinkunstpreisträgern, sondern auch mit kühlem Nass.</p>

Die Brändbachbühne lockt nicht nur mit zwei Kleinkunstpreisträgern, sondern auch mit kühlem Nass.

Heiße Sache

Die dynamisch-tänzerische Feuershow des Duos Sonus Ignis hinterließ am Samstagabend bei der Musiknach ein beeindrucktes und eifrig klatschendes Publikum, das begeistert die Tänzerin Sandra Schwarzer abklatscht. Teilweise wird reines Petroleum eingesetzt, teilweise eine spezielle Brennpaste. Deren Vorteil sei, so die Feuerkünstlerin, dass bei einem eventuellen Kontakt mit der Haut die Gefahr von Brandverletzungen nicht so hoch ist. Außerdem treffen Feuerkünstler Sicherheitsvorkehrungen, indem sie ihre Kostüme imprägnieren und vor dem Auftritt die Haare nass machen, erklärt die Artistin. Und es wird erst mit Feuer jongliert, nachdem die „Trockenübungen“ ohne Hautkontakt ablaufen. Also gilt. für alle die Feuer gefanagen haben: Nicht zu Hause nachmachen! Auch wenn es noch so schön aussieht.

<p>Am Samstagabend sorgen Feuershows für Begeisterung. Aber auch die Vereine bieten den Besuchern neben Kulinarischem eine musikalische Unterhaltung.</p>

Am Samstagabend sorgen Feuershows für Begeisterung. Aber auch die Vereine bieten den Besuchern neben Kulinarischem eine musikalische Unterhaltung.

| Bild: Roland Sigwart

Legendäre Spieße

Die über der offenen Holzkohle gegrillten Fleischspieße der Narrenzunft Bräunlingen sind legendär. So manch ein Besucher marschiert gleich zielstrebig zu den Narren, um sich dort erst einmal für den anschließenden Rundgang zu stärken. Allein am Samstag waren es zur Halbzeit mehr als 400 Spieße, die verbraten und von den Besuchern verputzt worden waren. Die Zünftler grillten zum zehnten Mal und offerierten dazu viele weitere Leckereien. „Wir wollten beim Straßenmusiksonntag etwas Besonderes anbieten“, erklärt Ehrenrat Wolfgang Kropfreiter, „und unser Zunftmeister ist sehr erfinderisch.“ Die Spieße sind seit Jahren der Renner, dieses Mal gab es auch noch für Veganer „Obst to go“. Doch nicht nur die Narren sorgten für die Stärkung der Besucher: Ganz Bräunlingen avancierte zur Ausnahmefressmeile. Das Angebot war gigantisch bis hin zum Streetfood-Dorf auf dem Platz vor der Festhalle.

Am Stand der Narrenzunft brutzeln die Filet-Spieße auf dem überdimensionalen, selbst gebauten Grill.
Am Stand der Narrenzunft brutzeln die Filet-Spieße auf dem überdimensionalen, selbst gebauten Grill. | Bild: Roland Sigwart

Sammler-Buttons

Der Skiclub Bräunlingen, besser gesagt die Mountainbike-Gruppe des Vereins, verkaufte am Sonntag die begehrten Sammler-Buttons zum Wohl der Künstler. Den ganzen Tag standen an allen Eingangsstellen zur Stadt Mitglieder des Ski-Clubs, ein Holzkästlein in der Hand und boten die Buttons an. Drei Euro für den guten Zweck, der Kauf des Buttons war freiwillig, das Geld wird an die Künstler weitergegeben, die außer den – hoffentlich – gut gefüllten Hüten beim Bräunlinger Straßenmusiksonntag keine Gage bekommen. Und wann hat man das heutzutage noch, dass eine Veranstaltung ganz ohne Eintritt auskommt.

Zeitreise

Der Bräunlinger Landadel präsentiert das 19. Jahrhundert. Die Gruppe „Baaremer Landadel“ zeigt am Sonntag als Walking-Act die edle Mode vom Ende des 19. Jahrhunderts. „Alle Kostüme sind nach originalen Schnitten genäht“, erklärt Stadtführerin Ursula Gehringer. Was müssen die Damen und Herren damals noch geschwitzt haben, als T-Shirts und kurze Hosen noch nicht existierten.

<p>Eine Zeitreise: Der Baaremer Landadel entführt die Besucher zurück in die Vergangenheit – als es noch keine kurzen Hosen und T-Shirts gab.</p>

Eine Zeitreise: Der Baaremer Landadel entführt die Besucher zurück in die Vergangenheit – als es noch keine kurzen Hosen und T-Shirts gab.

| Bild: Roland Sigwart

Pause von der Hitze

Die Familie Lipp aus Niedereschach-Fischbach hat sich abseits der Straße ein schattiges Plätzchen gesucht und schleckt erst einmal in aller Ruhe ein Eis zur wenigstens inwendigen Abkühlung. Selbst die Gluthitze konnte die Lipps`s nicht vom Besuch in Bräunlingen abhalten. „Wir kommen immer, wenn es irgendwie geht. Der Straßenmusiksonntag ist eine Sensation und bei diesem Programm, sogar mit internationalen Künstlern – da braucht man kein Fernsehen mehr.“ Und so wie den Lipps geht es vielen treuen Straßenmusiksonntag-Fans: Sie kommen – egal ob Regen oder Hagel.

<p>Schattenplätzchen und Wasser sind gefragt bei den Besuchern.</p>

Schattenplätzchen und Wasser sind gefragt bei den Besuchern.

Zuckersüß

Jenny Sponner und Simon Neft aus Landshut sind hier wohl bekannt. Schließlich sind sie nicht zum ersten Mal beim Straßenmusiksonntag mit dabei. Sie haben sich auf das Brennen von Mandeln und anderen Kernen und Nüssen von Hand spezialisiert und ihren Stand wieder vorm Vereinshaus aufgebaut, wo sie auch die Naschmäuler unter den Besuchern sofort gefunden haben. Schließlich ist der alte Kupferkessel schon von Weitem zu endecken. Ein Handwerk, das sie in seiner alten Tradition von ihrem Großvater übernommen hat, sagt Jenny Sponner. Der habe das selbst 60 Jahre lang gemacht. Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis eine Schüssel der knusprigen Leckereien fertig ist. Nussmix, Hanfkörner, Kürbiskerne, Walnüsse, Kokosflocken und mehr. „Die Früchte sind weicher und nicht mit so viel Zucker überzogen, als wenn die Nüsse beim Brennen maschinell gerührt werden“, erklärt Jenny Sponner.

<p>Lass das Röckchen kreisen: Der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Almarausch Hittenkirchen hat einen Sonderauftritt auf der Hauptbühne.</p>

Lass das Röckchen kreisen: Der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Almarausch Hittenkirchen hat einen Sonderauftritt auf der Hauptbühne.

| Bild: Roland Sigwart

Sachsen-Spezialität

Sächsische Kartoffelsuppe, Dresdner Stollen, Russisch Brot, Bier, bis hin zu Spreewalder Gurken – alles da. Zum achten Mal war der Musikverein Bannewitz aus der sächsischen Partnergemeinde beim Straßenmusiksonntag dabei und präsentierte sich den Besuchern in Wort und Bild, ließ gerne die Spezialitäten kosten, währenddessen auf der Bühne daneben die Kinder das selbst inszenierte musikalische Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ aufführten.

Windiger Auftritt

Normalerweise tritt Sandro Dalfovo nicht open-air auf. Allerdings als Gewinner des SÜDKURIER-Nachwuchswettbewerbes durfte er sein Können gemeinsam mit Verena Natschke auf der Hauptbühne präsentieren. „Ich habe noch nie auf einer so vielseitigen Veranstaltung mit Festivalcharakter spielen können und freue mich riesig darüber, dass dieser Wunsch nun in Erfüllung geht.“ Und die beiden jungen Musiker zeigten den alten Hasen ihr ganzes Können, sorgten für eine große Menschenmenge vor der Hauptbühne, die mit begeistertem Applaus nicht geizte. Allerdings gab es da dann doch ein Problem: Der Wind und die Notenblätter – zwei Dinge, die nicht unbedingt gut zusammenpassen. Doch Sandro Dalfovo weiß sich zu helfen. Mit Klebeband befestigt er die Noten vor jedem Lied an seinem Keyboard. Eine kleine Zwangspause zwischen jedem Stück, die die Zuschauer aber gar nicht stört: Hauptsache es gibt danach wieder richtig gute Musik zu hören.

<p>Die Gewinner des SÜDKURIER-Nachwuchswettbewerbs: Lokalchefin Stephanie Jakober (Mitte) interviewt Verena Natschke und Sandro Dalfovo.</p>

Die Gewinner des SÜDKURIER-Nachwuchswettbewerbs: Lokalchefin Stephanie Jakober (Mitte) interviewt Verena Natschke und Sandro Dalfovo.

Ein letztes Mal

So langsam, aber auch nur so langsam begiebt sich Bürgermeister Jürgen Guse zum Endspurt. Zwar hat er noch gut eineinhalb Jahre im Bräunlinger Rathaus, aber es war der letzte Straßenmusiksonntag für ihn als Bürgermeister. Davon will er aber noch nichts hören, Abschiedsgedanken haben noch Zeit und der Ruhestand spielt noch keine Rolle. Und eines ist ziemlich sicher: Auch beim nächsten Straßenmusiksonntag werden die Besucher den dann Altbürgermeister zu sehen bekommen. Denn schon dieses Mal trat er in den Reihen der Scherenschleifer auf. Eine Wiederholung ist sicher inbegriffen – und nicht nur 2018 beim nächsten Straßenmusiksonntag.

Großer Einsatz

Was haben die Bräunlinger geschuftet an diesem Wochenende. Ob es nun die Vereine waren, die die Mengen von Besuchern bewirteten. Oder die Feuerwehr, die das Parkplatz-Management übernommen hatte und deren Männer teilweise stundenlang in der Hitze standen. Oder diejenigen, die im Hintergrund gearbeitet haben. Alle haben sie am Wochenende und im Vorfeld dafür gesorgt, dass der Straßenmusiksonntag so ist, wie ihn die Besucher kennen. Und es ist noch lange nicht Schluss, denn nachdem der letzte Besucher nach Hause ist, heißt es für die fleißigen Bräunlinger: Jetzt muss abgebaut werden. Also einfach einmal: Danke.

<p>Die Schereschleifer sorgen für reichlich Unterhaltung: Auch Bürgermeister Jürgen Guse (hinten Mitte) singt bei den Bräunlingern mit.</p>

Die Schereschleifer sorgen für reichlich Unterhaltung: Auch Bürgermeister Jürgen Guse (hinten Mitte) singt bei den Bräunlingern mit.

| Bild: Roland Sigwart

Der Künstler Senor Markuesen unterhält die Besucher des Bräunlinger Straßenmusiksonntags 2016. Auch 2018 sollen Gaukler, Musiker und Straßenkünstler in die Zähringerstadt locken.
Der Künstler Senor Markuesen unterhält die Besucher des Bräunlinger Straßenmusiksonntags 2016. Auch 2018 sollen Gaukler, Musiker und Straßenkünstler in die Zähringerstadt locken. | Bild: Roland Sigwart

 

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