Philipp Ewald ist ein junger Bräunlinger Landwirt und ein Tüftler, der immer für neue Ideen zu haben ist. Zu Hause auf dem elterlichen Palmhof hat er die Biogasanlage, die sein Vater Hubert als einer der ersten Landwirte in der Gegend im Jahr 2001 installiert hatte, Schritt für Schritt ausgebaut und optimiert, sodass sie mittlerweile neben der Milchviehhaltung zu einem wichtigen zweiten Standbein im Betrieb geworden ist. Mehr noch, der dort erzeugte Strom entspricht dem Verbrauch von etwa 1100 Durchschnittshaushalten. Und auch, was das „Futter“ für diese Biogasanlage betrifft, geht Philipp Ewald neue Wege.

Als ihm vor vier Jahren die „durchwachsende Silphie“ als Alternative zu dem üblicherweise verwendeten Mais als Biomasse angeboten wurde, war er sofort begeistert und startete einen Versuch. Da damals der Samen nur 15 Prozent Ausbeute hatte, mussten für ein zwei Hektar großes Feld 40 000 Pflänzchen teuer eingekauft und von Hand gepflanzt werden, eine Heidenarbeit. Weitere Nachteile sind das ertragslose erste Jahr, in dem die Pflanzen nur eine salatkopfgroße Rosette bilden und der gegenüber Mais um 15 Prozent geringere Gasertrag.

Auf zwei Hektar Fläche hat Philipp Ewald die durchwachsende Silphie angepflanzt und ist sehr zufrieden damit.
Auf zwei Hektar Fläche hat Philipp Ewald die durchwachsende Silphie angepflanzt und ist sehr zufrieden damit. | Bild: Lutz Rademacher

Heute zieht Philipp Ewald eine positive Bilanz. Denn die Vorteile überwiegen. Die Anfangsschwierigkeiten bei der Beerntung bekam man recht schnell in den Griff, dieses Jahr erntet man zum vierten Mal. Und die Silphie, die einen undurchdringlichen Dschungel aus 2,50 bis 3 Meter hohen Pflanzen bildet, ist extrem pflegeleicht. Im ersten Jahr musste man einmalig Mineraldünger einsetzen. Heute wird im September abgeerntet, im Frühjahr auf der Fläche Gülle aus der Biogasanlage aufgebracht, die lange nicht so geruchsintensiv ist wie im Stall. Und dann kommen die Pflanzen wieder, bis drei Meter hoch, und das mindestens 15 Jahre lang. Der älteste Bestand in Aulendorf bringt nach fast 30 Jahren immer noch genügend Ertrag. Kein Pflügen, keine jährliche Aussaat, und sehr umweltfreundlich, weil keine Pflanzenschutzmittel im Einsatz sind.

Die Pflanze ist grundwasserschonend, fördert Bodenlebewesen und baut Humus auf. Durch ganzjährige Bodendeckung werden Erosionen vermieden. Und sie bietet Lebensraum für vielerlei Insekten und Wildtiere. Mit ihren gelben Blüten ist sie eine optische Bereicherung des Landschaftsbildes. Und sie ist eine faszinierende Pflanze. Stolz zeigt Philipp Ewald die vierkantigen Stengel und erklärt, wie das Regenwasser, wie bei einem abgestuften Dach, von Blatt zu Blatt läuft, bis es den Boden erreicht.

„Dadurch, dass wir wenig Arbeit und wenig Maschineneinsatz haben, lohnt sich die Investition trotz geringerem Gasertrag“, freut sich der Landwirt. Es sei gut möglich, dass er die Silphie auf weiteren Feldern anpflanzt. Und die nächste Pflanzaktion wäre einfacher, denn Forschern sei es inzwischen gelungen, die Keimfähigkeit durch natürliche Selektion auf 90 Prozent zu erhöhen.

Nur einen Nachteil gibt es: Die Silphie kann nur für die Energieproduktion verwendet werden. Und der Palmhof fährt zweigleisig. Alle Erträge an Gras und Mais werden gehäckselt und gehen als Gras-Silage und Mais-Silage zur Hälfte in die Milchwirtschaft, werden ans Vieh verfüttert. Nur 50 Prozent wandern direkt in die Biogasanlage. Und deshalb wird die Silphie trotz ihrer Vorteile auf dem Palmhof mit seinen 140 Milchkühen eher Nebenrolle spielen.

Silphie

Die durchwachsende Silphie (Silphium perfoliatum) ist eine in Nordamerika beheimatete, asternartige Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler. Sie erreicht eine Wuchshöhe von bis zu drei Metern. Über Russland und die damalige DDR fand sie den Weg nach Süddeutschland. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September, in einer Zeit, in der Honigbienen nicht mehr viel Nektar finden. Deshalb fungiert sie als gute Bienenweide.