Mehr als 600 Besucher kamen gestern Abend in die Bräunlinger Stadthalle. Dort präsentierten sich die vier Bewerber um das Amt des Bürgermeisters bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion.

Moderiert wurde der Abend von Stephanie Jakober, Leiterin der Donaueschinger SÜDKURIER-Redaktion. Sie richtete die Fragen an die Kandidaten und hakte nach.

Dabei galt es nicht nur, Fachwissen und Visionen zu präsentieren, sondern auch, sich ganz persönlich zu zeigen.

Thematisch ging es dabei um die wichtigen Themen, die in Bräunlingen und den Ortsteilen in Zukunft anstehen: die neuen Messungen für potenzielle Windkraftstandorte, die Aufrechterhaltung der Ärzteversorgung oder das Vorgehen beim Mühlentor. Auch der Umgang mit den städtischen Schulden stand im Fokus.

 

Micha Bächle: "Landeszuschüsse effektiv nutzen"

Der 31-Jährige betonte in der Diskussion seine politische Erfahrung im Löffinger Gemeinderat, sowie als Assistent eines Landtagsabgeordneten. Wie er sagt, könne die Stadt den Schuldenabbau nicht auf einen Schlag bewältigen: "Ich kann mir nicht vorstellen, direkt Schulden abbauen zu können. Lediglich die Aufnahme soll so gering wie möglich sein. Will ich etwa die Kirchstraße sanieren, benötige ich entsprechende Mittel", so Bächle.

Was die Finanzen betrifft, will der Bewerber schauen, wie viele Landeszuschüsse eingebracht worden sind und in Zukunft genutzt werden können: "Das hilft enorm. Aber wir müssen auch die Bürger motivieren. Verbraucher können Dinge aktiv gestalten, etwa über die eigenen Stadtwerke."

Um Ärzte weiterhin in der Gegend zu halten und auch hierher zu bekommen, hat Bächle vor, eine Ärzte-Kommission einzurichten: "Da sprechen wir mit den vorhandenen Ärzten, holen auch die Apotheker ins Boot und schauen, wo es Perspektiven gibt."

Familien sollen in der Stadt bleiben oder hergelockt werden. Das gelingt laut Bächle mit der Bereitstellung von ausreichenden Baumöglichkeiten: Es müssen Gebiete ausgewiesen werden, genauso auch in den Ortsteilen. Zudem muss man sich Gedanken machen, finanzielle Anreize bei Bauplätzen zu schaffen. Wichtig sei auch eine entsprechende Infrastruktur.

Den Altstadtkern will er erhalten, aber auch Entwicklungen zulassen. Dazu müsse die Stadtbildsatzung überarbeitet werden: "Wo welche Auflagen sinnvoll sind."

Beim Thema der erneuerbaren Energien will Bächle nicht nur die Windkraft im Blick behalten, dort aber die Messungen abwarten.

 

Heiko Zorn: "Breitband-Ausbau nutzt der Stadt"

Über die Hälfte seines Lebens hat Heiko Zorn bereits Führungsverantwortung in Vereinen. Was die Schulden der Stadt betrifft, ist er der Auffassung, dass nicht nur auf die Tilgung gesetzt werden solle: "Mann kann nicht mehr ausgeben, als man hat. Im Haushalt ist das ähnlich. Wer investieren will, der muss eben einen Kredit aufnehmen", so Zorn.

Für ihn ist der Wald dabei eine gute Einnahmequelle. Er müsse nicht ganz abgeholzt werden, aber vielleicht sei ein Sondereinschlag möglich. Außerdem macht er sich für den Breitband-Ausbau stark: "Je mehr Verträge abgeschlossen werden, desto mehr verdient auch die Stadt durch das Verpachten."

Zorn plädiert dafür, gerade beim Ehrenamt viele Hürden abzubauen, die den Engagierten da noch in den Weg gestellt werden. Ganz konkret sieht er die in Form der Bürokratie, die es abzubauen gelte: "Vielleicht kann das Rathaus dabei helfen und beratend zur Seite stehen, etwa bei verkehrsrechtlichen Anforderungen bei Veranstaltungen."

Um neue Bewohner in die Stadt zu bekommen sei es vor allem notwendig, ausreichend Platz zu schaffen: "Hauptgrund, um hierher zu kommen, ist vorhandener Bauplatz", so Zorn. Er ergänzte: "Außerdem brauchen die Leute Arbeitsplätze. Insofern ist der Anschluss der Schwarzwaldbahn an Döggingen ein wichtiger Schritt. So entsteht eine Verbindung nach Freiburg."

In Sachen Ärztemangel schlägt der Kandidat vor, gemeinsam mit anderen Städten eine Veränderung des Verteilungsschlüssels der Kassenärztlichen Vereinigung zu bewirken.

Das historische Stadtbild will er erhalten, schlägt aber vor, in der Kernstadt über Preisnachlässe nachzudenken.

 

Carmen Haberland: "Jugend muss sich identifizieren"

Für die Kandidatin ist Transparenz ein wichtiger Punkt. Ihrer Meinung nach hat es bei der Sperrung des Mühlentores an der Kommunikation gefehlt: "Ich hätte versucht, die Einzelhändler besser zu informieren. Außerdem, ob man eine Alternative zur Vollsperrung hätte finden können."

Auch ist sie der Meinung, die Schulden der Stadt können nicht sofort getilgt werden: "Wenn ich etwas kaufen möchte, kann ich nicht immer gleich zahlen. Vieles muss eben finanziert werden."

Haberland denkt nicht, dass ein Sondereinschlag im Wald auf lange Sicht für die Stadt einen Nutzen bringt. Zudem gebe es viele Einnahmequellen, die "dem Bürger auf die Füße fallen werden", etwa Parkgebühren oder andere Abgaben. Das sei nicht der richtige Weg.

Sie spricht sich dafür aus, der Jugend mehr Anreize zu geben, sich mit der Stadt zu identifizieren: "Identifikation auch durch Mitspracherecht, etwa durch einen Jugendgemeinderat." Entsprechend sieht sie bei der Förderung von Vereinen auch die Kinder- und Jugendarbeit im Fokus: "Das muss in Form von Sonderprojekten unterstützt werden."

Die Kandidatin ist kein Gegner der Windkraft. Jedoch müssen im Vorfeld genau die Rentabilität und der notwendige Naturschutz geprüft werden. Außerdem sei es immer eine Frage der Menge solcher Anlagen.

Das historische Stadtbild beschreibt sie als "ganz besonders" und will sich dafür einsetzen, es zu erhalten: "Vielleicht sollte man da allerdings an die Stadtbildsatzung mal ran und Anreize schaffen."

Um Ärzte in die Stadt zu locken, will sie gezielt an Universitäten werben.

 

Andreas Schreiber: "Bräunlingen bietet viele Chancen"

 Er hat nicht das Ziel, weitere Verschuldungen aufzunehmen. "Der Schuldenbestand soll gehalten, eher gesenkt werden", sagt er. Um wieder Geld in die städtischen Kassen zu spülen weist er beispielsweise auf die Stadthalle hin. Dort, so Schreiber, liege noch einiges Potenzial. "Schauen sie auf das Dach, nirgends ist eine Photovoltaik-Zelle zu sehen." Auch sollte die Halle voll ausgelastet werden: "Dadurch finanziert sie sich selbst."

In Bräunlingen sei es sehr positiv, dass es sehr viele Bauplätze gebe, die sich bereits im Besitz der Stadt befinden: "Sie sind nur noch nicht erschlossen. Wir haben ein gutes Entwicklungspotenzial, auch die Verdichtung muss dabei berücksichtigt werden." Zudem sollen in alten Gebäuden neue Wohnungen geschaffen werden.

Um dem Ärztemangel vorzubeugen, setzt Schreiber darauf, entsprechend Werbung für die Stadt zu machen und deren Attraktivität deutlich zu machen: "Etwa in Form von Inseraten in Arzt-Zeitschriften."

Schreiber will als Bürgermeister versuchen, viele brachliegende Gewerbeflächen wieder angehen: "Man sollte da Kontakt zu den Besitzern aufnehmen und die Flächen reaktivieren. Da gibt es ungenutztes Potenzial.

In der Windkraft sieht der Kandidat eine große Chance für die Stadt. Davon könnten die eigenen Stadtwerke profitieren und die Bürgerenergiegenossenschaft würde eventuell hier investieren: "Das hätte auch gleich eine andere Symbolkraft, die Windräder in Bürgerhand. Die Beeinträchtigungen werden, meiner Meinung nach, nur optischer Art sein."

Beim historischen Stadtkern ist es für ihn wichtig, zu schauen, wie weiter modernisiert werden könne.

 

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