Vor 50 Jahren war die Mondlandung das dominierende Thema in den Medien. Schon bevor Apollo 11 den Weg zum Himmelskörper antrat, waren die Zeitungen voll mit Berichten. Über die Technik, das Personal und auch der Frage, ob sich die Astronauten vielleicht sogar mit einem Mond-Virus anstecken können. Wie sich im Anschluss an die Mondlandung im Juli 1969 rausstellen sollte, herrschte keine Infektionsgefahr.

Ein Jahrundertereignis: Der Astronaut Buzz Aldrin geht auf der Mondoberfläche spazieren. Am 20. Juli hat sich die Mondlandung zum 50. Mal gejährt.
Ein Jahrundertereignis: Der Astronaut Buzz Aldrin geht auf der Mondoberfläche spazieren. Am 20. Juli hat sich die Mondlandung zum 50. Mal gejährt. | Bild: NASA/AP/dpa

Astronauten sind plötzlich Trend

Infiziert waren aber vor allem die Kinder. Weltweit gesellten sich neben den klassischen Cowboy-und-Indianer-Jagden plötzlich auch Raketenflüge und hopsende Astronauten. So auch auf der Baar, genauer in Bräunlingen. „Es war im Juli 1969, als alle im Raumfahrtfieber waren. Am 16. Juli war Apollo 11 in Kap Kennedy gestartet, auch das schon ein Großereignis, denn die Starts der Raketen waren nicht immer glatt verlaufen. In der Presse und im Fernsehen gab es nur noch ein Thema“, erinnert sich Wolfgang Kropfreiter an jene Tage. Sein Vater Engelbert Kropfreiter, damals als Mitarbeiter für den SÜDKURIER unterwegs, machte ein Foto seiner beiden Söhne Wolfgang und Eckhard, wie sie mit dem Nachbarsjungen Edmund die Mondlandung nachspielen. Stilecht in Raumanzügen aus Karton.

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Die drei Bräunlinger Astronauten: SÜDKURIER-Ausschnitt vom Juli 1969. Wolfgang und Eckhard Kropfreiter verkleiden sich mit dem Nachbarsjungen Edmund als Astronauten. Bild: Archiv Kropfreiter
Die drei Bräunlinger Astronauten: SÜDKURIER-Ausschnitt vom Juli 1969. Wolfgang und Eckhard Kropfreiter verkleiden sich mit dem Nachbarsjungen Edmund als Astronauten. | Bild: Wolfgang Kropfreiter

Bräunlinger auf der großen Werbetafel

Dieses Bild, 1969 im SÜDKURIER erschienen, war nun zum 50. Jubiläum der Mondlandung in London zu sehen. Und zwar nicht irgendwo, sondern an einem der prominentesten Plätze weltweit: der großen Werbetafel am Piccadilly Circus. Aber wie kam das überhaupt zustande? Eckhard Kropfreiter lebt in London und wurde dort über das Radio auf das „The People‘s Moon-Projekt der Künstlerin Helen Marshall aufmerksam.

„Marshall ist bekannt für ihre überdimensionalen Bildinstallationen, die aus einzelnen Fotografien zusammengesetzt sind, die wie Pixel aus der Distanz zu einem Ganzen werden“, erklärt Kropfreiter. Zum Mondlandungs-Jubiläum hat sie nun die Öffentlichkeit gebeten, private Bilder, die mit der Mondlandung zu tun haben, einzuschicken. Das Bild aus Bräunlingen wurde ihr geschickt und kam so gut an, dass entschieden wurde, es auf der großen Werbewand zu zeigen. Die Bilder wurden auch am Times Square in New York und am Kennedy Space Centre gezeigt.

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Karton aus dem Schreibwarengeschäft

Kropfreiters hatten in den 1960er-Jahren vor allem jede Menge Kartons zur Verfügung. „Meine Mutter betrieb zu dieser Zeit ein Schreibwarengeschäft am Spitalplatz, wo wir damals auch wohnten. Es gab von den angelieferten Waren jede Menge Kartons, die so die Woche über anfielen. Da wir zu dieser Zeit sehr viel auf der Straße gespielt und auch viel gebastelt haben, kamen wir auf die Idee uns Raumanzüge aus Karton zu basteln“, erklärt Kropfreiter. Die Jungs haben sich Löcher für die Arme reingeschnitten, für den Kopf habe es eine passende Bedeckung aus kleineren Kartons gegeben.

„Der Sauerstofftank auf dem Rücken durfte natürlich auch nicht fehlen und eine Antenne für den Funkkontakt zur Erde, dazu diente ein Bambusstöckchen, aufgemalt auch die Aufschrift NASA„. Für die Schuhe habe man Styroporeinsätze in den Schachteln gefunden, die das Bild des Raumanzuges abrundeten. „Nun spielten wir Mondlandung, hüpften wie die Astronauten durch die Untere Waldstraße und eroberten unseren Mond. Unsere selbst gebastelten Raumanzüge aus Karton waren wohl ebenso unbequem und starr, wie die der echten Astronauten“, so Kropfreiter.

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50 Jahre später an solch prominenter Stelle in London zu sehen, damit hatte damals wohl auch keiner gerechnet.

So hat Wolfgang Kropfreiter die Mondlandung miterlebt

  • Experten erklären: Da wir zu dieser Zeit kein eigenes Fernsehgerät hatten, mussten wir bei unserer Großmutter Valentine schauen. Professor Heinz Haber und Günter Siefarth erklärten mit kleinen Modellen der Raumfahrzeuge die Geschehnisse und auch im Fernsehstudio war so manches aufgebaut, was von Experten beschrieben und kommentiert wurde. Am 19. Juli erreichte Apollo 11 die Umlaufbahn um den Mond, am 20. Juli trennte sich die Mondfähre „Eagle“ vom Mutterschiff Columbia. Zweieinhalb Stunden später landeten sie auf dem Mond.
  • Die ersten Bilder: Um die ersten Bilder vom ersten Mann auf dem Mond nicht zu verpassen, hatten wir uns bei meiner Großmutter Nachts um circa 3 Uhr eingefunden und ließen die Ereignisse auf uns einwirken. Müde aber gespannt sahen wir die Sendung. Die Live-Bilder vom Mond waren miserabel und das Ganze zog sich in die Länge, was bei uns Kindern zu Ungeduld führte.
  • Viel Phantasie ist notwendig: Und nach etlichen Nachfragen von Günter Siefarth an den Live-Reporter kamen dann endlich doch die ersten Bilder in schlechter Qualität, aber mit viel Phantasie und den Erklärungen, konnte man sich dann doch ein Bild machen, später wurden die Bilder besser.
  • Erstmals um 3.56 Uhr: Neil Armstrong hatte um 3.56 Uhr MEZ und 20 Sekunden als erster Mensch den Mond betreten, es folgte um 4.14 Uhr Edwin Aldrin. Ein Jahrhundertereignis und wir waren mit dabei. Der Ausflug dauerte nicht lange, das amerikanische Sternenbanner wurde gesetzt, Mondgestein gesammelt und eine Gedenkplakette hinterlegt. Abends dockten sie wieder an die Columbia an und am 24. Juli landete das Apollo Raumschiff mit drei Astronauten an Bord im pazifischen Ozean.

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