Paula und Manfred Grieshaber aus Döggingen liegt das Leben auf dem Land am Herzen. Und sie setzen eine Menge Engagement in die Aufgabe, den Dorfkern am Leben zu halten und gleichzeitig neuen attraktiven Wohnraum aus einem alten Haus zu schaffen. Das haben sie gemacht und den einstigen Gemischtwarenladen an der Dögginger Gauchachstraße 10 umgebaut und grundlegend saniert. Der Umbau ist abgeschlossen und gut gelungen.
 

Aufzug und Freitreppe führen in die drei neuen Wohnungen. Wo früher ein offener, wenig einladender Balkon und darunter ein Laden-Schaufenster war, ist jetzt der behindertengerechte Zugang zu den Wohnungen. Der Giebel wurde mit Holz ansprechend verkleidet.
Aufzug und Freitreppe führen in die drei neuen Wohnungen. Wo früher ein offener, wenig einladender Balkon und darunter ein Laden-Schaufenster war, ist jetzt der behindertengerechte Zugang zu den Wohnungen. Der Giebel wurde mit Holz ansprechend verkleidet. | Bild: Manfred Beathalter

Das Haus, das mehr als 100 Jahre alt ist, hat sein Gesicht deutlich verändert, innen und außen. Seit gut zwei Jahren sind die drei Wohnungen vermietet an junge Leute, denen ihr neues Zuhause gut gefällt: Drei Wohnungen mit jeweils etwa 100 Quadratmetern Wohnfläche sind entstanden, ein vorgesetzter Aufzug mit einer integrierten Freitreppe ermöglicht den Zugang zu den Wohnungen. Das Dachgeschoss ist ausgebaut, alle drei Wohnungen haben im hinteren Bereich auf der Westseite Balkone. Sie ermöglichen einen Blick in den Rosengarten, den Manfred Grieshaber seit Jahren pflegt und zu einem Blickfang gemacht hat. Das alles hat eine umfangreiche Vorgeschichte. Denn die Grieshabers mussten nicht nur einen enormen finanziellen Aufwand schultern. Sie lernten auch die bisweilen zähen Genehmigungs- und Planungsverfahren kennen. Und sie mussten viel Geduld aufbringen bis die Zusagen von Zuschüssen nach den Richtlinien des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) endlich durch waren. Am Ende gab es nicht mal zehn Prozent an Zuschüssen für das Projekt. Dafür aber immer neue Überraschungen, die in den alten Mauern schlummerten: Die Bausubstanz des alten Hauses war dann doch nicht so gut und stabil wie bei Baubeginn erwartet.
 

Das Haus, wie es vor dem Umbau aussah: Vier Generationen haben in mehr als 100 Jahren den Gemischtwarenladen betrieben, bis vor wenigen Jahren auch Paula und Manfred Grieshaber als IFA-Markt. Sie haben das Haus nun in Wohnungen umgewandelt.
Das Haus, wie es vor dem Umbau aussah: Vier Generationen haben in mehr als 100 Jahren den Gemischtwarenladen betrieben, bis vor wenigen Jahren auch Paula und Manfred Grieshaber als IFA-Markt. Sie haben das Haus nun in Wohnungen umgewandelt. | Bild: Privat

Irgendwann standen Planung und Finanzierung des Umbaus, vor gut drei Jahren konnte der Startschuss gegeben werden. Der einstige „Tante-Emma-Laden“, den die Familie Grieshaber in vier Generationen betrieb, hatte seinen Schlusspunkt vor gut drei Jahren. Paula und Manfred Grieshaber hatten das Geschäft über Jahre betrieben und auch in Mundelfingen noch einen kleinen Laden am Leben gehalten, bis es sich nicht mehr lohnte. Sechs Jahre stand das Haus an der Gauchachstraße leer, das Haus verlor an Substanz. Dann begann ein neues Kapitel: Das Ehepaar wollte aus dem traditionsreichen Gebäude etwas Sinnvolles machen. So entstand bei Paula und Manfred Grieshaber die Idee, das Haus in eine Wohngemeinschaft für Senioren umzubauen. Beratungen, Workshops und Gespräche mit Fachleuten brachten sie aber von diesem Gedanken ab: Die Zeit sei im ländlichen Raum noch nicht reif für eine solche Wohnform. „Aber das wird kommen“, ist Paula Grieshaber überzeugt. Auch deswegen wurde das Haus behindertengerecht umgebaut: Schaufenster und Ladengeschäft wurden abgerissen, eine neue Bodenplatte betoniert und darauf die drei Wohnungen erstellt. Der frühere Balkon wurde ebenfalls abgerissen. Duschen und Sanitäranlagen sind jetzt behindertengerecht, eine Pellets-Heizung im Nachbarhaus, das den Grieshabers auch gehört, sorgt im Winter für Heizung und Warmwasser.
 

Nach dem Umbau: An den Gemischtwarenladen in Döggingen erinnert nichts mehr. Wo einst das Schaufenster war, sind jetzt drei Fenster mit Klappläden, dahinter eine großzügige Wohnung. Wo früher der Balkon war, sind jetzt Aufzug und Treppenaufgang.
Nach dem Umbau: An den Gemischtwarenladen in Döggingen erinnert nichts mehr. Wo einst das Schaufenster war, sind jetzt drei Fenster mit Klappläden, dahinter eine großzügige Wohnung. Wo früher der Balkon war, sind jetzt Aufzug und Treppenaufgang. | Bild: Manfred Beathalter

Für Paula Grieshaber ist der mit großem Idealismus verfolgte barrierefreie Umbau auch ein Blick in die Zukunft wert: „Ich will in Döggingen alt werden“, sagt sie. „Ich will nicht aus dem Ort müssen.“ Und die für 2019/2020 geplante Breisgau S-Bahn ist für beide eine tolle Perspektive: In Döggingen werden alle Züge halten, auch deswegen müsse der Dorfcharakter für Bräunlingens größten Ortsteil erhalten werden. „Es wäre toll, wenn junge Leute die alten Häuser ihrer Eltern übernehmen würden“, meint Paula Grieshaber, dazu müssten die Eltern bereit sein, die Übergabe zeitig zu regeln.

Die Serie

Wer wachen Auges durch die Baaremer Dörfer geht, entdeckt leer stehende Gebäude, verödete Hofstellen und verfallende Scheunen. In den Straßen halten sich nur wenige Menschen auf, meistens ältere. Langsam wird immer deutlicher, was mit den Ortskernen geschieht: Sie veröden, wenn die Politik nicht bewusst gegensteuert. In unserer Serie "Neuer Glanz in alter Hütte" wollen wir gute Beispiele für eine Innenentwicklung vorstellen. Und die Menschen, die dahinterstehen. Denn die Bewohner und Eigentümer müssen mitziehen, wenn die Innenentwicklung klappen soll. Das Baugesetzbuch verlangt als Leitlinie für die gemeindliche Planung eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung und fordert, mit Grund und Boden sparsam umzugehen. Davon abgesehen, liegt Flächensparen auch im ureigensten Interesse der Gemeinden: Eine gute Bauleitplanung schont landwirtschaftliche Nutzflächen und Natur, aber auch den Gemeindehaushalt, weil keine zusätzliche Infrastruktur in der Fläche vorgehalten werden muss. Außerdem steigert sie die Attraktivität des Ortskerns, wenn sich das Leben weiterhin im Zentrum abspielt und sich nicht in Neubaugebiete verlagert. Der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen bietet im Projekt Flächenmanager gemeinsam mit Fachleuten aus der Innenentwicklung ein kostenloses Beratungsangebot für Eigentümer an. Weitere Informationen unter www.gvv-umweltbuero.de/innenentwicklung. (hon)