Cego gehört zum Schwarzwald wie der Schinken und der Feldberg. War das badische Kartenspiel vor einiger Zeit eher weniger präsent, erfreut es sich mittlerweile einer steigenden Anzahl an neuen Spielern und interessiertem Nachwuchs, der das traditionelle Spiel lernen möchte.

Besonders freut das die Organsiatoren der Schwarzwald-Meisterschaften, einem großen Cego-Turnier, bei dem an 13 Standorten in Südbaden gegeneinander gespielt wird. So wird schließlich der Schwarzwald-Meister ermittelt. Das Ganze soll jetzt allerdings noch einen zusätzlichen Überbau erhalten: Ein Verein namens Cego Schwarzwald soll entstehen, mit Sitz in Bräunlingen: "Die Stadt ist eine wahre Cego-Hochburg im Schwarzwald und ein Magnet für das Spiel", erklärt Rolf Erbert, der im Verein die Funktion des Terminkoordinators übernehmen soll. Allein vier Turniere der Meisterschaften finden in Bräunlingen statt.

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Der sogenannte Gstieß ist beim badischen Kartenspiel Cego der höchste Trumpf. Das Motiv stammt von den Tarock- oder Tarotkarten.
Der sogenannte Gstieß ist beim badischen Kartenspiel Cego der höchste Trumpf. Das Motiv stammt von den Tarock- oder Tarotkarten. | Bild: Simon, Guy

"Wir hoffen, dass wir dadurch noch den ein oder anderen Sponsor finden können. Zudem ist es als Verein möglich, Spendenbescheinigungen ausstellen zu können." Außerdem soll er den zahlreich existierenden Cego-Vereinigungen in der Region ein "Dach über dem Kopf geben". Die Gründungssitzung ist auf Mittwoch, 7. November, angesetzt. Dabei ist auch schon ein weiteres Ziel gesteckt, das allerdings in etwas größerer Entfernung: ein Cego-Verband.

  • Interesse: Dass der Verein regen Zulauf finden wird, davon sind die Initiatoren, aus verschiedenen Gemeinden aus dem Schwarzwald kommen, von St. Peter, Simonswald bis nach Donaueschingen, überzeugt: "Cego war gebietsweise am Aussterben und Skat dominierte. Seit es die Schwarzwald-Meisterschaften gibt, haben wir auch wieder viele Jugendliche, die das Spiel lernen, oder Leute, die es früher mal gelernt haben und wieder für sich entdecken", sagt Erbert. Auch über die Schwarzwald-Meisterschaften hinaus gebe es viele dezentrale Turniere in kleinen Orten.
  • Die Meisterschaften: Vor 18 Jahren wurde das große Turnier in Pfaffenweiler bei Villingen-Schwenningen von Rolf Erbert, Josef Sieber und Lothar Neugart ins Leben gerufen. Der Gedanke dahinter sei es gewesen, die zahlreichen kleinen Turniere unter einem gemeinsamen Nenner zusammen zu bekommen. Gar nicht so einfach, gibt es doch gerade im Cego unzählige regionale Unterschiede: "Das ist von Dorf zu Dorf verschieden. Wir mussten ein einheitliches Regelwerk schaffen, das für alle galt", so Erbert. Ab dem dritten Jahr der Meisterschaften werde entsprechend gespielt. Mitterweile versammeln sich pro Turnier mindestens 100 bis 150 Leute aus einem Stamm von etwa 400 verschiedenen Mitspielern. Das Turnier speist sich außerdem aus bis zu 2500 aktiven Cego-Spielern im Schwarzwald. Die neue Saison startet am Sonntag, 11. November, in Hofsgrund. Das Finale findet am 14. April in Freiburg bei der Brauerei Ganter statt, neben der ZG Raiffeisen einer der großen Sponsoren der Veranstaltung. Gewonnen hat, wer über den gesamten Verlauf der Meisterschaften die meisten Pluspunkte auf seinem Konto verbuchen kann . Amtierender Meister ist Hans-Peter Schultis aus Simonswald.
  • Viele Gemeinschaften: Auch wenn es zeitweise nicht so prominent in der Öffentlichkeit stand, Cego hat immer weitergelebt. Vor allem in kleinen Gruppen, die sich regelmäßig zum Spielen getroffen haben und immer noch treffen. "Viele haben dabei Angst, am Turnier dabei zu sein, weil sie denken, es da ausschließlich mit Profis zu tun zu bekommen", erklärt Wolfgang Fürderer, der zukünftig erster Vorsitzender des neuen Vereins sein soll. Er ergänzt: "Cego muss vor allem Spaß machen. Ein guter Tisch ist wichtiger als die Punkte, darum geht es." Dabei versammeln sich alle Generationen und alle Schichten, "vom Arbeiter bis hin zum Bankdirektor", so Fürderer. Dazu gehöre dann auch mal ein derber Spruch oder das Verzeihen eines Fehlers.

Woher stammt das traditionelle Cego-Kartenspiel?

  • Wissenschaft: Zur Herkunft von Cego gibt es verschiedene Theorien, die wahrscheinlichsten stammen von Gerold Blümle und weisen auf die spanieschen Erbfolgekriege, anfangs des 18. Jahrhunderts.
  • Tarot: Die heutigen Motive der Cego-Karten sind verwandt mit jenen aus dem Tarock- oder Tarot. Die gelangten über die Früstenhäuser nach Russland, Österreich und schließlich in den Schwarzwald.
  • Spanien: Während des Erbfolgekrieges schickte der Markgraf von Baden Soldaten zur Unterstützung des spanischen Königs in den Süden. Dort lernten sie das Spiel "L'Hombre" kennen. Ein Spiel, das sich im 18. und 19. Jahrhundert über ganz Europa verbreitete. Man spielte mit unbekannten Karten, die man quasi blind vom Tisch aufnahm. Blind heißt auf spanisch "ciego". Die Schwarzwälder mischten das Spiel mit ihren Karten. Beim Cego befinden sich in der Mitte zehn Karten, die als Blinde bezeichnet werden.
  • Wo wird Cego gespielt? Das Spiel reicht nicht über den Südschwarzwald hinaus, bis auf einige Ausnahmen, bei denen Einheimische Cego in andere Städte oder Länder, etwa die USA, mitnahmen. "Es gibt keine Erklärung, warum das Spiel streng in Baden geblieben ist", sagt Rolf Erbert. Im Schwäbischen gebe es etwa keine Turniere.
  • Strategie: "Cego ist eines der wenigen Karten-Strategie-Spiele", erklärt Gerda Lorenz, die in Hofsgrund das Turnier organisiert. Wer Skat spielen könne, habe es leichter. "Das Schöne ist jedoch: Mann kann nicht sagen, der da ist Meister und wird gewinnen. Das Kartenglück zählt dazu."
  • Lernen im Internet: Die Fachhochschule Furtwangen hat einen Cego-Onlinekurs für Anfänger entwickelt: http://www.cego-online.de