Ulf und Sabine Gerspacher haben alle Hände voll zu tun. Termine, Gespräche, hier etwas organisieren, da etwas unterschreiben. Der normale Wahnsinn eben, wenn man eine Gaststätte neu eröffnet. Das Ehepaar wird zukünftig in der Löwen-Brauereigaststätte für die Bewirtung sorgen.

Los geht es bereits Ende des Monats. Am Sonntag, 31. März, findet ab 12 Uhr die offizielle Eröffnung in der Friedhofstraße statt. Es wird Live-Musik geben und ein paar Gerichte aus der Speisekarte. Die gesamte Speisekarte wird dann nach der Eröffnung zur Verfügung stehen.

„Ich habe keine Ahnung, was passiert“, sagt der 44-jährige Ulf Gerspacher. „Im Optimalfall sind wir am ersten Tag voll belegt“, hofft er.

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Mehrere Monate Leerstand

Dass nach mehrmonatigem Leerstand nun wieder Leben in den Löwen einkehrt, freut auch Eveline Kalb von der Brauerei. „Wir sind froh darüber. Immerhin wird es heutzutage immer schwieriger, noch Pächter zu finden“, sagt sie. Gerspacher und seine Frau wollen nun in der Zähringerstadt mit ihrem Angebot durchstarten.

Beide sind Fachleute im gastronomischen Bereich. Gerspacher ist gelernter Koch, seine Frau ist ausgebildete Restaurant-Fachfrau, bildet selbst auch aus und besitzt außerdem eine Ausbildung der American Bartender School. Cocktails sind also kein Problem.

„In der Prüfung gehört es dazu, in einer Minute vier klassische Cocktails zu mixen“, erklärt Gerspacher. Das geht natürlich nur mit entsprechender Vorbereitung.

Große Adressen im Portfolio

Wie es zu einem gastronomischen Paar passt, haben sich die beiden auch entsprechend kennengelernt: Im Bayerischen Hof in München. Sie haben in ihrem beruflichen Portfolio auch weitere renommierte Adressen.

Die 25-jährige Sabine Gerspacher hat im Glottertaler Hotel Hirschen gelernt, schließlich auch mal beim bekannten Fernsehkoch Alfons Schuhbeck in den Südtiroler Stuben gearbeitet.

Ihr Mann kann neben Feinkost Käfer etwa auch Stationen bei Koch Stefan Marquard und bei Kevin Fehling im Restaurant „The Table“ aufweisen. Letzteres eine renommierte Adresse in Hamburg.

Was dort geboten werden soll

Das soll zukünftige Gäste allerdings nicht abschrecken, erklärt Gerspacher: „Wir werden hier nicht eindecken wie in unserem vorherigen Betrieb, einem Hotel in Todtnauberg. Es soll gemütlich und rustikal zugehen im Löwen.“

Der Koch erklärt: „Wir wollen schon etwas bieten, aber bodenständige Wirtshausküche, nicht nur die wildesten Sachen auf der Speisekarte.“ Allerdings: Es soll auch mal Anderes geben, im positiven Sinne. Wie sieht das aus? Gerspachers kulinarischer Ziehvater hatte ihm einst geraten, in der jeweiligen Region die typische Küche auch mal leicht abzuändern.

Daraus ist bei vorherigen Stationen dann etwa die Schwarzwälder Hirschtorte als Vorspeise entstanden. Saure Kirschen, Hirschfleisch und Gänseleber, appetitlich angerichtet in der Optik eines Tortenstückes.

Dennoch: „Der Wurstsalat wird nicht fehlen, auch das Schnitzel nicht“, erklärt der Koch. Daneben aber auch etwa Tatar vom Rind mit Sauerteigbrot oder Weißbiersüppchen mit Laugencroutons. Und vielleicht auch mal maritime Spezialitäten aus dem Norden, der Heimat von Ulf Gerspacher: „Hamburger Pannfisch oder Labskaus liefen im Schwarzwald immer spitze.“ Alles unter dem Leitfaden saisonaler Angebote.

Außerdem sei man wieder Mitglied bei den Südland-Köchen und den Naturparkwirten. Letzteres eine Vereinigung, bei der in den Speisekarten ausgezeichnet wird, welche Gerichte aus der Region stammen. „Außerdem müssen mindestens 30 Prozent von hier kommen. Das wird auch kontrolliert“, so Gernspacher.

Wo war das Paar zuvor?

Bis im April vergangenen Jahres waren Sabine und Ulf Gerspacher Inhaber eines Hotels in Todtnauberg, davor führten sie ein Restaurant in Gengenbach. „Wir haben uns bewusst entschieden, uns zu verkleinern“, sagt Gerspacher.

Aufgrund der schwierigen Personal-Situation habe man sich schließlich dazu entschieden, den Vertrag im Hotel nicht zu verlängern. Da sei der Bräunlinger Löwen bestens geeignet. Man sei dort übrigens auch noch offen für Aushilfskräfte.

Vergangenheit ist kein Problem

Dass der Löwen in den vergangenen Jahren einige Pächter hat Kommen und Gehen sehen, schreckt das Ehepaar nicht ab: „Das war auch in Todtnauberg der Fall. Funktioniert hat es für uns dann trotzdem.“ Wenn die Qualität passe, dann spreche sich das rum.

Dazu müsse man allerdings „eine runde Sache abliefern“. Service und Küche Hand in Hand. Positive Vorzeichen gibt es bereits: Eine Tauf- sowie eine Hochzeitsgesellschaft haben bereits im Löwen reserviert. Ein verheißungsvoller Auftakt für das gemütliche Gasthaus.

Wechselhafte Vergangenheit

Auf und zu – damit lässt sich die Situation der Bräunlinger Löwen-Brauereigaststätte bezeichnen. Ein Blick in die SÜDKURIER-Berichterstattung der Vergangenheit.

  • 2016: "Seit kurzem sind mit dem Löwen bei der Löwenbrauerei und dem Zacher direkt beim Stadttor zwei Gasthäuser geschlossen, da sich die bisherigen Pächter anderweitig beruflich orientiert haben. Vor allem der Löwen unter Stefan Oberle konnte als Steak-Haus viele Gäste überzeugen."
  • 2015: "Der "Löwen" ist nach mehrmonatiger Pause seit 1. Mai wiedereröffnet. Stefan Oberle, der unter anderem einige Jahre das "Torstüble" in Villingen geführt hat, ist neuer Betreiber. Er bietet rustikale regionale Küche an.
  • 2014: "Die Brauereigaststätte ,,Löwen" hat nur noch bis Samstag geöffnet. Wirtin Ines Vosseler kapituliert nach einem Jahr aufgrund zu geringer Umsätze. An Ostern 2013 hatte sie die Gaststätte übernommen, nachdem schon längere Zeit die Inhaberfamilie Kalb nach einem geeigneten Pächter für das Traditionslokal gesucht hatte."
  • 2013: "Nach rund drei Jahren Leerstand wird im Bräunlinger Traditionslokal ,,Löwen" demnächst wieder das Licht angehen. Ines Vosseler (45), die seit sechs Jahren in Walter Hausers ,,Mostschöpfle" am Hüfinger Schosenhof mitwirkt, steigt dort aus und macht sich erstmals selbstständig als künftige ,,Löwen"-Wirtin. Wiedereröffnung der Brauereigaststätte in vertrauter Anmutung solle im Verlauf des Frühjahrs sein, sagte Quereinsteigerin Ines Vosseler gestern."
  • 2004: "Seit Donnerstag, 1. Juli, sind die Tore der traditionsreichen Brauereigaststätte zum Löwen wieder für Gäste geöffnet. Nach einer längeren wirtelosen Zeit haben Beate Schutka und ihr Partner Matthias Haist das Lokal übernommen. In der Gastronomie sind die beiden keine Neulinge. Den "Löwen" wollen beide als gut bürgerliches Lokal führen."