Sie gehörte seit Generationen zum festen Bestandteil des religiösen Gemeindelebens, die Fronleichnamsprozession durch den Ort. Zwar ist der durchgehende Blumenteppich auf dem Prozessionsweg seit einigen Jahren Geschichte, geblieben waren aber die vier geschmückten Altäre entlang des Prozessionswegs. Heuer nun fällt erstmals sowohl der Fronleichnamsgottesdienst als auch die Prozession dem allgemein bekannten Priestermangel und den daraus resultierenden Pfarreireformen zum Opfer.

Einst vor dem Adler aufgestellt

Rund 70 Jahre lang schmückte Jahr für Jahr eine rund ein Meter große geschnitzte Madonna der Familie Oschwald einen Altar der Fronleichnamsprozession. Bis in die 40er-Jahre des vorigen Jahrhunderts war dieser Altar im Hof des Gasthauses „Adler“ aufgestellt. Danach nahm sich Elise Oschwald nach Ausbau des Adler-Vorplatzes mit gleichzeitig zunehmendem Verkehr in der Nachkriegszeit dieses Altars an. Sie schmückte ihn viele Jahre lang im Hof ihres Anwesens. Seit einigen Jahren betreut der Landfrauenverein auf dem Hof der Volksbankfiliale diesen Altar, dessen zentraler Mittelpunkt aber nach wie vor die Madonnenfigur ist.

Ein Versprechen in harten Kriegszeiten

Hinter dem Kunstwerk verbirgt sich eine kaum bekannte Familiengeschichte, die in die Wirren und Nöten des Zweiten Weltkriegs seinen Ursprung hat. Als die Kriegshandlungen auch die Baar in arge Bedrängnis brachten und täglich Nachrichten vom Kriegstod vieler junger Dögginger die Gemeinde erreichten, legten Elise Oschwald und ihr Nachbar Franz Willmann ein Versprechen ab. Sollte Döggingen von den Verwüstungen des Krieges verschont bleiben, wollten sie gemeinsam den Bau einer Kapelle auf den Höhen des Kälberrains veranlassen und finanzieren.

Madonna mit sechs Zentner Weizen bezahlt

Dem setzte aber die wirtschaftliche Not nach Ende des Krieges finanzielle Grenzen. Und so erbat man sich beim damaligen Pfarrer Johannes Schmid die Erlaubnis, statt der Kapelle eine Madonna stiften zu dürfen. Nachdem der Pfarrer dem Ersuchen stattgab, wurde unverzüglich ein bekannter Holzschnitzer aus Furtwangen mit der Lieferung betraut. Für 300 Mark und sechs Zentner Weizen, ein in der damaligen Notzeit beträchtlicher Einsatz, fertigte er die aus zwei Teilen bestehende gewünschte Holzfigur an. Für die Einlösung der Forderungen wurde eine Aufteilung in drei Raten vereinbart.

Seit jenen Jahren nun wird die Marienskulptur bestens behütet von den Familien Ernst und Lothar Oschwald. Heuer allerdings wird sie vergeblich auf ihre Präsentation warten.