Das Wort Verkehrskonzept scheint in der Region nicht gerade positive Empfindungen hervorzurufen. Zwar hatte Bräunlingens Bürgermeister Micha Bächle das Ganze extra Innerstädtisches Mobilitätskonzept genannt, doch so mancher seiner Gemeinderäte befürchtet doch gleich, es könnte so laufen, wie in einer Nachbarstadt. Dabei machte Bächle gleich klar: "Es geht nicht darum, die Verkehrsströme großräumig um die Innenstadt umzuleiten oder die Autos aus der Innenstadt zu verbannen, Ziel ist es, dass alles in größtmöglicher Harmonie unter einen Hut zu bringen."

Erster Schritt soll eine Verkehrszählung sein. Leitplanken und Kernpunkte werden vom Gemeinderat vorgegeben und das Büro "Fichtner Water und Transport", das auch schon in Löffingen, aber nicht in Donaueschingen tätig war, wird ein Konzept erstellen. Und auch die Bürger sollen ihre Anregungen, Wünsche und Vorschläge über das Anregungs- und Beschwerdemanagement der Stadt abgeben können. Diese Vorschläge werden dann an das Büro weitergeleitet. "Ob und was wir umsetzen, entscheidet der Gemeinderat", verspricht der Bürgermeister.

  • Hannes Wehinger: "Einen Schildbürgerstreich wie in Donaueschingen bringt überhaupt nichts, das brauchen wir hier gar nicht", sagte der CDU-Stadtrat. Man sollte nicht den Vorschlägen eines Externen mit "wehenden Fahnen" hinterherrennen. Keine Einbahnstraße, keine Autoverbannung und kein Schilderwahn. Aber: Es sei gut, wenn das Ganze mal als Gesamtes betrachtet werde, bislang habe man ja immer nur kleinere Sachen wie die Parkschilder, die seiner Meinung nach nicht funktionieren, umgesetzt.
  • Peter Ebnet: "Wenn ich das Beispiel Donaueschingen betrachte, dann graust es mir auch", sagte der SPD-Stadtrat.
  • Berthold Geyer: Der Fraktionssprecher der Gruppe 84 wollte hingegen das Donaueschinger Verkehrskonzept nicht bewerten. "Die Räte dort sind nicht schlauer oder dümmer wie wir." Wenn allerdings der Bräunlinger Gemeinderat von vorneherein sage, was er alles nicht wolle, dann brauche es auch kein Konzept. "Aber wenn wir uns damit intensiv beschäftigen, könnte daraus etwas Gutes entstehen." Allerdings dürfte nicht nur der motorisierte Verkehr eine Rolle spielen, es müssten auch die Schulwege, das Radwegenetz und der öffentliche Personennahverkehr eine Rolle spielen.
  • Armin Ewald: "Es ist gut, wenn wir das machen, weil manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht", sagte der FDP-Stadtrat und regte an, dass der Verkehrsexperte sich auch gleich einmal ein oder zwei Tage den Adlerplatz in Döggingen anschauen könnte. "Das ist dort echt sehenswert. Mich würde mal eine neutrale Meinung interessieren."
  • Lorenz Neininger: "Wir müssen sparen und jedem ist bekannt, wo Handlungsbedarf besteht", sagt der FDP-Fraktionssprecher und führt den Spitalplatz und die Dögginger Straße an. Nur wenn es eine Lösung gebe, die ohne einen Stadtsheriff auskomme und von der Bevölkerung auch akzeptiert werde, sei es gut investiertes Geld. Allerdings bezweifelt Neininger, dass der Experte auf andere Ideen kommen werde, als eh schon bekannt sind.
  • Michael Gut: "Es ist gut, wenn sich das einmal ein Fachplaner anschaut, wir haben doch sehr viele subjektiven Meinungen", so der CDU-Frkationssprecher. Außerdem gebe es sicher noch weitere brisante Punkte außer dem Spitalplatz und der Dögginger Straße. "Und wir können dann nach Kosten und Gusto entscheiden, welche Möglichkeiten wir umsetzen."
  • Thomas Rosenstiel: Die Krankheitsvertretung im Bräunlinger Bauamt berichtete von seinen Erfahrungen, die er in seiner Zeit als Löffinger Stadtbaumeister mit dem Büro gesammelt hat. "Fichtner Water und Transport" habe tadellose Arbeit geleistet. "Ein Unsinn kommt nachher nur heraus, wenn man die Leute, die jeden Tag damit zu tun haben, nicht fragt", so Rosenstiel. Grundlage des Ganzen sei eine Verkehrszählung gewesen. Im zweiten Schritt habe es Vorgespräche mit der Verwaltung gegeben, um festzulegen, was überhaupt Sinn mache. Anschließend sei die Öffentlichkeit beteiligt worden, wie beispielsweise der Löffinger Wirtschaftverbund. "Und irgendwann muss man einen Mittelweg zwischen allen Interessen umsetzen", erklärt Thomas Rosenstiel.