Schon mal von einem Wanderrasen gehört? Nun, den Begriff gibt es vermutlich gar nicht, allerdings passt er bestens zu dem Vorhaben, das im Juni zwischen Bräunlingen und Unterbränd geplant ist. In der Ortschaft wie in der Stadt laufen derzeit große Projekte. Die Brändbachhalle gewinnt langsam an Form und in Bräunlingen arbeiten die Fußballer des FC an einem neuen Kunstrasenplatz. Beides verschlingt große Geldmengen. Entsprechend ist man stets bemüht, Wege zu suchen, wo gespart werden kann. Wenn auch nur ein klein wenig.

Besonders schön sind solche Projekte daher, wenn sie voneinander profitieren. Die Fußballer müssen, bevor der Kunstrasenplatz kommen kann, den vorhandenen Rasen abtragen. Was davon übrig bleibt, ist jede Menge Erdbau, der irgendwie entsorgt werden muss. Ein Kostenfaktor für den Verein.

"Moment, wir können den Rasen doch benutzen, um das Gelände rund um die Brändbachhalle zu modellieren", dachte sich Alexander Misok vom Bräunlinger Stadtbauamt. Mit dem FC wird eine entsprechende Vereinbarung getroffen und dem Synergie-Effekt ist der Weg bereitet. "Das ist ein toller Werkstoff für die Außenanlage", erklärt Misok. Er ergänzt: "Mit einer sogenannten Schäl-Maschine werden wir den Rasen der Fußballer in bestimmten Bereichen abschälen." Die Grassoden sollen vor allem aus den Randbereichen des Spielfeldes entfernt werden, Torraum- und Mittelbereich seien vom Spielbetrieb bereits zu sehr strapaziert.

"Wir transplantieren da quasi den Organismus nach Unterbränd. Ich sehe da keine Nachteile. Die Situation ist positiv für alle Beteiligten", sagt Misok. Ende Juni soll mit der Operation begonnen werden. Rund 300 bis 400 Quadratmeter werden dann abgeschält, etwa 1000 Kubikmeter des wertvollen Gemischs unter der Grasnarbe werden beim Bauhof eingelagert.

Die Stadt und ihre Ortsteile wachsen damit, im wahrsten Sinne des Wortes, Stück für Stück enger aneinander. So muss das laufen.

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