Zinserträge auf Geldanlagen bewegen sich gegenwärtig eher im Promille- als im Prozentbereich. Da erscheint ein an die Stadt Bräunlingen herangetragenes Angebot als aus der Zeit gefallen. Das Energieversorgungsunternehmen Energiedienst AG mit Sitz in Laufenburg bietet der Kommune die Möglichkeit, sich mit einem Anteilskauf mittelbar am Netzgeschäft des Versorgers zu beteiligen. Die jährliche Dividende aus dem eingesetzten Kapitals soll 3,69 Prozent betragen. Nach längerer Diskussion beschloss der Gemeinderrat mit 9:8 Stimmen, dass die Verwaltung in eine vertiefte Prüfung des Angebots einsteigt.

  • Warum verschenkt der ED Geld? Für Edmund Martin, Leiter Kommunalbetreuung bei Energiedienst, liegt die Offerte im Umsteuern begriffen. So fordere die im Wachsen begriffene dezentrale Energieversorgung die Netzbetreiber heraus. Die ED wolle künftig einen engeren Kontakt zu den Kommunen pflegen: mit einer Option insbesondere für kleinere Kommunen, die nicht in der Lage sein dürften, ein eigenes Stromnetz zu betreiben. Deshalb erfährt das auf 240 Millionen Euro taxierte ED-Netz eine Aufspaltung. Aus 15 Prozent wird die neu zu gründende ED Kommunal GmbH gebildet. Das rechtlich abgesicherte Beteiligungsmodell biete geringe Risiken und eine einfache Handhabe warb Martin. Durch die Vertretung im Beirat haben die Kommunen beratende Möglichkeiten und Chancen beim Stromnetz der Zukunft mitzugestalten.
  • Warum das Zögern: Die Mindesteinlage beträgt 200 000 Euro. Die Bräunlinger Einlage dürfte maximal rund 900 000 Euro betragen. Das erbrächte einen Ertrag zwischen 7380 Euro und 33 084 Euro. Theoretisch. Denn die Kommune verfügt über keinerlei Rücklagen, um diese Einlage aus eigener Kraft zu stemmen. Eine Kreditaufnahme wäre unverzichtbar, die Sitzungsunterlage ging von Kreditzinsen in Höhe von einem oder 1,5 Prozent aus: also einem Abzug des Ertrags von bis zu 40 Prozent. Um seine Einschätzung gefragt wurde Rechnungsamtsleiter Sebastian Grytner gebeten. Zunächst stimme eine solche Dividende angesichts der gegenwärtigen Geldmarktsituation misstrauisch. Nach einer ersten Betrachtung "ist das Risiko gering und die Dividende machbar". Hannes Wehinger (CDU) erinnerte daran, dass eine solche Beteiligung nicht der Kernaufgabe der Stadt gehöre. Ohne eigenes Guthaben sei die Beteiligung nicht machbar, sagte Lorenz Neininger (FDP). Er werde nicht zustimmen. Berthold Meyer (Gruppe 84) wollte wissen, wie die Verlängerung nach fünfjähriger Laufzeit gehandhabt würde. Martin versprach, dass man sich im Einvernehmen und mit Blick auf den Markt zusammensetzen werde. Thematisiert wurde von mehreren Räten auch das Ausfallrisiko. Die Beteiligung an einer GmbH berge keine versteckten Verpflichtungen.
  • Alternativen: Armin Ewald (FDP) wollte wissen, warum sich die Stadt nicht direkt bei der ED-Netzsparte beteiligen kann. Laut Martin wäre in diesem Fall der Verwaltungsaufwand größer. Zudem wären Dividenden vom marktbezogenen Ertrag abhängig. Sie könnten auch geringer ausfallen. Die Dividende aus der ED Kommunal sei dagegen unabhängig vom Tagesgeschäft garantiert. Der Ortsvorsteher von Döggingen, Dieter Fehrenbach, fände es einträglicher, das Geld in eine weitere Erschließung in Döggingen zu investieren. CDU-Gemeinderat Michael Gut hatte zudem versucht, das Thema nochmals in allgemeiner Form auf eine der künftigen Tagesordnungen zu bringen, ohne mit einer Abstimmung einen Trend oder einen verpflichtenden Prüfauftrag zu entwickeln. Für eine vertiefende Diskussion müsse etwa man auch berücksichtigen, wohin dann die Erlöse fließen.
  • Das sind die nächsten Schritte: Die ED Kommunal wird am 23. November gegründet. Kommunen, die sich schnell entscheiden, können noch 2018 mit der entsprechenden Dividende einsteigen. Verträge werden über einen Notar geschlossen. Am Ende des ersten Quartals findet die konstituierende Sitzung der Beteiligungsgesellschaft statt. In Bräunlingen gibt es noch keinen Termin für eine erneute Diskussion im Gemeinderat.