Die Errichtung der zweiten Gauchachtalbrücke ist das große Projekt in der Region. Sie wird südlich der bereits vorhandenen Brücke aus dem Jahr 2002 geplant. Das rund 800 Meter lange Bauwerk über zehn Felder mit bis zu 100 Metern Spannweite und 44 Meter über Grund soll analog der vorhandenen Brücke entstehen. Abmessungen und äußeres Erscheinungsbild sollen trotz zwischenzeitlich erhöhter technischer Anforderungen identisch sein. Neben den erhöhten technischen Anforderungen kommen auch jene des Natur- und Artenschutzes hinzu. Und die haben sich seit dem vergangenen Planfeststellungsverfahren (PFV) vor rund 25 Jahren mittlerweile verändert: "Gerade im Artenschutz gibt es wahnsinnig viel zu prüfen. Ursprünglich dachten wir, im alten PFV sei alles enthalten. Die Anforderungen sind jedoch inzwischen viel höher", sagt Matthias Henrich, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg.

  • Planfeststellungsverfahren: Man sei auf Sicherheit bedacht und wolle ein neues PFV erstellen, in das dann auch die aktualisierten artenschutzrechtlichen Untersuchungen mit einfließen sollen: "Die neuen gesetzlichen Vorgaben müssen und werden wir selbstverständlich beachten und sind gerade bei der Aufarbeitung". Er ergänzt: "Für Laien klingt das oftmals so, als ob man einfach hingehen und mal schnell ein Gutachten schreiben könnte. Tatsächlich ist es aber der Fall, dass dabei ein ganzes Jahr beobachtet und entsprechend ausgewertet wird", erklärt Henrich.
    Die Stahlteile für das neue Brückenbauwerk sollen mittels Großkränen auf die Baustelle gelangen.
    Die Stahlteile für das neue Brückenbauwerk sollen mittels Großkränen auf die Baustelle gelangen. | Bild: Regierungspräsidium Freiburg
  • Der Zeitplan: Zu einer Verzögerung der Planungen ist es in dem Projekt bereits gekommen. In einer Mitteilung vom 19. Mai 2017 spricht das Regierungspräsidium davon, dass man anstrebe, die Entwurfsplanung der Brücke bis Ende 2017 soweit abzuschließen, dass diese den zuständigen Ministerien in Stuttgart und Bonn zur Genehmigung vorgelegt und auf dieser Grundlage die Ausschreibung der Arbeiten für 2018 vorbereitet werden kann. Im Idealfall werde ein Baubeginn der Brücke für 2019 angepeilt. Mittlerweile steht als Termin für den Baubeginn das Frühjahr 2021 fest: "Das Regierungspräsidium Freiburg ist bestrebt, die Entwurfsplanung für die zweite Gauchachtalbrücke noch im Jahr 2018 abzuschließen. Diese muss im Anschluss vom Verkehrsministerium in Stuttgart und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geprüft und genehmigt werden, bevor sich ein förmliches Baurechtsverfahren anschließt. Der Abschluss dieses sogenannten Planänderungsverfahrens zur Erlangung des Baurechts ist derzeit für Ende 2019 avisiert." Adler ergänzt: "Bereits parallel dazu sollen die europaweite Ausschreibung des Hauptauftrages sowie die Ausschreibungen und Vergaben vorgezogener Ausgleichsmaßnahmen vorbereitet werden. Die Hauptausschreibung des Brückenneubaus könnte dann bei optimalem Verlauf Anfang 2020, die Vergabe im Herbst 2020 und der Hauptbaubeginn im Frühjahr 2021 erfolgen. Der Bau soll dann rund drei Jahre dauern."
  • Die Kostenplanung: Die soll davon nicht betroffen sein. Sie umfasst alle Verfahrensschritte von der Grundlagenermittlung über die Planung bis hin zum Bau. Dazu gehören etwa Vermessung, Geotechnik, Natur- und Artenschutz, Grunderwerb, Tunnelbau, Straßenentwässerung, Straßenbau, Brückenbau und Streckenausstattung. "Zusätzliche, nicht eingeplante Kosten fallen nach aktuellem Projektstand nicht an", sagt Adler. Für die zweite Brücke werden rund 30 Millionen Euro an Kosten gerechnet.
    So sieht die Gauchachtalbrücke derzeit aus, noch ohne ihren Zwillinge, der direkt daneben entstehen soll. Archivbild: Gerold Bächle
    So sieht die Gauchachtalbrücke derzeit aus, noch ohne ihren Zwillinge, der direkt daneben entstehen soll. | Bild: Gerold Bächle
  • Besonderheit: Die liegt bei diesem Projekt vor allem in der Planungsmethodik. Es ist eines der Pilotprojekte BMVI im Rahmen des Stufenplanes Digitales Planen und Bauen und wird als sogenanntes „BIM-Projekt“ (Building Information Modeling) bearbeitet. Ziel sei es dabei, eine gemeinschaftlich für alle Projektbeteiligten nutzbare, digital unterstützte Grundlage für Planung, Bau und Betrieb des Bauwerks zu schaffen. Alle Projektinfos sollen modellbasiert frühzeitig verfügbar sein, um sowohl die Qualität, als auch Kosten- und Terminsicherheit zu erhöhen. Die Gauchachtalbrücke ist dabei eines von insgesamt elf Pilotprojekten bundesweit im Fernstraßenbau.