Stefan Frey hat die Zeit fest im Blick: Mehr als acht Minuten dürfen es nicht werden. Gruppenführer Michael Becker gibt seine Anweisungen. Jeder Handgriff sitzt. Es muss schnell gehen. Acht Minuten haben die Feuerwehrmänner, um einen Brand zu löschen und ein Menschenleben zu retten.

Stefan Frey überwacht die Zeit: Länger als acht Minuten darf es nicht dauern.
Stefan Frey überwacht die Zeit: Länger als acht Minuten darf es nicht dauern. | Bild: Jakober, Stephanie

In diesem Fall geht es nicht um den Ernstfall, aber es geht um Gold. Denn gemeinsam wollen die Zehn am Samstag in Hüfingen das Leistungsabzeichen in Gold ablegen. Das Letzte ist schon etwas länger her. Döggingen hat es vor 16 Jahren abgelegt, die Stadtwehr vor mehr als 20 Jahren. Doch dieses Mal tritt nicht eine Abteilung der Feuerwehr Bräunlingen an. Dieses Mal machen sie es gemeinsam – als Gesamtwehr. Döggingen stellt die Infrastruktur, der Gruppenführer kommt aus Unterbränd und das restliche Team verteilt sich auf die Stadt, Döggingen und Unterbränd. Eingespielt sind sie trotzdem schon, denn gemeinsam haben sie sich schon der Herausforderung, die das silberne Leistungsabzeichen mit sich bringt, gestellt.

Hier sitzt jeder Handgriff: Die zehn Feuerwehrmänner haben bereits gemeinsam das silberne Leistungszeichen absolviert. Nun soll es Gold werden.
Hier sitzt jeder Handgriff: Die zehn Feuerwehrmänner haben bereits gemeinsam das silberne Leistungszeichen absolviert. Nun soll es Gold werden. | Bild: Jakober, Stephanie

Acht Minuten Zeit: Das ist ganz schön knapp. „Man muss schon viel proben“, sagt Gruppenführer Michael Becker, der auch Abteilungskommandant in Unterbränd ist. Und so steht seit Anfang des Jahres ein Gerüst am Rande des Schulhofes in Döggingen. Es stellt ein Haus dar. Unten in der Garage brennt es, im oberen Stockwerk gilt es einen Menschen zu retten. Unzählige Male haben sie es geprobt. Am Anfang nur so, dann mit der unbarmherzigen Stoppuhr im Hintergrund. Neun Minuten und 30 Sekunden: Das war das schlechteste Ergebnis. Freitagabend und Sonntagmorgen – Woche für Woche.

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Und oft noch einen dritten Probentermin dazu. Mittlerweile sind sie bei sieben Minuten und 20 Sekunden. Mehr als zwei Minuten schneller – das hört sich nicht viel an, war aber harte Arbeit und sind beim Leistungsabzeichen ganze Welten. Unter dem Strich stehen 75 Stunden, damit es beim Wettkampf auch richtig läuft.

Der zweite Löschangriff erfolgt mit Schaumwasser, denn in der Garage brennt auch Treibstoff.
Der zweite Löschangriff erfolgt mit Schaumwasser, denn in der Garage brennt auch Treibstoff. | Bild: Jakober, Stephanie

Dabei geht es nicht nur darum, einen Brand zu löschen. Auch Technische Hilfeleistung ist Bestandteil des goldenen Leistungsabzeichen. Während die Feuerwehrmänner für Bronze sich erst einmal der Brand-Herausforderung stellen müssen, kommen beim silbernen Leistungsabzeichen der Atemschutz und die technische Hilfeleistung hinzu. Und bei Gold muss dann noch ein Menschenleben gerettet werden. Die Praxis ist das eine: Aber es gibt auch noch einen schriftlichen Test. Gruppenführer, Maschinist und das Team müssen sich jeweils Fragen stellen, die ihrem Aufgabenbereich entsprechen. Von der Einsatztaktik bis hin zum Feuerwehrgesetz und speziellen Verordnungen. Kostprobe gefällig? „Wie viele Feuerwehrangehörige müssen ein B-Strahlrohr (fünf bis sechs Bar) mit Stützkrümmer im Einsatz und bei Übungen halten?“ Die Antwort wäre übrigens: zwei.

Der zweite Löschangriff erfolgt mit Schaumwasser, denn in der Garage brennt auch Treibstoff.
Der zweite Löschangriff erfolgt mit Schaumwasser, denn in der Garage brennt auch Treibstoff. | Bild: Jakober, Stephanie

Unterdessen ist der erste Durchgang abgeschlossen, ein zweiter steht an diesem Abend noch an: „Es läuft. Wäre auch schlimm, wenn es das beim letzten Proben vor dem Wettkampf nicht tun würde“, sagt Becker. Seine Instruktionen müssen immer auf eines ausgerichtet sein: Einheit, Auftrag, Mittel, Ziel, Weg. Ansonsten gibt es Punktabzug. Oder wenn einer seiner Männer – der Jüngste ist 21 Jahren und der Älteste 37 Jahre – einen Fehler machen. Auch dann gibt es Punkteabzug. Wenn beispielsweise ein Knoten falsch gemacht wird.

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Manchmal versagt auch das Material. „Beim silbernen Leistungsabzeichen hatten wir einen Schlauchplatzer und beim Bronzenen stand der Maschinist plötzlich im Regen“, erinnert sich Andreas Peter. Natürlich nicht der Regen vom Himmel, sondern die Mannschaft hatte selbst dafür gesorgt. Dann gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren, richtig zu reagieren und die Übung trotzdem wie vorgeschrieben zu Ende zu bringen. Geklappt hat es in beiden Fällen. Gute Voraussetzungen, dass „Florian Bräunlingen 2-44“ am Samstag auch einen erfolgreichen Einsatz „Leistungsabzeichen Gold“ vermelden kann.