Dirk Buller freut sich, als er von seinem Domizil die schneebedeckte Landschaft am Ortsrand von Unterbränd betrachtet: "Ist das nicht herrlich? In Köln haben wir innerhalb von zwei Stunden nur noch Schneematsch". Es ist ein herrlicher Wintermorgen mit strahlend blauem Himmel. Seit zwei Jahren lebt er auf dem Campingplatz am Kirnbergsee. Sein gemütlicher Caravan hat alles, was man zum Leben braucht. Und mit seinem schwarzen Pickup ist er mobil.

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Der Traum von der Holzfällerhütte

Er genieße das Leben hier sehr, sagt Dirk Buller, und es sei ein ganz toller Winter. Vor ein paar Tagen sei er aufgestanden und bei Minus zwölf Grad hinausgegangen. Die meisten Männer träumen von einer Holzfällerhütte an einem See in Kanada. So etwas realisiere er hier gerade. Der einzige Unterschied sei, dass er Gesellschaft habe. "Man ist sozial eingebunden und die Leute hier sind nett und freundlich", sagt er. In Kanada hingegen sei man eben einsam.

Was für andere zur Urlaubsromantik dazugehört, ist für Dirk Buller Alltag, dennoch aber besonders. Wie etwa dieser Blick in die Winterlandschaft am Rand von Unterbränd.
Was für andere zur Urlaubsromantik dazugehört, ist für Dirk Buller Alltag, dennoch aber besonders. Wie etwa dieser Blick in die Winterlandschaft am Rand von Unterbränd. | Bild: Lutz Rademacher

Beim Posaunenchor

Mittlerweile hat sich Dirk Buller dem Posaunenchor in Donaueschingen angeschlossen und spielt dort Waldhorn. Das mache ihm sehr viel Spaß. Er spielt gerne klassische Musik, wäre gerne in einem klassischen Orchester, Volksmusik ist nicht seine Musik. Momentan bringt er sich Trompete bei, kein Problem auf dem Campingplatz unter der Woche.

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"Man ist sozial eingebunden und die Leute hier sind nett und freundlich."Dirk Buller
"Man ist sozial eingebunden und die Leute hier sind nett und freundlich." Dirk Buller | Bild: Lutz Rademacher

Wie kam er an den Kirnbergsee?

2011 beschloss Dirk Buller, seine Boutique in Köln zu verkaufen und schaffte sich einen Wohnwagen an, um fortan zu reisen. Er wollte die Winter in Südeuropa verbringen. Vor zwei Jahren besuche er eine Schwester in Dittishausen und machte auf dem Campingplatz am Kirnbergsee halt und war sofort begeistert. Ein Geheimtipp! Die Natur sei schön und die Leute seien freundlich, höflich, aufgeschlossen und humorvoll. Man bekomme hier schnell Kontakt, das habe ihn bewogen, zu bleiben. So hat er im Frühjahr 2017 seine Kölner Wohnung aufgegeben und ist fest an den See gezogen. Den letzten Winter hat er dann noch in Spanien verbracht. Jetzt überwintere er erstmals hier und sei von der winterlichen Natur überwältigt.

Eine Tasse Kaffee unter freiem Himmel im Schnee, was will man mehr ? Dirk Buller lebt das ganze Jahr über am Kirnbergsee.
Eine Tasse Kaffee unter freiem Himmel im Schnee, was will man mehr ? Dirk Buller lebt das ganze Jahr über am Kirnbergsee. | Bild: Lutz Rademacher

Winterdienst um den See – einfach so

Aber ganz ohne Arbeit geht es dann doch nicht. So fährt Buller einmal pro Woche den Linienbus eines Kirchzartener Busunternehmens. Vor vielen Jahren hatte er den Busschein gemacht – einfach zum Spaß. Dirk Buller weiß sich zu beschäftigen. Er mache viel Sport, rauche und trinke nicht. Und wenn er mal nichts zu tun hat, nimmt er sich einen Besen, eine Schaufel und einen Eimer mit Splitt und macht Winterdienst am See. Denn jeder müsse Verantwortung übernehmen, das gehöre zum Gemeinschaftsverständnis. Das Soziale sei das wichtigste vom allem, sagt er. Das hat er sich bewahrt, obwohl er sein Leben lang selbstständig war.

Momentan sei er in Unterbränd glücklich. Ob er für immer hier bleibe, sei nicht sicher. Das Leben sei dynamisch, sagt Dirk Buller, er entwickle sich immer weiter. Doch aus dem Alter für spontane Ideen und Aktionen sei er heraus. Er sei genauer geworden und habe gelernt, zu planen, auch auf Jahre hinaus.