Es war ein Meilenstein der örtlichen Entwicklung, als im Jahre 1960 in Döggingen eine Gemeinschaftsgefrieranlage in Betrieb genommen werden konnte. Mit der Schließung des Schlachthauses, das in das Gebäude integriert ist, endet diese Ära noch in diesem Jahr. Die Gefrieranlage selbst wurde bereits vor drei Jahren abgestellt, nachdem ihre Schließung mit Ersatzteilkäufen von baugleichen Anlagen lange hinausgezögert wurde.

Die Entscheidung fiel dem Ortschaftsrat nicht leicht, doch anstehende Reparaturen und immer geringere Inanspruchnahme bestätigten die Räte in ihrem Entschluss. Nur noch zehn Schlachtungen, davon zwei von einheimischen Nutzern, fanden im vergangenen Jahr dort statt.

Noch ist völlig offen, auf welche Art das Gelände künftig genutzt werden soll. Wegfallen wird dann allerdings auch die integrierte Kühlzelle, die hin und wieder für die Kühlung größerer Warenmengen von Bürgern und Vereinen benötigt wurde.

Die Inbetriebnahme der Gefrieranlage vor 58 Jahren bedeutete für die Gemeinde einen enormen finanziellen Kraftakt, wenngleich die Zahlen heute eher bescheiden klingen. So freuten die Dögginger sich damals über Zuschüsse von 1000 Mark vom Landkreis, 2700 Mark vom Regierungspräsidium und 500 Mark von der Zentralgenossenschaft. Für die damalige Bevölkerung aber brachte die Investition eine große Erleichterung bei der Lagerung von Lebensmitteln. Gerade bei den noch häufigen Hausschlachtungen lagen die Vorteile auf der Hand, musste das Fleisch doch nicht mehr ausschließlich mit Räuchern, Kochen, Eindosen und Pökeln haltbar gemacht werden.

Auch Gemüse aus den Hausgärten konnte so problemlos über lange Zeit gelagert werden. So wurden die in drei Reihen angeordneten 120 Truhen mit je 220 Litern Volumen schnell auch von auswärtigen Nutzern angenommen. Es bestand die Möglichkeit, eine Truhe käuflich zu erwerben oder zu mieten. Als günstig erwies sich auch der Standort in der Ortsmitte, konnte die Besorgung des Gefrierguts doch für viele mit dem Gang zur gegenüberliegenden "Molki", ebenfalls ein längst vergessenes Relikt früherer landwirtschaftlicher Prägung des Ortes, verbunden werden.

Vereinfacht wurden durch das Schlachthaus für Metzger und Hausfrauen auch die Hausschlachtungen, die statt in der improvisierten Schlachtküche in der professionell ausgestatteten Räumlichkeit gemacht werden konnte. Zudem leisteten das Schlachthaus und der angegliederte Kühlraum bei Notschlachtungen wertvolle Dienste. So wird zum Jahreswechsel mancher Einwohner mit Wehmut auf das Ende eines jahrzehntelangen Schwergewichts Dögginger Infrastruktur zurückblicken, auch wenn dessen Dienste zum Schluss nur noch wenig gefragt waren.