Lange war es um den geplanten Bräunlinger Windpark ruhig: Bereits 2013 hatte die Stadt Bräunlingen mit dem Betreiberkonsortium „DGE Wind Baar eins“ einen Vertrag geschlossen. Das Ziel: zwischen Döggingen und Waldhausen sechs Windkraftanlagen zu realisieren. Doch dann wurde das Projekt erst einmal auf Eis gelegt, weil die Windhöffigkeit in diesem Bereich als zu gering erachtet wurde. Nun allerdings möchte „DGE Wind Baar eins“ sein Vorhaben wieder aufnehmen und in diesem Bereich sieben Windkrafträder errichten.

„Wir wollen ein transparentes und offenes Verfahren. Wir wollen die Bürger umfassend informieren und die Informationen und den Sachverhalt darlegen“, sagt Bürgermeister Micha Bächle. Unterstützt wird er dabei von den Fraktionsvorsitzenden Michael Gut (CDU), Berthold Geyer (Gruppe 84), Lorenz Neininger (FDP) und Clemens Fahl (SPD), denn am Donnerstag hat der Gemeinderat intensiv über das weitere Vorgehen diskutiert und die weiteren Schritte festgelegt. „Wir werden das Thema sowohl in einer Einwohnerversammlung als auch in den Ortschaftsräten in Döggingen, Waldhausen und im Gemeinderat diskutieren.“ Vorab haben gestern alle Bürger in Waldhausen sowie die Angrenzer in Döggingen einen Brief bekommen, in dem sie über den aktuellen Sachstand informiert wurden. Weitere Informationen soll es dann bei einer Bürgerversammlung am 14. März geben.

Micha Bächle
Micha Bächle

„Der Gemeinderat wird dann am Ende des Prozesses über die Verpachtung entscheiden“, sagt der Bräunlinger Bürgermeister. Die Stadt Bräunlingen könne in der Sitzung, die am 12. April stattfinden wird, nur entscheiden, ob sie städtische Flächen für die Windkraftnutzung verpachtet oder nicht. Die Frage, ob generell Windanlagen gebaut werden oder nicht, liege nicht in ihrer Entscheidungskompetenz. Denn der genehmigte Flächennutzungsplan Windkraft beinhaltet sowohl städtische als auch private Flächen des Fürsten zu Fürstenberg. Der Fürst habe bereits einer Verpachtung seiner Flächen zugestimmt, sodass auf seiner Fläche potenziell mehrere Windräder – sofern die Genehmigungen durch das Landratsamt und Regierungspräsidium vorliegen – möglich wären, auch wenn sich die Stadt gegen eine Verpachtung entscheiden sollte.

Das Ganze hat bereits eine lange Vorgeschichte: Im Jahr 2013 wurde der Flächennutzungsplan Windenergie beschlossen. Dabei wurden im Städtedreieck zwei Flächen ausgewiesen, auf denen die Windkraft konzentriert werden soll. Zum einen die Länge und zum anderen eben der Bereich Döggingen/Waldhausen. Nötig war diese Entscheidung durch das Landesplanungsgesetz geworden, das die Windkraftanlagen als privilegiert einstuft. Um einen Wildwuchs von Windkraftanlagen zu verhindern, waren damals eine Planung und die Ausweisung von Konzentrationszonen notwendig geworden. Denn eine negative Planung zur Verhinderung von Anlagen ist nicht zulässig, und so kann die Ansiedlung von Windkraftanlagen nur gesteuert, aber nicht verhindert werden.

Der Gemeinderat der Stadt Bräunlingen hatte 2013 einstimmig nach einem entsprechenden Beschluss der Ortschaftsräte in Döggingen und Waldhausen entschieden, diese Flächen an die Firma „DGE Wind Baar eins“ zu verpachten. Aufgrund der damaligen schwachen Windmessung wurde das Projekt damals vorerst nicht weiterverfolgt. Der Vertrag bestand aber weiterhin. Im September des vergangenen Jahres hatte das Unternehmen dann allerdings in dem Bereich zwischen Waldhausen und Döggingen wieder mit Windmessungen begonnen; parallel dazu wurde auch mit dem Rathaus ein neuer Vertrag verhandelt. Während die Unterschrift aus dem Fürstenhaus bereits vorliegen soll, fehlt diese für das Bräunlinger Schriftwerk allerdings noch. Doch es gab ja noch den alten Vertrag, auf den sich das Unternehmen hätte berufen können. In einem Eilentscheid wurde eben dieser von Bürgermeister Micha Bächle gekündigt. „Sonst hätte die Möglichkeit bestanden, dass das Konsortium ohne weitere Beteiligung und Entscheidung der Stadt, das Projekt hätte forcieren können“, sagt das Bräunlinger Stadtoberhaupt.

Doch warum finden wieder Windmessungen statt, wenn doch bereits die letzten eine zu geringe Windhöffigkeit ergeben hatten? Zum einen liege das daran, dass es mittlerweile andere Messmethoden gibt; zum anderen hätten heute auch die Windkraftanlagen eine andere Technik. Nach ersten Einschätzungen, die das Konsortium dem Rathaus mitgeteilt hat, versprechen die ersten Messungen nun wohl eine höhere Windhöffigkeit und damit eine Wirtschaftlichkeit von Windanlagen auf der Gemarkung Bräunlingen.

„Die Firma DGE Wind plant bis zu sieben Windkraftanlagen in einem Windpark Bräunlingen“, erklärt Bächle. Doch ob das Projekt realisiert werden kann, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst müsse die Stadt über die Verpachtung der Grundstücke entscheiden, dann müsse das Ergebnis der einjährigen Windmessung abgewartet werden. Wenn die Anlagen wirtschaftlich betrieben werden könnten, müssten noch die Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beantragt werden, und in der Folge müsste der Windpark dann bei den EEG-Ausschreibungen zum Zuge kommen. Erst wenn all diese Voraussetzungen auch wirklich erfüllt sind, könnte der Windpark gebaut werden.

 

Info-Veranstaltung

Bei der Bürgerversammlung am Mittwoch, 14. März, wird ausführlich über den geplanten Windpark zwischen Waldhausen und Döggingen informiert. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr in der Stadthalle. Geplant ist, dass die Rechtslage und der aktuelle Sachstand umfassend dargestellt werden und der potentielle Betreiber seine Planungen vorstellt.