Frau Ott, die Planungen für den Bräunlinger Straßenmusiksonntag laufen bereits. Wie ist da der Stand der Dinge?

Eine wichtige Phase steht kurz vor Abschluss, nämlich die Vertragsabschlüsse mit den Künstlern und Musikern. Da haben wir jetzt so zirka 90 Prozent unter Dach und Fach. Das sind etwa 40 Musikgruppen, die wir vertraglich verpflichtet haben. Jetzt wird noch die Gruppe der Gaukler, die die Straßenshows machen, abgearbeitet, dann haben wir diesen Meilenstein erreicht. Dann geht es noch um eher technische und organisatorische Aufgaben.

Nach dem Straßenmusiksonntag ist davor – wie lange dauert es, bis Sie wieder in die Planungen einsteigen?

Allein durch die Haushaltsplanungen einer Kommune kann es gar keine kurzfristige Hoppla-Hopp-Sache sein. Es gibt immer im Sommer des Vorjahres eine Finanzplanung und eine strategische Absprache mit dem Bürgermeister und dem SÜDKURIER als Mitveranstalter – wo wir Schwerpunkte legen wollen, was wir beibehalten, was abschaffen wollen. Was auch immer mitläuft, dass sind die Vereinsführergespräche. Da geht es um Rückschau und die Nachbesprechung sowie das erste Sondieren. Was auch eine längere Vorbereitung benötigt, sind die Top-Acts, vor allem die Kleinkunstpreisträger für die Lotto-Bühne. Um die unter Vertrag zu bekommen, muss man etwa eineinhalb Jahre vorher schon aktiv sein.

Was ist das Besondere an der Veranstaltung?

Die Besonderheit ist, dass wir eintrittfrei sind und rund 50 Gruppen an unglaublich vielen, dicht gelegenen Auftrittsplätzen in unserer Altstadt haben. Zudem treten viele auch gleichzeitig auf. Die große Chance ist es also hier, sich nicht auf ein Genre zu spezialisieren, sonder die Vielfalt zu zeigen. Das Festival findet tagsüber statt, ist also auch für Familien geeignet. Aufgrund der Fahrtkosten kommen die meisten Künstler aus dem deutschsprachigen Raum. Bei uns macht es auf jeden Fall die Vielfalt aus, von traditioneller Musik, ob es mal mongolische Obertongesänge waren oder mittelalterliche Musik bis hin zu Jazz, Pop, Cover, deutsche Texte, Improvisationsmusiker, Loop-Stations. Ergänzt wird das Ganze um Kinderprogramm mit Puppen- und Marionettentheater, Geschichtenerzähler, Clowns und Straßenshows, bei denen große Kreise mit 300 bis 400 Leuten eine halbe Stunde zuschauen und in den Bann gezogen sind.

Viele Künstler sind ja regelmäßig mit dabei.

Dieses Jahr ist es bereits der 16. Straßenmusiksonntag, der erste war 1988. Der letzte Bürgermeister Jürgen Guse und mein Vorgänger Bernhard Hauser haben sich da ganz persönlich eingebracht, um Kontakte in die Straßenkünstlerszene zu knüpfen. Die halten bis heute oder tauchen wieder auf. Wir haben eine kleine Gruppe von Musikern und Künstlern, die wir gerne jedes Jahr wieder einladen, weil sie eben die Atmosphäre des Straßenmusiksonntags verkörpern und auch ausstrahlen. Sei es an das Publikum oder an die neuen Musiker- oder Straßenkünstlerkollegen. Da herrscht ein toller Austausch.

Wie sieht die Suche nach passenden Künstler aus?

Das hat sich durch die Medienmöglichkeiten vereinfacht. Tatsächlich war mein Vorgänger, war ich in den Anfangszeiten entweder einfach am Samstag in den großen Fußgängerzonen in Freiburg und Stuttgart. Da hat es einfach diese Straßenkünstlerszene. Da kann man Kontakt zu Gruppen knüpfen, die es verstehen, auf der Straße Programm zu machen. Es ist ein großer Unterschied zwischen Live-Auftritten und der Aufnahme auf der CD. Inzwischen haben wir allerdings einen Ruf und Namen. Viele Künstler melden sich mittlerweile selbst bei uns. Bei den Gauklern kommt immer wieder ein Freund noch dazu. Bei der Freiburger Kulturbörse kommen wir an unsere Grenzen. Durch das Konzept mit freiem Eintritt ist unser Budget eben begrenzt, wodurch die persönliche Empfehlung unter den Künstlern das Hilfreichste ist.

Welche Höhepunkte gibt es im Programm 2018?

Wir haben zwei besondere Kleinkunstpreisträger auf der Lottobühne. Gogol und Mäx hatte ich schon länger im Auge, das war für mich zuletzt allerdings ein ausgesprochenes Saalprogramm. Aber tatsächlich kam von ihnen selbst die Anfrage, bei uns auftreten zu dürfen. Der zweite Preisträger ist die Gruppe Undduso aus Freiburg. Eigentlich aus der Nähe aber sicher noch nicht ganz so bekannt, aber ein sehr professionelles und unterhaltsames A-Kapella-Programm. Auf die zwei freue ich mich besonders. Die zweite, größere Bühne ist vor dem Rathaus. Dort wird wieder die Gruppe Cobario spielen, nach dem sie bei der Kleinkunstreihe im Kleinen Saal voll eingeschlagen haben. Der Begriff Publikumsliebling trifft auf sie voll zu. Sie bringen einen Fanclub mit und sie können mit ihrer Art der Unterhaltung begeistern, eben nicht nur Musik zu machen, sondern Geschichten zu erzählen.

Was macht ihnen bei der Vorbereitung am meisten Spaß?

Es bedeutet natürlich viel Druck. Es steht ein Datum, an dem alles stehen muss. Wir sind ein kleines Team, es lastet viel von der Organisation auf einem selber. Deswegen gibt es durchaus mal die Situation, dass man ein halbes Jahr vorher eine gewisse Art von Albträumen hat. Ich habe etwa mal geträumt, dass alles organisiert war, die Künstler waren da, nur das Publikum hat gefehlt. Das Besondere ist natürlich zu wissen, dass die Stadt zum Schluss mit etwa 40 000 Besuchern voll ist, die teilweise von weit her nach Bräunlingen kommen. Das erfüllt einen ein Stück weit mit Stolz, dass sich das kleine Bräunlingen so präsentieren kann. Ich bin auch dankbar dafür, wenn ich am Sonntagmorgen bei der Künstlerbesprechung in der Sporthalle alle Künstler begrüßen darf. Natürlich macht es auch Spaß, wenn man zu den Künstlern und Musiker langjährige Kontakte aufbaut und nicht nur eine Geschäftsbeziehung herrscht, sondern auch eine persönliche. Was mich auch freut, dass es mit den Vereinen so gut klappt und ein harmonischer Austausch herrscht. Dann hab ich ja auch noch ein ehrenamtliches Helferteam zur Seite, von denen kommt immer gute Stimmung. Man hat das Vertrauen und die Verlässlichkeit, dass alle an einem Strang ziehen. Ich bin natürlich auch froh, wenn am Schluss die Finanzen passen, das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben übereinstimmt.

Wie wichtig sind die örtlichen Vereine dabei?

Ohne die Vereine ginge es gar nicht. Die familiäre Atmosphäre ist unser großes Plus in Bräunlingen, das sich eben durch die Bewirtung der Vereine zeigt. Es gibt einen anderen Charakter wie bei vergleichbaren Festivals, die mit viel höheren Sponsorensummen finanziert werden. Wir machen das überwiegend mit unseren Vereinen. Sie stellen die Gastronomie, ohne die es gar nicht ginge. Es macht Spaß, sich hier auch mit langjährigen Kontakten zu bereichern. Sie bringen auch Vorschläge für Gruppen. Und vor allem haben sie es erfolgreich umgesetzt, das Programm am Samstagabend, die Musiknacht, zu gestalten.

Wird der Straßenmusiksonntag immer größer?

Es ist nicht unser Anspruch. Wir wollen nach wie vor bei unseren Stärken und unseren Themen zu bleiben. Den Menschen in der Region die Bandbreite an Musik zu zeigen. Natürlich wollen wir immer attraktiv bleiben, das ist unsere Aufgabe. Dass das Publikum nicht sagt, hier gebe es jedes Jahr nur das gleiche Programm.

Fragen: Guy Simon

Der Bräunlinger Straßenmusiksonntag

2018 startet die Veranstaltung in seine 16. Auflage. Am 25. und 26. August füllt sich die Bräunlinger Innenstadt mit Musik, Gauklern, Schauspiel und allerlei kunterbuntem Programm. Von 11 bis 19 Uhr besuchen regelmäßig mehrere tausend Zuschauer das größte Straßenmusik-Festival des deutschen Südwestens. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt und kostet für Besucher keinen Eintritt. (guy)