Wie wollen die Bräunlinger Senioren wohnen? Eine Antwort darauf hat Umweltberater Gerhard Bronner. Denn im Rahmen des Flächenmanagements, das seit gut einem Jahr in den Städten Bräunlingen, Hüfingen Donaueschingen betrieben wurde, sind auch Umfragen unter den älteren Einwohnern geplant, um belastbare Daten zu generieren. Während in Donauschingen und Hüfingen die Umfragen noch ausstehen, liegen für Bräunlingen die Ergebnisse schon vor.

Warum das Ganze? Die Meinung der Senioren ist für das Flächenmanagement wichtig: Während es immer weniger junge Familien gibt, nimmt die Zahl der älteren Bürger stetig zu. Das Stichwort ist demografischer Wandel. Und da dieser fast in alle Lebensbereiche hineinspielt, hat er auch Einfluss auf den Immobilienmarkt. Weniger junge Familien bedeutet auch gleichzeitig, dass die Nachfrage nach Bauplätzen und Einfamilienhäusern nachlassen wird. Zusätzlich werden in den nächsten Jahren viele Einfamilienhäuser auf den Markt kommen. Was aber immer noch Mangelware ist: seniorengerechte Wohnungen. Denn viele ältere Menschen würden eigentlich gern aus ihren großen Häusern in kleinere Wohnungen ziehen, die ihnen weniger Arbeit machen und mehr Lebenskomfort bieten. Das bedeutet auch ein Umdenken für den Immobilienmarkt.

Das belegen auch die Zahlen, die die Seniorenumfrage liefert: 48 Prozent der teilnehmenden Senioren wohnen in Einfamilienhäusern und neun Prozent in Reihenhäusern oder Doppelhaushälften. In Wohnungen – ob es nun im Eigentum ist oder zur Miete – leben lediglich 26 Prozent der Bräunlinger Senioren. Die Wohnfläche ist verhältnismäßig groß. Nur in zehn Prozent der Seniorenhaushalte wohnen drei oder mehr Personen – dafür in 63 Prozent zwei Personen und in 26 Prozent nur eine Person. Demgegenüber stehen die Quadratmeterzahlen. 36 Prozent der Haushalte verfügen laut Umfrage um 100 bis 150 Quadratmeter Wohnfläche, 13 Prozent stehen sogar mehr als 150 Quadratmeter zur Verfügung. Seniorengerecht ist das oft gar nicht, denn 82 Prozent müssen in ihrer Wohnung Treppensteigen.

Und so denken 40 Prozent über einen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung nach, während es lediglich sieben Prozent schon in die Tat umgesetzt haben. Für neun Prozent der Befragten kommt allerdings ein Umzug gar nicht in Frage und drei Prozent halten eine seniorengerechte Wohnung für zu teuer. 27 Prozent haben noch gar nicht über einen Umzug nachgedacht.

Und was wünschen sich die Senioren nun? Ganz oben auf der Liste steht ein barrierefreies Bad: Während nur 31 Prozent der Senioren eines haben, wünschen sich 51 Prozent ein entsprechendes Badezimmer. Dieser Wunsch rangiert übrigens mit einem Prozent vor dem Arzt und Einkaufsmöglichkeiten, die sich in der Nähe der Wohnung finden. Auch gerne gesehen ist ein Aufzug – sieben Prozent haben ihn, 45 Prozent wünschen sich ihn. Weniger wünschenswert ist hingegen ein eigener Garten: 68 Prozent der Senioren haben einen, doch nur bei zehn Prozent der Senioren wollen einen.

 

Zehn Flächenmanagement-Projekte werden bald umgesetzt

Seit gut einem Jahr gibt es im Städtedreieck das Projekt Flachenmanagement.

  • Die Beratung: Um die Innenentwicklung zu forcieren und den Flächenverbrauch einzudämmen, finden gezielte Beratungsgespräche mit Eigentümern statt. Hier geht es um Leerstand, aber auch um ungenutzte Ökonomiegebäude, die zu Wohnraum umgewandelt werden können, oder um Grundstücksflächen, die sich für eine Bebauung eignen. Mittlerweile haben 47 Beratungen stattgefunden. Bei fünf bis acht Prozent ging es um Baulücken, bei 33 Prozent um Modernisierungen und beim Rest um Umnutzung, Wohnnutzung in Gebäuden und Ähnlichem. Bei zehn Projekten ist laut Umweltberater Gerhard Bronner bereits eine konkrete Umsetzung für 2018 in der Planung.
  • Die Verteilung: In Hüfingen und Bräunlingen fanden jeweils 40 Prozent der Beratungsgespräche statt, in Donaueschingen 20 Prozent. Noch haben nicht alle Gespräche stattgefunden: In Bräunlingen stehen noch acht Beratungen aus, in Donaueschingen fünf und in Hüfingen über zehn.
  • Die Zukunft: „Die Erwartungen hinsichtlich der Nachfrage nach Beratungen wurden weit übertroffen“, erklärt Bronner. Das für Beratungen vorgesehene Zeitkontingent im Flächenmanagement wäre beinahe ausgeschöpft. Gleichzeitig sei ein Ungleichgewicht zugunsten von Hüfingen und Bräunlingen und zu Lasten von Donaueschingen zu beobachten. Finanziell sind noch 29 Gespräche möglich. Diese sollen in Donaueschingen stattfinden, so dass der Anteil der Großen Kreisstadt auf 46 Prozent steigen würde. Das würde auch dem Verteilungsschlüssel bei den Kosten unter den drei Städten entsprechen. „Andererseits sollten auch die bereits registrierten Beratungswünsche in den anderen Gemeinden abgearbeitet werden“, sagt Bronner. Doch dafür braucht es Geld: Mit 7000 bis 10 000 Euro könnten alle Beratungswünsche erfüllt werden. Die Bräunlinger Stadträte haben bereits außerplanmäßig 10 000 Euro bewilligt. Wenn das Programm ausläuft, könnte die Arbeit laut Bronner fortgeführt werden. Zwar ist eine Bewerbung mit dem gleichen Schwerpunkt nicht möglich, jedoch biete sich das Thema Senioren geradezu an.