15 000 Einzelstücke oder rund 4000 Kostüme lassen keinen Wunsch unerfüllt – die Kleiderkammer der Narrenzunft Bräunlingen hat immer Hochsaison, nicht nur zur Fasnetzeit. „Der Fundus ist so riesig, dass eine ganze Garnison mit Kostümen ausgestattet werden könnte“, erklärte Fritz Kalb bei früherer Gelegenheit. Besonders dienstags ist das Gedränge so groß, dass man auch tatsächlich denken könnte, eine Garnison wolle sich für die närrische Zeit ankleiden. „Bad Dürrheimer waren heute schon da“, erklärt Kammerchefin Ruth Müller. Aktuell geben sich die Pfohrener die Klinke in die Hand – sie brauchen historische Kostüme für ihren Film zur 1200-Jahr-Feier des Ortes und für den Festumzug.

„Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde zu diesem Job gekommen“, erinnert sich Ruth Müller als gute Seele der Kleiderkammer. Als Mutter von Narrenräten arbeitete sie schon 2007 in der Kleiderkammer mit, investierte etliche Stunden, mit Flick- und Nähkunst die Kostüme in Ordnung zu halten. 2015 hat Ruth Müller die Leitung der Kammer von Fritz Kalb übernommen, der bei Bedarf immer noch hilft. Ruth Müller weiß über alles genau Bescheid, steht jedem mit Rat und Tat zur Seite. Gerade stattet sie Walter Kuttruff aus Pfohren für die Filmaufnahmen in Pfohren mit historischer Bauernkleidung aus und achtet dabei auf das kleinste Detail bis hin zu den Hosenträgern. Die Katzenmusik Villingen war auch schon da, um sich für den Ball auszustatten.

Die Geschichte der Kleiderkammer geht zurück auf das Ende des 18. Jahrhunderts. Der Grundstock wurde 1890 gelegt, als die Schauspielfasnet begann. 1920/21 kaufte die Narrenzunft den Kostümfundus eines bankrotten Theaters aus Mannheim auf und baute die Kleiderkammer Stück für Stück aus. „Darum hat sich in Bräunlingen auch die Schauspielfasnet gehalten“, erklärte Fritz Kalb bei einem früheren Gespräch. Bräunlingen ist übrigens der einzige Ort im Südwesten, in dem die Schauspielfasnet noch aufgeführt wird. Doch in der Geschichte der Kleiderkammer gibt es auch ein dunkles Kapitel. Sie erlebte ihren schwärzesten Tag vor 46 Jahren, am 13. Februar 1971, ein Samstag. Damals befand sich die Kammer noch im Dach des alten Schulhauses und fiel einem verheerenden Brand zum Opfer. Kurz vor der Fasnet war die ganze Kleiderkammer zerstört. Der Zunft gelang es glücklicherweise, diesen Verlust zu überwinden. Es stehen Kostüme von der Antike an durch die ganzen Jahrhunderte zur Verfügung. Und es wird immer weiter gesammelt.

Da der Unterhalt der Kammer natürlich auch Geld kostet, machte man aus der Not eine Tugend und verleiht ganzjährig Kostüme. „Daran besteht auch Bedarf“, erklärt Ruth Müller. Laientheatergruppen decken sich aus dem Fundus für Aufführungen ein, für historische und Festumzüge werden Kostüme gesucht, für Alemannen- und Mittelalterfest, private Feste, Kinderkrippenspiele und Aufführungen an St. Martin. Populäres Beispiel für den Bräunlinger Kostümverleih ist das Musical Hecker in Triberg im Jahr 2011.

Mit fünf bis 45 Euro Leihgebühr für die gesamte Leihdauer kommt man recht günstig weg. Ruth Müller: „Das variiert von Einzelstücken bis hin zum kompletten Kostüm.“ Gereinigt oder gewaschen sollten die Sachen sein, die Rückgabe zeitnah erfolgen. Neben den Bräunlingern gibt es im Kreis noch mehr Zünfte mit Kleiderkammern. Die Narrenzunft Bad Dürrheim unterhält eine Kleiderkammer, in der Kleiderkammer der Narrenzunft Frohsinn Donaueschingen finden sich Kostüme und Utensilien vergangener Zunftbälle, und auch in der Kleiderkammer der Immendinger Narrenzunft Strumpfkugler bleibt kein Kostümwunsch unerfüllt.

Verleih und Rückgabe in Bräunlingen ist jeden Dienstag von 19.30 bis 20.30 Uhr. Ansprechpartner ist Ruth Müller, Telefon (0771) 1 58 94 08. Für größere Gruppen sind auf Anfrage separate Termine möglich

Schauspielfasnet

Die Schauspielfasnet in Bräunlingen findet am Fasnetsmentig nach dem Umzug statt. In der Stadthalle wird das Stück "Das fliegende Klassenzimmer" aufgeführt.