Binnen 15 Minuten ist der Rettungsdienst gesetzlich dazu verpflichtet, bei einem Notfall vor Ort sein. Leider ist es den Sanitätern nicht immer möglich, innerhalb dieser Zeitspanne beim Patienten einzutreffen. Wer in Bräunlingen die 112 wählt, muss sich im Städtedreieck statistisch am längsten gedulden. Nun versucht man die Lage in Bräunlingen mit einem „Helfer vor Ort“ zu verbessern.

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Unterstützung für den Rettungstransportwagen

„Bürgermeister Bächle ist mit der Idee auf mich zugekommen“, sagt Sascha Fischer. Da habe er sich gedacht: „Eigentlich habe ich doch noch ein wenig Zeit um mich als Rettungssanitäter zu engagieren.“ Seit Ende Mai ist Fischer nun der neue „Helfer vor Ort“ in Bräunlingen. Jetzt wird er immer alarmiert, wenn der Donaueschinger Rettungswagen für einen Einsatz in Bräunlingen und Ortsteilen nicht zur Verfügung steht. „Meine Aufgabe ist es dann, für die Erstversorgung beim Patienten zu sorgen, bis die Einsatzkräfte aus Blumberg, Löffingen oder Bad Dürrheim vor Ort sind“, erzählt der 26-Jährige. Bei größeren Einsätzen wird Fischer auch manchmal mit alarmiert.

Das CO-Messgerät dient Sascha Fischer als Selbstschutz und gehört zur Standardausrüstung jedes Sanitäters. Bei einer erhöhten Kohlenstoffmonoxid-Konzentration in der Luft schlägt das Messgerät Alarm
Das CO-Messgerät dient Sascha Fischer als Selbstschutz und gehört zur Standardausrüstung jedes Sanitäters. Bei einer erhöhten Kohlenstoffmonoxid-Konzentration in der Luft schlägt das Messgerät Alarm. | Bild: Ferdinand Harich

Ehrenamtliches Engagement

Seinen Erste-Hilfe-Rucksack hat die Stadt Bräunlingen organisiert. Seine Einsatzkleidung und Teile des Rucksack-Inhaltes wurden vom DRK Ortsverein Bräunlingen gestellt. „Zu den Einsätzen fahre ich mit meinem privaten Auto„, so Fischer. Eigentlich ist er von Beruf Landwirtschaftsmeister. Allerdings hat er eine Ausbildung zum Sanitäter absolviert und war vier Jahre lang Kreisbereitschaftsleiter in Donaueschingen. Seine Tätigkeit als Helfer vor Ort führt er ehrenamtlich aus.

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Zentralisierung ist ein Problem

Die Zentralisierung der Krankenhäuser auf der Baar hält der Landwirtschaftsmeister für sehr bedenklich. „Alle Patienten aus dem Städtedreieck, die in die Notaufnahme müssen, werden nach Villingen gebracht.“ Das sei mindestens in zwei Dritteln aller Notrufe der Fall. Durch die längere Fahrstrecke nach Villingen verliere der Patient natürlich auch überlebenswichtige Zeit.

Die Menschen der Bräunlinger Ortsteile müssten sich teilweise etwas länger bei einem Notfall gedulden, als die Kernstadtbevölkerung. Vor allem Mistelbrunn und Unterbränd seien etwas weiter ab vom Schuss.

Der automatisierte externe Defibrillator, kurz AED, befindet sich im Erste-Hilfe-Rucksack. Er wurde vom DRK Ortsverein Bräunlingen gestellt. Der AED wird zur Reanimierung des Patienten, beispielsweise bei Kammerflimmern, benötigt.
Der automatisierte externe Defibrillator, kurz AED, befindet sich im Erste-Hilfe-Rucksack. Er wurde vom DRK Ortsverein Bräunlingen gestellt. Der AED wird zur Reanimierung des Patienten, beispielsweise bei Kammerflimmern, benötigt. | Bild: Ferdinand Harich

15 Minuten reichen nicht

Innerhalb von 15 Minuten, wie es gesetzlich vorgegeben ist, könne der Rettungswagen nicht immer vor Ort sein, meint Fischer. „Wenn zum Beispiel 20 Zentimeter Schnee auf den Straßen liegt, kann auch der Krankenwagen nicht mit 60 Kilometer pro Stunde durch die Gegend fahren“, erklärt er. Der Eigenschutz der Helfer gehe da einfach vor.

„Die Wertschätzung der Helfer vor Ort ist leider nicht so hoch“, sagt er. Immerhin werde man aber in dieser Funktion seit Kurzem auch im Rettungsdienstgesetz erwähnt. Eine Vergütung für die Tätigkeit sei aber noch nicht wirklich in Sicht. Auch die Einsatzkleidung und der Erste-Hilfe-Rucksack müssen bislang durch Spenden finanziert werden. Nicht mal für den Sprit, den er mit seinem eigenen Auto verbraucht, wird Fischer entschädigt. Immerhin könne er, wenn das Verbandmaterial verbraucht ist, dieses kostenlos vom Ortsverein besorgen.

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Mehr Personal ist notwendig

Personaltechnisch sei man im Städtedreick ein wenig im Hintertreffen. „Der Donaueschinger Rettungswagen hat ein riesiges Gebiet zu versorgen. Die Sanitäter können sich auch nicht zerreißen“, berichtet der Bräunlinger. Es sei also häufiger der Fall, dass ein anderer Rettungswagen aus Blumberg, Löffingen oder Bad-Dürrheim zur Hilfe gerufen werde. „Meistens kommen dann die Rettungskräfte aus Blumberg.“ Die hätten natürlich eine etwas weitere Strecke, als der Donaueschinger Wagen. Die Stadt Hüfingen habe deshalb schon seit längerem einen Helfer vor Ort installiert. „Der Hüfinger Helfer und ich werden immer beide alarmiert. Wenn ich mal nicht vor Ort sein sollte, kann er für mich einspringen und umgekehrt.“

Das Problem, zu wenige Helfer in den eigenen Reihen zu haben, betreffe das Deutsche Rote Kreuz in allen Landkreisen der Bundesrepublik. Es gibt einfach immer weniger Menschen, die sich für den Beruf des Sanitäters entscheiden oder sich ehrenamtlich bei den Ortsvereinen engagieren wollen.

Zivildienst fehlt

Durch den Wegfall des Zivildienstes habe das Deutsche Rote Kreuz eine Möglichkeit verloren, den Nachwuchs für den Beruf des Sanitäters zu begeistern. Aus diesem Grund sei die Unterstützung eines Helfers vor Ort nun notwendig. In Bräunlingen gebe es leider nur einen kleinen DRK-Ortsverein. Jede zusätzliche helfende Hand könne gut gebraucht werden. Man müsse sich ja nicht unbedingt als Sanitäter ehrenamtlich beim Ortsverein engagieren. Es sei auch möglich, sich in der Verwaltung des Vereins einzubringen. „Ich möchte die Bevölkerung also dazu aufrufen, das Rote Kreuz zu unterstützen.“