Bernd Fugmann ist 75 Jahre alt und hat Chemie studiert. "Wenn man das macht, dann braucht man viele Bücher. Im Schach sind es jedoch einige mehr", erklärt er. Fugmann hat in Döggingen bei Frei-Lacke gearbeitet und lebt in Bräunlingen. Seine Leidenschaft gilt dem Schachspiel, dem Spiel der Könige, wie es auch genannt wird.

Anfang April wurde er in Singen beim Sportlerempfang des Regierungspräsidiums Freiburg geehrt. Bereits zum fünften Mal ist Fugmann mit der badischen Mannschaft Deutscher Seniorenmannschaftsmeister 65 Plus geworden. Außerdem ist er Vorsitzender des Villinger Schachclubs, Bezirksturnierleiter Schwarzwald und Seniorenreferent des Badischen Schachverbandes.

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Mit 40 nimmt die Leistung ab

Das Spiel gelernt hat er etwa im Alter von zehn Jahren von seinem Vater zu Hause. 1958 tritt er schließlich in den Donaueschinger Schachclub ein. "Es ist eben die Neugier, die einen zu so einem Schritt treibt. Und, um andere Spieler kennenzulernen", sagt Fugmann. Damals ist er 14 Jahre alt. Dem Spiel ist er noch heute treu. Allerdings, so sagt er, habe die Spielstärke mittlerweile etwas abgenommen: "Man hat im Alter den Vorteil, mehr Zeit zu haben und viel lernen zu können. Allerdings gehen etwa ab 40 die Fähigkeiten zur Neige." Sich schnell zu entscheiden, das funktioniere nicht mehr so gut wie früher. Ähnlich wie bei anderen Sportarten, bei denen sich Profi-Spieler mit Ende 30 in den Ruhestand verabschieden. Das sei beim Schach nicht unbedingt notwendig, lediglich die Leistung lasse nach.

In all der Zeit als Schachspieler, Fugmann war sogar in der zweiten Bundesliga aktiv, hat er sich einen großen Wissensfundus zu dem Sport aneignen können. "Es ist nicht nur ein Sport, sondern eine ganze Kultur. Nicht umsonst wird es auch das Spiel der Könige gennant", sagt er. Im Spiel lasse sich sogar eine Ästhetik entdecken. Wie gewonnen wird, welche Spielzüge zum Sieg führen, wie die eigene Fantasie zum Einsatz kommt.

Anstrengend wie ein Boxkampf

Als Sport ist Schach vom Innenministerium anerkannt. Olympisch ist das Spiel allerdings noch nicht geworden. "Es ist eine ewige Diskussion, ob es nun ein Sport ist. Klar, fehlen Motorik und Bewegung wie etwa bei anderen Sportarten, alles andere passt jedoch", erklärt Fugmann. "Faire und gleiche Bedinungen für die Spieler, das Spiel wird aus eigenen Kräften bestritten." Und Kräfte kann das schon mal kosten. "Es gibt Berechnungen, dass man beim Schach genauso viele Kalorien verbraucht, wie beim Boxen." Eine Partie im Turnier könne etwa vier bis sechs Stunden dauern. Volle Konzentration über einen solchen Zeitraum, das sorgt auch für Erschöpfung. "Danach ist man erst mal erledigt." Zudem spiele der Faktor Glück beim Schach keine Rolle: "Ein Anfänger ist gegen eine Profi chancenlos."

Interesse der Jugend ist da

Was den Nachwuchs an neuen Spielern betreffe, befinde sich Schach in einer guten Phase: "Das hat vor allem auch mit dem Interesse von Jugendlichen an Computern zu tun." Das Spiel ist etwa für manche Branchen besonders attraktiv. Taktik, Vorausdenken, Anpassungsfähigkeit – alles Qualitäten, die dafür wichtig sind. "Über das Schachspiel wurden auch Algorithmen für Computer entwickelt", sagt Fugmann. Ein Mensch, so sagt er, hat heute keine Chance mehr gegen einen Computer. "Heute schämt man sich fast, wenn man auf dem Handy ein Spiel verliert."

Doping mit Elektronik

Entsprechend gelten bei den großen Turnieren auch strenge Regeln, was die Nutzung von Elektronik betrifft. "Doping geschieht weniger durch unerlaubte Medikamente, als vielmehr durch den Gebrauch von elektronischen Hilfsmitteln", so Fugmann. Schach-Partien werden teilweise live ins Internet übertragen. Ein digitales Schachbrett überträgt jeden Zug. "So könnte irgendwo jemand sitzen, der mit dem Computer den besten Zug ausrechnet und die Information dann irgendwie an den Spieler übermittelt." Entsprechend werden bei Partien zwischen Großmeistern auch zuvor alle Räume entsprechend kontrolliert. Die Regeln orientieren sich stark an moderner Technologie.

Dennoch gelten etwa seit dem 15. Jahrhundert die noch heute zur Anwendung kommenden Regeln. In deren Rahmen gilt es den Gegner zu bezwingen. "Es gibt verschiedene Arten zu gewinnen. Natürlich gibt es die Variante, bei der das Gegenüber einen Patzer macht", so Fugmann. Wesentlich schöner sei es allerdings, in einer langen Partie durch Erfahrung und Fantasie zu gewinnen.

Bernd Fugmann spielt mindestens zweimal in der Woche Schach. So halte er sich in Form, sagt er. Nicht immer gelten dabei Turnier-Bedingungen. Darunter sind auch Blitz-Spiele, bei denen jeder Spieler insgesamt fünf Minuten Zeit hat. Die Spieler stehen unter Druck, es geht emotionaler zur Sache. "Das wird gerne gespielt", sagt Fugmann. Man dürfe sich jedoch nicht verzetteln, denn Schach, das kostet Zeit.