Rund 400 Graugänse auf einem Feld vor dem Kirnbergsee. In einem langgezogenen Streifen ziehen sie die Köpfe – alle in die gleiche Richtung gereckt – über den Acker. Für die Spaziergänger und Badegäste ein beeindruckendes Naturschauspiel. Für die Landwirte aber eine schlimme Plage.

Schon seit einigen Jahren sind die Graugänse am Kirnbergsee zu Gast. „Mal mehr, mal weniger“, so Ortsvorsteher Winfried Klötzer gegenüber dem SÜDKURIER. Seit einigen Jahren verzichten die Zugvögel auch auf ihren sonst üblichen Zug in den Süden und verbringen auch den Winter vor Ort am See im idyllischen Bräunlinger Ortsteil. Für die Touristen ist das nett, doch die Landwirte sind „nicht so begeistert“, fasst der Ortsvorsteher die Lage zusammen. Doch die Tiere dürften nicht bejagt werden, sie stünden unter Naturschutz. Dabei sei ihre Anwesenheit durchaus problematisch. „Die scheißen alles voll“, erklärt Klötzer das Problem in drastischen Worten.

Er habe Ähnliches auch schon mal in Füssen in der Nähe eines Sees erlebt, wo Wildgänse das Ufer in großer Zahl bevölkerten, erzählt Klötzer weiter. Man könne es aber nicht ändern. Vor längerer Zeit sei das Problem auch mal auf kommunaler Ebene diskutiert worden, doch ohne Ergebnis. Man könne die Tiere allenfalls aufscheuchen. Doch dazu müsse man schon massiv vorgehen, denn inzwischen hätten sich die Vögel auch aufgrund der Badegäste auch gut an die Menschen gewöhnt.

In Scharen bewegen sich die 400 Graugänse über die Wiese am Kirnbergsee. Für Spaziergänger ein beeindruckendes Naturschauspiel, für die Landwirte eine große Plage.
In Scharen bewegen sich die 400 Graugänse über die Wiese am Kirnbergsee. Für Spaziergänger ein beeindruckendes Naturschauspiel, für die Landwirte eine große Plage. | Bild: Wolfgang Fürderer

Nur einer der Leidtragenden ist der Landwirt Ralf Scholl. „Die ganzen Bauern leiden darunter“, stellt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER gleich fest. 50 Tiere wären ja kein Problem, doch es seien über 400. Einer habe sie mal erzählt und bei 400 aufgehört, sagt Scholl. Um sein Getreidefeld vor den gefrässigen Tieren zu schützen, hat er erst jüngst einen Zaun gebaut. Den hat er dann am Mittwoch wieder abgebaut, um zur Ernte mit den Maschinen aufs Feld fahren zu können.

Vor Jahren habe man auch schon mal mit dem Kreisjagdwart Kontakt aufgenommen, der gesagt habe, dass die Vögel nicht jagdbar seien. Man dürfe sie allenfalls vertreiben, doch auch dabei dürfen sie nicht zu Schaden kommen. Allenfalls Mischlingstiere dürfe man schießen. Verscheuche er aber die Tiere tatsächlich von seinem Feld, ernte er oft böse Blicke von Spaziergängern, die ihren Spaß an den Vögeln haben.

Die Verluste durch die Graugänse konnte Scholl zwar nicht beziffern, aber sie richten schon „erhebliche Schäden „ an. Im Frühjahr hätten sie die Rapskeimlinge gefressen, so dass die gar nicht wachsen konnten und einmal sei sein Acker auf einer Breite von fünf Meter schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Und für Landwirte, die ihr Futter silieren, könne der viele Gänsedreck für die Kühe sicherlich nicht gesund sein. Und Scholls Ansicht nach leide auch die Wasserqualität des Kirnbergsees unter dem so gehäuften Vorkommen der Tiere. Allein schon die zurück gelassenen Federn, die sich im See an bestimmten Stellen sammeln, sieht er kritisch. Vom Kot der Tiere ganz abgesehen.



Das sagt das Kreisjagdamt

Das Problem mit den Graugänsen ist bekannt, sagte Hubert Mosbacher, Chef des Kreisjagdamtes. Auch in Pfohren gebe es eine größere Population von Graugänsen. Die Tiere stünden zwar nicht unter Naturschutz und können also gejagt werden, allerdings bestehe eine Schonzeit von Mitte Januar bis Ende August.

Gebe es aber Probleme mit den Tieren, könne eine Sondergenehmigung für den Abschuss erteilt werden. Es gäbe dann so genannte Vergrämungsabschüsse, die als Sondergenehmigung in Absprache mit dem Tierschutz erteilt werden. Damit sei in der Regel das Problem erledigt.

In Pfohren sei dies in diesem Jahr schon geschehen, für den Bereich Kirnbergsee liege aber kein Antrag vor. Die Landwirte müssten in diesem Fall auf ihre Jagdpächter zugehen.

Bei einer Vogelschar von über 400 Tieren sei in der Regel mit Schäden zu rechnen. Diese entstünden bei den Graugänsen dadurch, dass sie Pflanzen rausreißen und dadurch die Ernte reduzieren, andererseits hinterlassen sie ihren Kot.

Ein Vertreter des Tierschutzes war wegen der Urlaubszeit nicht für eine Stellungnahme zu dem Problem zu erreichen.