Die Regionalgruppe Hegau/Baar der Naturschutzinitiative meldet einen zweiten toten Milan im Bereich der drei Windräder bei Leipferdingen. Das Tier sei von der Straße aus gut sichtbar auf der Wiese vor der Windkraftanlage gelegen, die am nächsten in Richtung Leipferdingen stehe, teilte Siegfried Münzer mit. Eine Bürgerin aus Leipferdingen habe sie informiert, der Rotor habe dem Tier den Kopf abgetrennt, berichtete Regionalsprecher Klaus Meilhammer aus Riedöschingen. Ein Foto, das Meilhammer der Redaktion zusandte, zeigt einen Milan am Boden mit einem abgetrennten Kopf. Ein weiteres Foto, das wir veröffentlichen, zeigt die Windkraftanlage mit dem toten Milan davor.

Dieses Bild mit dem toten Milan im Vordergrund am Boden entstand diese Woche an der ersten Windkraftanlage auf der Stettener Höhe von Leipferdingen aus. Bild: Siegfried Münzer
Dieses Bild mit dem toten Milan im Vordergrund am Boden entstand diese Woche an der ersten Windkraftanlage auf der Stettener Höhe von Leipferdingen aus. Bild: Siegfried Münzer | Bild: Siegfried Münzer

Dies sei bereits das zweite Schlagopfer innerhalb von sechs Monaten, heißt es. Diese Beispiele zeigten, dass der strengstens geschützte Rotmilan massiv durch Windkraftanlagen gefährdet sei, insbesondere in dem Milandichtezentrum auf der Stettener Höhe.

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„Wenn das so weitergeht, haben wir bald kein Dichtezentrum mehr“, betont Klaus Meilhammer. Sie würden diesen Vorfall wie bereits im September den zuständigen Behörden melden.

Der Firma Aufwind war der Vorfall nicht bekannt

Der Firma Aufwind in Friedrichshafen, den Windpark gebaut hat und verwaltet, war der Vorfall noch nicht bekannt. Gründungsgeschäftsführer Jürgen Ziller von Aufwind machte stutzig, dass so etwas bei Leipferdingen stattfinde. Sie hätten Kontakt zu den Landwirten und von Totfunden bisher nichts gehört. Ziller äußerte Zweifel, ob der Milan überhaupt noch auf die Rote Liste der bedrohten Tiere gehöre. Eine Studie in Sachsen habe ergeben, dass Milane im Laufe der Jahre sogar näher an Windkraftanlagen heranrückten.

Firmengründer Jürgen Ziller würde kein Windrad mehr auf der Baar oder im Hegau bauen

Ziller, dessen Firma nach eigener Aussage hunderte von Windkraftanlagen weltweit gebaut hat, hat aber noch einen Vorbehalt: Er würde bei Leipferdingen, wo sie 1997 gebaut hätten, und in der Region Baar, Hegau, Südschwarzwald und Südliche Alb überhaupt heute keine Windkraftanlage mehr bauen, weil es sich nicht lohne. „Es gibt geeignetere Flächen“, zum Beispiel im Norden Baden-Württembergs oder noch weiter nördlich. Wörtlich sagte Ziller: „Ich verstehe nicht, weshalb man hier in Windkraft investieren will.“ Sie hätten drei Anlagen in Baden-Württemberg gebaut, Leipferdingen, Amstetten auf der Schwäbischen Alb und auf dem Sturmberg Am Höchsten, alle würden abgewickelt.

Region soll Windparkzentrum werden

Die Stettener Höhe ist mit ihren drei Windkraftanlagen im Bereich Baar/Hegau einer von drei bestehenden Standorten neben dem Amtenhauser Berg bei Immendingen (fünf Windräder) und Verenafohren bei Tengen (drei Windkraftanlagen).

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Zusätzlich sind in diesem Umfeld weitere fünf Standorte geplant: Sechs Anlagen, alle 245 Meter hoch, auf der Länge und fünf Anlagen auf dem benachbarten Ettenberg bei Blumberg-Riedöschingen. Drei weitere Windräder sind auf Geisinger Gemarkung der Länge geplant, fünf Windräder entstehen auf dem Eßlinger Berg auf den Gemarkungen Immendingen und Tuttlingen, drei weitere sind auf dem Brand bei Watterdingen geplant.

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Das Milan-Vorkommen spielt auch bei den Umweltstudien für die Windparks Länge und Blumberg eine Rolle.

Der erneute Vorfall sei nun aktenkundig bei den Behörden und der staatlichen Vogelwarte des Landes Brandenburg, die das Greifvogelmonitoring bundesweit übernommen hat, teilte Martin Fehringer vom Vorstand der Regionalsgruppe der Naturschutzinitiative mit. Die Landratsämter in Tuttlingen und Konstanz seien bereits informiert. Die Stettener Höhe sei seit Jahren ein amtlich festgestelltes Dichtezentrum. „Gerade jetzt zur Beginn der Brutzeit ist es besonders tragisch“, weil ein Elternteil alleine die Jungvögel nicht aufziehen könne, da ein Elternteil immer am Horst sein müsse, um die Jungen zu schützen, betont Fehringer. Die Milane, so Fehringer, „waren teilweise den ganzen Winter da.“