Bahnstrecken zu reaktivieren beziehungsweise bestehende Bahnstrecken intensiver zu nutzen ist ein wichtiges Ziel der Landesregierung. Eine entsprechenden Studie betraf auch die Wutachtalstrecke, sprich die Strecke von Waldshut nach Stühlingen. Hier besteht seit Herbst 2014 bereits wieder Schülerverkehr, der ausgebaut wurde und noch weiter ausgebaut werden soll. Die Grünen können sich auf dieser Strecke einen in die Zukunft gerichteten Bahnverkehr mit Batteriebetrieb vorstellen.

Das wurde bei einem gemeinsamen Treffen in Blumberg mit Christian Brinkmann deutlich, dem Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg, in dessen Aufgabenbereich auch die Wutachtalstrecke von Stühlingen bis Lauchringen fällt, die die Stadt Blumberg bis 2032 gepachtet hat, wie ein Bericht des grünen Landtagsabgeordneten Niklas Nüssle vermittelt.

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Eisenbahn war sozusagen die Raketentechnik des 19. Jahrhunderts“, sagt Christian Brinkmann, Chef der Bahnbetriebe Blumberg, während er durch eine Originalauflage aus den 1850er Jahren blättert, in der Konstruktionspläne für Züge und Bahnhöfe zu sehen sind: „Damals hat man keine Kosten gescheut – obwohl vermutlich noch weniger Geld da war als heute.“ Mit am Tisch sitzen Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, der bündnisgrüne Bundestagskandidat Jan-Lukas Schmitt für den Kreis Waldshut, und der bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Niklas Nüssle. Sie wollen sich ein Bild von der Reaktivierung der Wutachtalstrecke machen, die zu den von Brinkmann verantworteten Bahnlinien gehört.

Die Strecke ist schon seit Jahren reaktiviert

Wirklich stillgelegt ist die Strecke allerdings nicht mehr. Nachdem 2014 zunächst der Abschnitt von Lauchringen bis Wutöschingen wieder in Betrieb genommen wurde, erweiterte sich die Strecke stückweise bis Stühlingen. Heute fährt auf den 16 Kilometern zwischen Lauchringen und Stühlingen ein Schülerzug. Der Landesregierung reicht das nicht: Mit einem groß angelegten Programm zur Reaktivierung von Bahnstrecken will sie den Nahverkehr im ländlichen Raum ausbauen, heißt es in der Mitteilung von Niklas Nüssle.

Das könnte Sie auch interessieren

Regelmäßige Züge haben viel Potenzial

Die Wutachtalstrecke ist Teil des Reaktivierungsprogramms. Obwohl die Maßstäbe auf Landesebene einheitlich sind, bescheinigt ihr ein Gutachten ein solides Fahrgastpotenzial, heißt es weiter. Regelmäßig fahrende Züge würden täglich von fast tausend Menschen genutzt werden – gewöhnlich seien es in Wirklichkeit sogar noch mehr als in den Studien. Vorerst soll die Strecke bis Weizen ausgebaut werden und ab Dezember sollen auch abends Züge fahren. „Besonders für Pendler wäre das dann eine Möglichkeit, auf den Zug umzusteigen, die der Schülerzug aktuell nicht bietet“, sagt Bundestagskandidat Jan-Lukas Schmitt, der aus Ofteringen direkt an der Bahnstrecke stammt.

Weitere Investitionen geplant

In den kommenden Jahren sollen die Schienen verbessert werden, vor allem aber in Bahnsicherungsanlagen wie Schranken investiert werden, erklärt Brinkmann: „Die Züge können dann auf manchen Abschnitten 80 statt 20 Stundenkilometer fahren.“ Der Landtagsabgeordnete Nüssle ergänzt: „Wenn die Hochrheinbahn bis bestenfalls 2025 elektrifiziert wird, könnte die Bahn auf der Wutachstrecke batterieelektrisch fahren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Güterverkehr könnte die Strecke rentabler machen

Der Güterverkehr könnte eine Möglichkeit sein, den Betrieb kostengünstiger zu machen: „Schon ein Güterzug pro Woche kann helfen, eine Strecke rentabler zu machen und Investitionen zu tragen“, sagt Matthias Gastel. Er sieht darin auch Potenzial für eine Anbindung des Güterverkehrs in die Schweiz: „Der CO2-Ausstoß wird für Firmen ein immer größeres Thema, der Transport per LKW immer teurer. Die Bahn kann eine attraktive Alternative anbieten, wenn die Politik die passenden Weichen stellt.“ Zunächst dürfte es aber beim Personenverkehr bleiben. Schmitt sieht hier noch viele Baustellen: „Die Eingleisigkeit der Hochrheinstrecke ist schon heute problematisch, das wird sich bei steigenden Fahrgastzahlen weiter verschärfen. Die Bahn hat am Hochrhein aber auch im Wutachtal hohes Potenzial – mit den aktuellen Gegebenheiten lässt es sich allerdings nicht ausschöpfen. Die Reaktivierung von Bahnstrecken, wie auch der Wehratalbahn, ist der richtige Weg, um sie attraktiver und zuverlässiger zu machen.“

Drei neue Haltepunkte geplant

Das Wutachtal wird für die Blumberger Bahnbetriebe und die Stadt Blumberg immer wichtiger. Grund ist der zunehmende Schülerverkehr auf der Schienenstrecke, welche die Stadt Blumberg seit 1977 gepachtet hat. Jetzt sind drei neue Haltepunkte geplant: in Horheim und Ofteringen sowie im Stühlingen-Eberfingen. „Ziel ist es, in den nächsten vier Jahren die Strecke so weit zu ertüchtigen, dass ein Zug sie statt mit Tempo 30 mit 80 Stundenkilometern befahren kann“, umreißt der Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg, Christian Brinkmann, das mittelfristige Ziel. Einige Bahnübergänge seien technisch noch nicht gesichert. Derzeit ist Brinkmann dabei, die für die Bahnübergänge nötigen Kreuzungsverträge mit den Straßenbaulastträgern, also der Stadt Stühlingen, der Gemeinde Wutöschingen und dem Land abzuschließen.