Kinder und Familien im Westen Blumbergs verlieren ein beliebtes Ziegengehege, weil bei der Stadt eine Beschwerde einging.

Mit großem, persönlichen Einsatz richtete die Blumbergerin Michaela Ege im unteren, westlichen Bereich des Blumberger Feldbergweges ein eigenes Tierparadies für Ziegen ein. Nun, nach fast vier Jahren, muss das Gehege auf Anweisung des Baurechts- und Naturschutzsamts des Landratsamts Schwarzwald-Baar-Kreis aufgelöst werden. Auf der mit viel Phantasie gestalteten Stallung genossen die Ziegen auf über 400 Quadratmetern großen Auslauf.

Aufschub bis 31. Juli

Nach einer eingegangenen Beschwerde bei der Stadt Blumberg, die diese an das zuständige Landwirtschaftsamt weiter leitete, ging dieser Beschluss bereit im Oktober voriges Jahres bei der Betreiberin ein. Nach zweimaligen Einspruch wurde ihr ein Aufschub bis zum 31. Juli in diesem Jahr gewährt.

Anweisung schweren Herzens akzeptiert

Die leidenschaftliche Tierliebhaberin Michaela Ege hat diese Anweisung inzwischen schweren Herzens akzeptiert und sich nach einem anderen Standort erkundigt. In den nächsten Wochen wird sie mit ihrem gesamten Gehege nach Riedöschingen umsiedeln. Auf einem landwirtschaftlichen Gelände Richtung Kommingen hat sie sich dort mit dem zuständigen Eigentümer auf den neuen Standort geeinigt. Ihre Pachtwiese in Blumberg will sie aber weiter behalten.

Da großzügigen Gehege ist für die Ziegen von Michaela Ege ein echtes zuhaue.
Da großzügigen Gehege ist für die Ziegen von Michaela Ege ein echtes zuhaue. | Bild: Hans Herrmann

Die Verpächter wussten dort von Anfang über ihr Projekt Bescheid und haben dieses ohne Einwände befürwortet. Mit viel Herzblut hat Michaela Ege dort hunderte von Arbeitsstunden mit der Einzäunung, der Stallung, dem Schopf und Spielgeräten für die Ziegen investiert. Ihr Projekt wurde von zahlreichen Tagesmüttern oder Eltern von Kindern von Anfang an mit großer Begeisterung aufgenommen. Als beliebter Treffpunkt war hier in dem kleinen Streichelzoo immer einiges los. Die zuletzt acht Haus- und Zwergziegen sorgten für viel Freude und waren besonders für Kleinkinder oft der erste, unmittelbare Kontakt zur Tierwelt.

Mit zwei frisch geborenen Zicklein erhielt die großzügige Ziegenstallung in Blumberg unterhalb des Feldbergweges zuletzt Nachwuchs. Archivbild: Hans Herrmann
Mit zwei frisch geborenen Zicklein erhielt die großzügige Ziegenstallung in Blumberg unterhalb des Feldbergweges zuletzt Nachwuchs. Archivbild: Hans Herrmann

Besonders in der Coronazeit wurde dieser Ort als ein echtes Stück heile Welt von den Besuchern geschätzt. Auch viele vorbei laufende Wanderer freuten sich über diese Abwechslung. Über die Entscheidung des Landwirtschaftsamts brachte dieses Umfeld keine Verständnis auf. „Die Kinder lernten hier den Bezug zu Tieren und waren in der Natur bestens aufgehoben,“ bedauert ihr Bruder Manuel Ege mit seiner gesamten Familie. „Es ist einfach schade, und es macht uns traurig, das diese Einrichtung weichen muss. Ich war mit meinem Neffen immer gerne hier,“ sagt uns Nadine Schäfer. „Hier ist es einfach cool, und wir sind alle enttäuscht,“ findet auch der zwölfjährige Tom Schneider diesen Beschluss nicht in Ordnung. Alle kennen sogar die Namen der Ziegen und haben mit den Vierbeinern echte Freundschaften geschlossen. Ob Püppi, Cooki, Lilli oder Bambi, alle eroberten sich eine echte Fangemeinde. Vor kurzem wurden sogar zwei Zicklein geboren.

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„Hier wird vielen Familien eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung genommen, die gerade in der jetzigen Zeit enorm wichtig ist“ teilt uns der Blumberger Max Fritz mit. Bei allen Beteiligten ruft die behördliche Anweisung kollektives Kopfschütteln hervor.

Michaela Ege hofft, dass sie an ihrem neuen Standort eine dauerhafte Bleibe findet. Für sie ist diese idealistische Aufgabe mehr als nur ein Hobby. Bis zum Schluss hat sie gekämpft und bat mit einer Mail Bürgermeister Markus Keller um Hilfe. Die erhoffte Unterstützung blieb aber aus. „Ich schaue nun mit einem weinenden und lachenden Auge nach vorne. Es geht immer weiter,“ sieht die 48-jährige Zolldeklarantin dem Umzug voller Energie und Leidenschaft entgegen.

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Alles fing vor sechs Jahren an. Als ihr Partner der Tierfreundin zwei Ziegen schenkte, hatte sie den ersten Stellplatz im Zollhaus-Ried am Fischweiher gefunden. Doch dieses Terrain musste nach zwei Jahren räumen, dort wegen Vereinseigenbedarf. „Alle gute Dinge sind drei“, setzt sie nun auf eine endgültige Lösung.