Rosi und Hans-Joachim Salomon vom „Hirschen“ sind noch immer ganz gerührt: Als feststand, dass ihr Hotel aufgrund der Corona-Pandemie keine Urlauber mehr beherbergen darf, meldete sich der Organisator einer elfköpfigen Wandergruppe bei ihnen. Er kündigte an, den Aufenthalt in Blumberg um ein Jahr zu verschieben und bot gleichzeitig an, die Kosten dafür schon jetzt zu begleichen – weil es dem Gastgewerbe in diesen Tagen wirtschaftlich doch nicht so gut gehe. Salomons waren baff, freuten sich über so viel Anteilnahme und lehnten die Offerte dankend ab. Oder die Geschichte von einem Stammgast aus Blumberg, der einen 250-Euro-Gutschein für sich gekauft hatte. Der Mann war seit Wiedereröffnung des Restaurants zweimal zum Spargelessen im „Hirschen“. Er bezahlte aber nicht mit seinem Gutschein, sondern in bar. Als ihn Hans-Joachim Salomon darauf ansprach, habe dieser nur geantwortet: „Den löse ich erst ein, wenn Ihr wieder mehr Einnahmen habt.“ Bei allen Herausforderungen in diesen Tagen und trotz großer Umsatzeinbußen: Es sind Geschichten wie diese, weshalb die Salomons optimistisch in die Zukunft blicken.

Der „Hirschen“ ist das einzige Hotel in der Blumberger Kernstadt. Über Pfingsten wird es weitgehend ausgebucht sein.
Der „Hirschen“ ist das einzige Hotel in der Blumberger Kernstadt. Über Pfingsten wird es weitgehend ausgebucht sein. | Bild: Niederberger, Holger

Die vergangenen Wochen waren hart für sie, für einige Mitarbeiter musste Kurzarbeitergeld beantragt werden. Das Restaurant war bis vergangenen Montag komplett dicht und die Idee, einen Lieferservice für Speisen einzurichten, verwarfen die Salomons Mitte März schnell weider – weil es da sehr viele Mitbewerber gab. „Hätten wir auch noch mitgemischt, dann wäre der Kuchen zu klein für alle geworden“, sagt Hans-Jochim Salomon. Familienfeiern fielen flach, Stammtische fielen aus und durch den gecancelten Saisonstart der Sauschwänzlebahn parkten auch keine Reisebusse mehr vor dem „Hirschen“. Und wo keine Gäste, da auch kein Verdienst. Das Hotel hätte zwar Monteure oder Geschäftsreisende aufnehmen dürfen, doch die gab‘s nur in wenigen Einzelfällen. Denn die großen Blumberger Arbeitgeber wie Tenneco oder Metz Connect hatten sich zur Hochzeit der Corona-Krise keinen Fremden ins Haus geholt. Doch mittlerweile zieht das Übernachtungsgeschäft wieder an, über Pfingsten ist der „Hirschen“ nahezu ausgebucht. Das Hotel hat 26 Zimmer und kann bis zu 60 Gäste beherbergen.

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Wenn das Hotel am Freitag wieder seinen Betrieb aufnehmen darf, erwarten die Gäste einige coronabedingte Änderungen. Am Frühstücksbuffet ist beispielsweise keine Selbstbedienung mehr erlaubt, eine Servicekraft wird das Gewünschte auf die Teller legen. Auch werden die eigentlich längst überwundenen Portionspackungen für Butter, Marmelade oder Honig ihr Comeback erleben. Von wegen der Hygiene. Auf das Salatbuffet wird ganz verzichtet, weil es sich einfach nicht rechnen würde, auch hierfür einen Mitarbeiter einzusetzen. Selbstbedienung ist strikt verboten. Und so wird der Salat in der Küche gerichtet und von der Bedienung an den Tisch gebracht.

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Halten sich die Restaurantbesucher an die Hygienevorschriften? Ja. Die Menschen seien sehr diszipliniert, sagt Rosi Salomon. Noch kein einziges Mal habe sie einen Gast darauf hinweisen müssen, dass er sich seinen Tisch nicht mehr selbstständig aussuchen darf. Darauf weist ein kleines Plakat hin, das vor dem Gastraum angebracht ist. Es stammt so wie die weiteren Plakate mit Hygienevorschriften aus dem Rathaus. Überhaupt: Salomons fühlen sich von der Stadtverwaltung gut betreut, dort bekäme man auf jede Frage eine Antwort. Auch für den Bund und das Land finden die Gastronomen nur positive Worte, das gilt auch für den Hotel- und Gaststättenverband. Corona-Krisen-Gejammere gibt es bei den „Hirschen“-Wirten nicht.

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