Ein Mittwochmorgen im September, 8.30 Uhr, und es regnet leicht in Blumberg-Achdorf am „Haus des Gastes„. Das Naturschutzgroßprojekt Baar (NGP Baar) hat zur Exkursion ins Fördergebiet eingeladen. Neben der Projektleitung sind unter anderem Angelika Balzert vom Bundesumweltministerium, Friedrich Kretzschmar vom Regierungspräsidium Freiburg und Achdorfs Ortsvorsteher Hans-Peter Mess vor Ort.

Ziel ist die Untere Eichberghütte

Insgesamt machen sich zehn Personen zur unteren Eichberghütte, zum ersten Exkursionspunkt, auf. Schon auf dem Weg durch den Wald sind die Schafe zu hören. Am Zaun angekommen führt Projektmitarbeiter Jörg Fünfgeld aus, dass die 0,6 Hektar große Fläche zu weiten Teilen verbuscht war. Magerrasen mit dem Gelben Enzian befanden sich nur auf kleine Teilflächen. Im Frühjahr dieses Jahres wurden deshalb die Schwarzdornhecken, kleinen Fichten und Eschen beseitig.

Kiefern bleiben als Schattenspender

Als Schattenspender für die Schafe blieben aber ein paar größere und kleinere Kiefern stehen. Damit sich die Magerrasen wieder ausbreiten können, dürfen sich die Gehölze nicht wieder entwickeln. Und hier kommen die Schafe ins Spiel: Diese fressen nicht nur Gräser und Kräuter, sondern auch die diesjährigen Austriebe der Gehölze.

Anhand des Fotos erläutert Projektleiter Thomas Kring die Gehölzentnahme zu Gunsten des Kammmolches. Rechts neben ihm Achdorfs Ortsvorsteher Hans-Peter Mess. Bild: Jörg Fünfgeld
Anhand des Fotos erläutert Projektleiter Thomas Kring die Gehölzentnahme zu Gunsten des Kammmolches. Rechts neben ihm Achdorfs Ortsvorsteher Hans-Peter Mess. Bild: Jörg Fünfgeld | Bild: Naturschutzgroßprojekt Baar

Im Herbst und Winter soll nach dem guten bisherigen Erfolg die Fläche auf rund drei Hektar erweitert werden. Ziel ist es, den Lebensraum für geschützte und seltene Arten wie den Enzian zu erhalten und auszuweiten. Damit wird im Krottenbachtal zwischen Achdorf und Eschach gleichzeitig auch ein wichtiger und großer Trittstein für den Biotopverbund erhalten und verbessert.

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Das zweite Exkursionsziel liegt südlich des Zollhausriedes. Im Bereich des Ziegelöschles wurde in früheren Jahren Doggererz abgebaut. Am Grunde des Tagebaus hat sich im Laufe der Zeit ein Tümpel entwickelt, der unter anderem den Kammmolch beheimatet. Das Kleingewässer wuchs aber immer weiter zu. Thomas Kring, Projektleiter des NGP Baar, erläutert: „Der nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Kammmolch benötigt neben einer besonnten Wasserfläche auch Bereiche mit Röhrichten und Unterwasservegetation. Deshalb wurden die Gehölze beseitigt, die zu einer Verschattung des Tümpels führten.“

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Die bewegte Topographie des Geländes machte es stellenweise notwendig, die Gehölzarbeiten angeseilt zu erledigen. Aber der Erfolg ist deutlich zu sehen: Auf die Gewässerfläche scheint wieder die Sonne! Neben dem Kammmolch werden auch andere Amphibien und Libellen von der Maßnahme profitieren. Ein weiterer Höhepunkt war noch zu beobachten: Ein Eisvogel zeigte sich in seiner blau-schillernden Pracht!

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Zum Abschluss führte Projektleiter Thomas Kring die Gruppe noch zu einem der wenigen Wuchsorte der Strauch-Birke. Auf der Baar kommt die stark gefährdete Baumart nur noch an einer handvoll Stellen vor. Deshalb wurden im Aitrachtal die bedrängenden Weidengebüsche entfernt, damit sich die Strauch-Birke entwickeln kann.

National bedeutsame und repräsentative Naturräume erhalten und fördern

Nationale Naturschutzgroßprojekte werden in Deutschland bereits seit Jahrzehnten gefördert.

  • Als Naturschutzgroßprojekte (NGP) werden seit 1979 national bedeutsame und repräsentative Naturräume vom Bund gefördert. Seit März 2013 werden Teile der Baar und der Baaralb, aufgrund ihrer gesamtstaatlichen und internationalen Bedeutung für den Naturschutz, als „Naturschutzgroßprojekt Baar“ durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Landes Baden-Württemberg gefördert.
  • Ziel des NGP Baar ist es zum einen, die Wald-, Trocken- und Feuchtlebensräume für den Arten- und Biotopschutz sowie den regionalen und internationalen Biotopverbund zu sichern. Zum anderen wird aber auch die qualitative und quantitative Verbesserung von bedeutsamen Lebensräumen angestrebt. Damit leistet das Naturschutzgroßprojekt einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der Biodiversität, also der biologischen Vielfalt.
  • Träger: Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist Träger des Naturschutzgroßprojektes Baar. Daneben sind der Landkreis Tuttlingen und diese zehn Kommunen beteiligt: Bad Dürrheim, Blumberg, Bräunlingen, Brigachtal, Donaueschingen, Geisingen, Hüfingen, Königsfeld, Mönchweiler und Villingen-Schwenningen. Die Gesamtfläche der Fördergebiete von 4.289 Hektar gliedert sich in 17 Teilflächen, rund 25 Prozent des gesamten Gebiets befinden sich auf Blumberger Gemarkung.

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