Wenn diese Woche die ersten Musikvereine wieder zur Probe einladen, bedeutet das für etliche Musiker vermutlich, ihre Instrumentenkoffer nach monatelanger Pause erst einmal vom Staub zu befreien und die Notenmappe zu suchen, um dann ohne Ansatz erstmals wieder in die Probe zu gehen. Nicht so für den Musikverein Achdorf.

Dank ihres engagierten Dirigenten Valentin Feucht blieben zahlreiche Mitglieder auch während des letzten Lockdowns aktiv am Ball beziehungsweise an ihren Instrumenten. Sie schnappten sich ihre Instrumente und nahmen von zu Hause aus an der wöchentlichen Online-Probe teil.

Neuer Dirigent geht Herausforderung mit Elan an

Motiviert und voller Vorfreude übernahm Valentin Feucht im März vergangenen Jahres mit gerade einmal 21 Jahren den Musikverein Achdorf. Es ist das erste eigene Orchester des angehenden Profimusikers, der im Jahr 2018 den C3-Dirigentenschein an der Musikakademie in Staufen erworben hatte, zwei Jahre als Schlagzeuger beim Heeresmusikkorps in Ulm spielte und seit Oktober letzten Jahres an der Musikhochschule Würzburg den Bachelor-Studiengang Instrumentalist mit Hauptfach Schlagzeug belegt.

Er konnte den Taktstock zunächst nicht lange vor den Blumberger Musikern schwingen, denn dann kam bereits der erste Corona-Lockdown. Abwarten und nichts tun ist nicht die Art des ambitionierten Musikers, der seine Karriere als Schlagzeuger in Pfohren begann. Für Valentin Feucht war schnell klar, dass er ein alternatives Probenformat anbieten wollte.

Über den nordbayerischen Musikbund nahm er an einem Online-Seminar zum Thema digitale Probenarbeit teil. Er passte die Methodik nach seinen Vorstellungen an und bot ab Mitte April letzten Jahres die ersten wöchentlichen Online-Proben an.

Valentin Feucht schafft ein maßgeschneidertes Probenkonzept

Über eine Online-Plattform trafen sich die Musiker mit ihrem Dirigenten jeden Freitagabend zur einstündigen digitalen Probe, bei der Choräle sowie Stücke aus dem Unterhaltungsprogramm geprobt wurden. Sie erhielten dabei ein Playback des Gesamtklangs eines Stückes auf ihre Lautsprecher übertragen und konnten dazu nach den Anweisungen des Dirigenten bei ausgeschaltetem Mikrofon ihre eigene Stimme spielen.

Der Dirigent konnte die Musiker so zwar nicht hören und musste darauf vertrauen, dass sie versuchen das Gesagte umzusetzen, doch im Abgleich mit dem Playback konnten sie auch selbst einzelne Töne, Rhythmik und Intonation korrigieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Playbacks erstellte Valentin Feucht allesamt selbst, entweder indem er bereits vorhandene mp3-Aufnahmen der Stücke mit einer Audiobearbeitungssoftware in Probenabschnitte unterteilte und mit Einzähler zum Einsetzen für die Musiker ausstattete, oder indem er bei den weniger komplexen Chorälen das gesamte Stück selbst nochmals in einem Notensatzprogramm schrieb und dann flexibel nach seinen Wünschen damit arbeiten konnte.

Musiker spielen über ein Playback

Während sich der Dirigent für reguläre Proben etwa zur Konzertvorbereitung intensiv mit den einzustudierenden Werken befasst, lag der Fokus hier vor allem auf der technischen Umsetzung mit der Erstellung der Playbacks, was pro Probe etwa einen Nachmittag in Anspruch nahm. Seine Methodik brachte er auch interessierten anderen Vereinen über die Homepage des Blasmusikverbandes Schwarzwald-Baar näher.

Valentin Feucht war mit der Resonanz zufrieden. Und auch die Musiker schätzten dieses Probenangebot sehr. „Die Proben waren immer wirklich toll vorbereitet. Man blieb dran, auch wenn es eine Musikprobe nicht ersetzt“, lobte eine Musikerin das Engagement ihres Dirigenten.

Der Vorstand der Bläserjugend, noch vor Corona im Januar 2020 (v.l.): Jan Rösch, Verena Schreiber, Fabian Rösch, Kristina Bruder, Nadine Riva und Jacqueline Schreiber.
Der Vorstand der Bläserjugend, noch vor Corona im Januar 2020 (v.l.): Jan Rösch, Verena Schreiber, Fabian Rösch, Kristina Bruder, Nadine Riva und Jacqueline Schreiber. | Bild: Simon Bäurer

„Meine Idee hinter diesem freiwilligen zusätzlichen Angebot war nicht, einen möglichst adäquaten Ersatz für eine Präsenzprobe anzubieten. Vielmehr war das Ziel, die Musikprobe am Freitagabend als festen Termin im Kalender in Erinnerung zu behalten und den Musikern die Möglichkeit zu geben, die für das Instrumentalspiel benötigte körperliche Routine mit Ansatz, Atmung und Ausdauer ein Stück weit zu trainieren und aufrecht zu erhalten“, erklärt Valentin Feucht.

Nach der Präsenzphase mit Proben im Sommer und Herbst letzten Jahres, in der das für November geplante Jahreskonzert bereits einstudiert wurde, das dann allerdings eine Woche vorher aufgrund des nächsten Lockdowns abgesagt werden musste, legten die Musiker erst einmal eine Probenpause ein, bevor sie wieder im Online-Format probten, was sie seit Ostern dieses Jahres tun. Nun geht es angesichts gesunkener Inzidenzen wieder in die Präsenzproben – und dank der Online-Arbeit ist das Ensemble fit statt eingerostet.