Bei Wanderern hat Achdorf einen besonderen Stellenwert. Es sind nicht nur die Scheffellinde, die nach dem Dichter Joseph Viktor von Scheffel, benannt ist, das „Haus des Gastes„, die Privatvermieter und die schöne Landschaft mit Streuobstwiesen. Der idyllisch gelegene Ort an der Wutach bietet Menschen auf Schusters Rappen auch einen besonderen Rastplatz. Von Blumberg kommend steht am Beginn der Ortsdurchfahrt das Haus Tibet, das der frühere Fahrlehrer und Weltenbummler Lutz Gallinowski und seine Gattin Ritva Gallinowski führen.

Ulrike und Christoph Reichenbach aus dem Landkreis Sächsische Schweiz genießen die Gastfreundschaft im Haus Tibet.
Ulrike und Christoph Reichenbach aus dem Landkreis Sächsische Schweiz genießen die Gastfreundschaft im Haus Tibet. | Bild: Lutz, Bernhard

„Herzlich willkommen“ lädt ein Schild an der offenen Scheune die Vorbeikommenden ein. Auf dem Tisch stehen frische Blumen aus dem Garten, Äpfel, Bananen, Pflaumen, salzige und süße Snacks, heißes Wasser für Schnellkaffee oder Tee, im Kühlschrank sind frische Getränke. An den Wänden hängen Fotos von mächtigen Bergen und Abenteuern des Weltreisenden Lutz Gallinowski, in einem Regal finden sich auch Utensilien aus Tibet. Sein Herz, das wird schnell klar, schlägt für Tibet.

„Wer in Tibet war und die Geschichte dieses Volkes ein wenig kennt, weiß: Die Chinesen haben in Tibet so wenig zu suchen wie die Sowjets in Afghanistan und die USA in Vietnam.“Franz Alt, Journalist und Autor Bild: Bigi Alt
„Wer in Tibet war und die Geschichte dieses Volkes ein wenig kennt, weiß: Die Chinesen haben in Tibet so wenig zu suchen wie die Sowjets in Afghanistan und die USA in Vietnam.“Franz Alt, Journalist und Autor

An der Wand hängt ein Zitat von Franz Alt: „Wer in Tibet war und die Geschichte dieses Volkes ein wenig kennt, weiß: Die Chinesen haben in Tibet so wenig zu suchen wie die Sowjets in Afghanistan und die USA in Vietnam.“

Das könnte Sie auch interessieren

Ulrike und Christoph Reichenbach aus dem Landkreis Sächsische Schweiz südlich von Dresden genießen die Gastfreundschaft. Von Lutz Gallinowski lassen sie sich über Tibet und das Schicksal der Tibeter erzählen. „Wir sind gerade auf den letzten Metern des Schluchtensteigs“, sagen sie, „es wäre schade gewesen, wenn wir diese Etappe verpasst hätten.“ Sie haben die 118 Kilometer des Fernwanderwegs geschafft, ihr Auto haben sie in Achdorf stehen.

Am Haus Tibet in Achdorf führen mehrere Fernwanderwege vorbei. Bilder: Bernhard Lutz
Am Haus Tibet in Achdorf führen mehrere Fernwanderwege vorbei. | Bild: Lutz, Bernhard

Lutz Gallinowski freut sich, wenn Wanderer kommen. „Uns macht dieser Platz glücklich, es ist immer wieder schön, mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen.“ Deren Wertschätzung, das spürt er, „kommt von Herzen“. Positiv bewerteten die Gäste auch die frischen Blumen und den schönen Garten. Ritva Gallinowski steht neben einer großen Sonnenblume, die Kerne haben alle schon die Vögel herausgepickt. Der Garten und die Blumen bedeuten für sie viel Arbeit, aber es bereitet ihr Freude, wenn andere Menschen sich daran freuen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf dem Kühlschrank steht ein kleines Schwein für Spenden. Den Inhalt bringt Lutz Gallinowski alle zwei Jahre nach Asien. Er habe Kontakt mit einigen Tibetern in Indien und Nepal, „das Geld kommt zu 100 Prozent bei den Armen an.“ Nach Tibet, wo er selbst schon zu Fuß war, komme er nicht mehr. Er habe, wie alle, die sich für die Tibeter und die Uiguren einsetzen, von den Chinesen ein Einreiseverbot.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Gästebuch offenbart die Eindrücke der Rastenden in mehreren Sprachen. In der Weihnachtspost 2019 danken Michael und Julia für die Gastfreundschaft und schreiben: „Uns hast Du sehr viel Kraft und Ausdauer gegeben. Kraft nicht nur für die Muskeln, sondern auch Willenskraft, Kraft, sich für andere Menschen einzusetzen und aktiv zu werden.“ Alex aus Karlsruhe kann mitfühlen: „Ich war selbst in Kambodscha und haben die Narben der Pol-Pot-Zeit an den Menschen kennengelernt.“ Eine Pfälzer Wanderclique schreib im Mai 2020: „Wie eine Oase in der Wüste erblickten wir eure liebevoll hergerichtete kleine Raststätte.“ Ein anderer Eintrag: „Herzlichen Dank für diesen entspannenden, entschleunigten Ort mit Vogelgezwitscher.“