Das ist doch eine gute Nachricht, sollte man meinen: Seit 14 Tagen dürfen Reinhold und Alexandra Strecker ihr Reisebüro an der Blumberger Schwarzwaldstraße unter den bekannten und coronavirusbedingten Auflagen wieder öffnen. Allerdings: Seither hat kein einziger Kunde bei ihnen vorbeigeschaut und sie haben somit auch keine einzige Reise für einen Urlaubswillige buchen können. So wie in den Wochen zuvor auch schon. Im Gegenteil: Eine Stornierung folgt auf die andere. „Der Reisemarkt ist komplett zum Erliegen gekommen, der Baum brennt lichterloh.“ Reinhold Strecker wählt drastische Worte, um dem baden-württembergischen Tourismusminister Guido Wolf den Ernst der Lage zu schildern. Der kündigt bei seinem Besuch in Blumberg an, der Reisebüro-Branche finanziell unter die Arme zu greifen.

Ein Foto aus besseren Tagen: Segway-Touren sind zurzeit verboten.
Ein Foto aus besseren Tagen: Segway-Touren sind zurzeit verboten. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Reinhold und Alexandra Strecker sind seit über 20 Jahren am Markt und haben in dieser Zeit viele Ereignisse erlebt, die ihr Geschäft, nämlich die Vermittlung von Reisen, vor große Herausforderungen gestellt haben: der Anschlag aufs World Trade Center am 11. September 2001, die Tsunami-Katastrophe von 2004 oder Aschewolken-speiende Vulkane – alles Vorkommnisse, die die Reiselust der Menschen gebremst hat. Doch so schlimm wie im Augenblick sei‘s noch nie gewesen, sagt Reinhold Strecker. Und dann auch noch die Insolvenz von Thomas Cook im vergangenen Jahr. Die Streckers sind Franchise-Nehmer bei dem gestrauchelten Reisegiganten.

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Auch ihr zweites Standbein, die geführten Segway-Touren, helfen nicht durch die Krise, sie sind noch immer verboten. 35 Segways stehen im Depot, zwölf Tour-Guides können ihrer Arbeit nicht nachkommen. Selbst wenn die Menschen jetzt verstärkt Urlaub in Deutschland machen sollten und dabei auf das Know-how der Streckers bauen: Das Deutschlandgeschäft könne das Auslandsgeschäft nicht annähernd ersetzen, sagen sie. Jetzt brauche es schnell staatliche Finanzspritzen, die anfangs der Corona-Krise gewährte Soforthilfe sei nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ gewesen. Anders als die Gastronomen mit ihren To-go-Angeboten hätten die Reisebüros kein alternatives Produkt, auf das sie ausweichen könnten. „Wir brauchen ganz schnell eine Perspektive, um überleben zu können“, betont Reinhold Strecker.

Die Branche wird sich auf die Regierung verlassen können. Guido Wolf unterstrich, dass von dem zweiten Corona-Schutzschirm des Landes mit einer Gesamthöhe von 1,5 Milliarden Euro rund die Hälfte des Geldes noch nicht verteilt sei, es also noch Spielraum gebe. Bevor die Unterstützungszahlungen fließen, müssen aber „belastbare Zahlen“ vorliegen. Da gehöre noch geklärt, ob sich die Hilfsgelder am Umsatz eines Reisebüros bemessen sollen oder an dessen Mitarbeiter-Zahl, so der Tourismusminister. Eines steht aber fest: Die Landeshilfe wird in Form von Zuschüssen ausbezahlt, nicht von Krediten.

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