Um den Erhalt der Arbeitsplätze bei Blumbergs größtem Arbeitgeber, dem Ventilwerk von Tenneco im Gewerbegebiet Zollhaus, ging es gestern vor Ort. Die IG Metall hatte nach Rücksprache mit der Werksleitung vor dem Eingangstor einen Pavillon aufgebaut mit einer Plakatwand, auf die die Mitarbeiter ihre Wünsche und ihre Forderungen schreiben konnten, die später auf einer Kundgebung in Schwenningen präsentiert werden sollten.

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Die Aktion richtete sich nicht gegen den Konzern Tenneco als Arbeitgeber, wie Haydar Dogan und Angela Linsbauer von der IG Metall betonten, die Aktion richtete sich vornehmlich an die Politik mit der Aufforderung, Rahmenbedingungen für den Erhalt der Arbeitsplätze bei den Automobilzulieferern zu schaffen. So sprachen auch Werksleiter Christoph Baumann sowie Blumbergs Bürgermeister Markus Keller zu den Anwesenden.

Bild: Lutz, Bernhard

Großer Abbau angekündigt

Angela Linsbauer von der Gewerkschaft IG Metall ging auf den im Laufe des Jahres von den regionalen Automobilzulieferern angekündigten Abbau der Arbeitsplätze ein. „Da kommen wir für die Region auf 900 Arbeitsplätze, die wegfallen, sagte sie und betonte: „Wichtig ist, dass wir Flagge zeigen, dass wir nicht alles mit uns machen lassen.“

Bild: Lutz, Bernhard

Bürgermeister Markus Keller kam, weil sich die Aktion nicht gegen einen Konzern richtete, wie er selbst sagte, sondern dazu dienen sollte, demonstrativ ein Zeichen zu setzen. Viele Arbeitsplätze in der Region seien bei Automobilzulieferern. Er appellierte an die Politik, die, so Keller, „den Menschen im Blick haben soll“, auch den Verbrennungsmotor im Fokus zu behalten und erwähnte, es gebe auch Alternativen zur Elektromobilität wie Brennstoff- oder Wasserstoffzellen. Keller sagte, „wir sind stolz auf den größten Arbeitgeber“, abschließend betonte er: „Wir kämpfen gemeinsam, Schulter an Schulter.“

Strenges Hygiene-Konzept

Tenneco-Werksleiter Christoph Baumann war nach eigenen Aussagen vor allem gekommen, um sich zu vergewissern, ob die Beschäftigten das Hygiene-Konzept, das auch das Maske tragen auf dem Werksgelände vorschreibt, einhalten. Er nutzte gleichwohl die Gelegenheit, ein paar Worte an die Anwesenden zu richten. Kurz schilderte er die Situation auf dem Automobilmarkt, die ein Mitglied eines anderen Zulieferers trefflich mit den Worten „wie auf der Autobahn“ beschrieben habe: oft herrsche Stau, dann kämen ein paar Meter freie Fahrt und nach der nächsten Kuppe dann der nächste Stau. Die Lage sei angespannt, der Markt sehr kurzlebig und sehr instabil.

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Haydar Dogan, Vertrauensmann der IG Metall im Blumberger Ventilwerk und frisch wieder gewählt, erwähnte die Emissionsziele in Deutschland, alle Sparten hätten sich in die Richtung, Emission zu sparen, bewegt, nur der Bereich des motorisierten Verkehrs nicht. „Wir brauchen ein Konzept, was können wir in Blumberg außer Ventilen machen“, erklärte Dogan, neben Ventilen bräuchten sie ein zweites oder vielleicht auch ein drittes Produkt. Im Werk gebe es langjährige Beschäftigte, die nicht einmal wüssten, ob sie die nächsten Jahre noch Arbeit hätten.

Angela Linsbauer von der IG Metall: Bei den Automobilzulieferern der Region sind rund 900 Arbeitsplätze bedroht. Bild: Bernhard Lutz
Angela Linsbauer von der IG Metall: Bei den Automobilzulieferern der Region sind rund 900 Arbeitsplätze bedroht. Bild: Bernhard Lutz | Bild: Lutz, Bernhard

Die Beschäftigten fanden die Aktion der IG Metall gut. „Es ist wichtig, dass wir Flagge zeigen, dass wir für unseren Standort sind und für den Verbrennungsmotor“, sagte Andreas Prentki, seit 36 Jahren im Ventilwerk. „Es ist gut, dass wir auf die Straße gehen“, äußerte Hubert Merk, ebenfalls seit 36 Jahren im Werk. „Natürlich ist die Aktion gut, wir müssen uns irgendwie wehren“, erklärt Tim Kaja, 32 Jahre dabei.

Auftakt für Kundgebung

Für die IG Metall war die Aktion in Blumberg-Zollhaus ein Auftakt für eine größere Kundgebung auf dem Marktplatz in Schwenningen, bei dem es um Erhalt der Arbeitsplätze bei den Automobilzuliefern in der Region generell und um das Thema Verbrennungsmotor ging, nachdem unter anderem die Firmen Continental, Mahle und IG Weißer allein schon den Abbau von rund 450 Arbeitsplätzen verkündet hatten und laut IG Metall wie oben erwähnt insgesamt rund 900 Arbeitsplätze bedroht sind. Dort sprach auch der Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei (CDU) zu den Demonstranten.

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