Mit Handy und Tablet auf Schusters Rappen durch Blumbergs vergangene Zeiten: Der SÜDKURIER hat sich auf einen virtuellen Stadtrundgang durch vergangene Zeiten begeben und die neue Applikation „Blumberg² digital“ getestet.

Nach dem Abscannen des Bodenaufklebers erscheint beim alten Rathaus ein 3D-Modell, das den Nutzer auch bildlich in vergangene Zeiten eintauchen lässt.
Nach dem Abscannen des Bodenaufklebers erscheint beim alten Rathaus ein 3D-Modell, das den Nutzer auch bildlich in vergangene Zeiten eintauchen lässt.

Dank scanbaren QR-Codes ist die neue App im Nu auf das mobile Endgerät wie Smartphone oder Tablet heruntergeladen. Einmal gestartet, zeigt die Anwendung bereits im Intro auf, was sich durch die gesamte App zieht: ein gelungenes Zusammenspiel zwischen stadtprägender Historie und dem heutigen modernen Erscheinungsbild der Stadt. Während historische Fotos und Zeichnungen aus den Zeiten des Doggererzabbaus oder der Industrialisierung den Anwender in vergangene Zeiten entführen, zeigt der obere Bildausschnitt Bilder der heutigen Stadt und seiner bedeutsamen Orte und Veranstaltungen wie etwa das Panoramabad, die Sauschwänzlebahn, Wanderrouten durch die großflächigen Wälder oder Impressionen des Street-Art-Festivals. Untermalt ist das Ganze vom ebenfalls noch relativ neuen Blumberg-Song.

Das könnte Sie auch interessieren

Innerhalb der App erwarten den Nutzer zwei verschiedene Bereiche, die erkundet werden können: „Standorte ansehen“ und „Augmented Reality Rundgang starten“.

Digitale Karte enthält 14 Anlaufstationen

Im digitalen Stadtplan der Kernstadt sind unter der Rubrik „Standorte ansehen“ historisch bedeutsame Punkte mit Symbolen markiert, auf deren Klick nähere Informationen zum jeweiligen Standort folgen. 14 Standorte sind bisher in der digitalen Karte enthalten, die von ehemaligen Großbetrieben wie der Lauffenmühle oder der Stumpenfabrik über prägende Gebäude wie dem Rathaus oder dem Alten Kino bis hin zu Stadtvierteln wie der Siedlung oder dem Städtle reichen. Beim Anklicken erhält der Nutzer in wenigen Sätzen einen kurzen Überblick zur historischen Bedeutung oder Entstehung. Es handelt sich dabei allerdings tatsächlich nur um eine erste Information, die bei Interesse und Bedarf vertieft werden kann, und keine ausführliche Hintergrunderklärung.

Vor dem heutigen Weinhaus Baumann erscheint in der App nach dem Abscannen der Straßenmarkierung eine virtuelle Infotafel mit Bildern der einstigen Küferei Baumann, welche Mostfässer für die Bevölkerung herstellte. Screenshot: Conny Hahn.
Vor dem heutigen Weinhaus Baumann erscheint in der App nach dem Abscannen der Straßenmarkierung eine virtuelle Infotafel mit Bildern der einstigen Küferei Baumann, welche Mostfässer für die Bevölkerung herstellte. Screenshot: Conny Hahn.

Für etwas mehr Informationstiefe muss sich der Nutzer dann tatsächlich auf Schusters Rappen begeben und die einzelnen Stationen in Blumberg besuchen oder alternativ die Zuhause-Version starten. Auf dem Boden sind dort jeweils Straßenmarkierungen zur App mit dem Symbol des Standortes aus dem digitalen Stadtplan sowie einem Kompass abgebildet, die innerhalb der Rubrik „Augmented Reality Rundgang starten“ abgescannt werden müssen, um an die tiefer gehenden Informationen zu gelangen. Die Markierungen haben die Größe eines Gullydeckels und sind in den Farben Blumbergs gehalten und somit dank des leuchtenden Grüns leicht zu entdecken. Auch die Bedienung der App ist einfach und benutzerfreundlich, sodass auch wenig versierte Nutzer schnell zurecht kommen und die hinterlegten Informationen erhalten. Einzig das Abscannen der Symbole dauert teilweise unterschiedlich lang und reichte von wenigen Sekunden bis hin zu mehr als einer Minute.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein erster Versuch am Standort des Rathauses bietet einen Einblick in die Zeit, als das 1875 als „Forstamt Blumberg„ erbaute Gebäude bereits als Rathaus genutzt wurde, aber neben den Räumlichkeiten der Stadtverwaltung unter anderem auch noch den Leichenwagen und die Milchsammelstelle beheimatete. Nach dem Abscannen des Bodenaufklebers mit Kompass und Symbol des imposanten Gebäudes erscheint auf dem Handy ein 3D-Modell des ehemaligen historischen Gebäudes. Da sich die Straßenmarkierung auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet, ist der Hinweis auf dem Bildschirm nicht unberechtigt, auf den Straßenverkehr zu achten, bevor man sich dem historischen Bild nähert und damit tatsächlich ein Stück weit das Gefühl erhält, das Gebäude in der damaligen Zeit vor sich zu sehen. Ein Klick auf den weiterführenden Informationsbutton liefert dann noch etwas ausführlichere Erklärungen im Vergleich zu den Kurzinformationen aus dem digitalen Stadtplan.

Nach dem Intro stehen die einzelnen Rubriken zur Auswahl, mit denen die 14 historisch bedeutsamen Stationen vor Ort oder von zu Hause aus erkundet werden können. Screenshot: Conny Hahn.
Nach dem Intro stehen die einzelnen Rubriken zur Auswahl, mit denen die 14 historisch bedeutsamen Stationen vor Ort oder von zu Hause aus erkundet werden können. Screenshot: Conny Hahn.

In unmittelbarer Nähe befinden sich mit der Küferei Baumann, welche Mostfässer für die Bevölkerung hergestellt hat, oder der ehemaligen Sägerei Rexroth, die bis 1937 betrieben wurde und die durch den aufgestauten Mühlegraben gewonnene Wasserkraft nutzte, gleich zwei weitere Stationen, die es zu erkunden lohnt. Nach dem Abscannen der Bodenmarkierung erscheint hier ein digitales Bild einer Infotafel mit verschiedenen Fotos der damaligen Zeit sowie eine Erklärung zu den einzelnen Bildern.

Das könnte Sie auch interessieren

Fazit: Die App bietet prägnanten Informationen gebührend, einen interessanten und kurzen Überblick über wichtige historische Standorte und deren Bedeutung in der Geschichte Blumbergs. Ein Spaziergang entlang der 14 Stationen, am Stück oder auch verteilt auf mehrere Etappen, lohnt sich und ist in jedem Fall zu empfehlen. Besonders die jüngere Generation, die im digitalen Zeitalter aufwächst, kann sich so in Kürze über historische Standorte informieren, die ihre Stadt prägten, von deren früherer Existenz heute ansonsten jedoch zum Teil nichts mehr zu erkennen wäre. Und wer sich dann richtig ausführlich informieren möchte, hat etwa mit Literatur der Stadtbibliothek oder geführten Stadtrundgängen die Möglichkeit dazu.

Ganz viel Licht und nur ganz wenig Schatten

Bei manchen Stationen wie etwa der Lauffenmühle oder dem Denkmal Schwarzer Mann blieb die Suche nach den Bodenaufklebern ohne Ergebnis. Hier wäre ein Hinweis im digitalen Stadtplan der App hilfreich, an welcher Stelle sich die Straßenmarkierung befindet oder an welchen Stationen es eventuell gar keine Markierung mit weiterführenden Informationen gibt.