Für die Inbetriebnahme des neuen Notarzt-Standorts Blumberg beim Längehaus am 1. April durch die Malteser läuft der Endspurt. Das machten Daniel Hierholzer, Rettungsdienstleiter der Malteser für den Bezirk Schwarzwald-Oberrhein, und Olf Björk von der Notarzt-Börse bei einem Redaktionsbesuch deutlich. „Wir sind ein neuer Leistungserbringer und machen eine Vorstellungsrunde zwei Tage hier im Landkreis, um alle Partner und Institutionen zu besuchen und uns vorzustellen,“ erklärte Daniel Hierholzer.

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„Wir kommen gerade vom Längehaus: Das wird ganz toll, wir bekommen ganz tolle Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und wir werden ab 1. April ab 7 Uhr den Notarzt-Standort in Betrieb nehmen“, berichtete Daniel Hierholzer. Im Gebäude seien noch abschließende Restarbeiten wie ein paar Malerarbeiten zu erledigen.

Vergabe-Verfahren

Den Notarzt-Standort Blumberg erhielten die Malteser in einem Vergabe-Verfahren, bei dem alle Leistungserbringer in Baden-Württemberg Interesse bekunden können, schildert Daniel Hierholzer. Dieses Verfahren komme dann zum Zug, wenn beim zuständigen Bereichsausschuss der Eindruck entstehe, dass irgendwo eine Unterversorgung bestehe. sprich dass die vorgegeben Hilfsfristen nicht eingehalten würden. Die Hilfsfristen betragen derzeit 15 Minuten ab der Alarmierung, sagt Hierholzer.

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Im Fall Blumberg sei der Eindruck entstanden, dass die Raumschaft Geisingen im westlichen Bereich des Landkreises Tuttlingen unterversorgt sei. Ein Gutachten habe dies dann bestätigt. Die Betrachtung beziehe sich aber auf einen Landkreis insgesamt, dahinter stecke immer auch ein Wirtschaftlichkeitsgebot. Hierholzer räumte ein: „Es wird auch weiter schwarze Flecken geben.“

Fünf Notfallsanitäter

Am Notarzt-Standort Blumberg arbeiten künftig insgesamt fünf Notfallsanitäter, die die Malteser stellen, und jeweils ein Notarzt rund um die Uhr. Für die Notarzt-Versorgung sei im Schwarzwald-Baar-Kreis das Schwarzwald-Baar-Klinikum zuständig. Das Klinikum versorge bereits insgesamt sieben Notarzt-Standorte ärztlich, inklusive des Rettungshubschraubers Christoph 11. Wegen des Fachkräftemangels habe sich das Klinikum an externe Dienstleister gewandt, den Zuschlag habe dann die Notarzt-Börse erhalten, sagte Olaf Björk, der für die Notarzt-Börse die externen Standorte betreut.

Notarzt-Börse aktiv

Die Notarzt-Börse habe der in Stuttgart geborene Notarzt Dr. André Kröncke im Jahr 2000 gegründet, erklärt Olaf Björk. Kröncke arbeitete damals bereits am Universitätsklinikum Lübeck, Sitz der Notarzt Börse ist Pongeez, ein kleines Dorf in der Nähe von Ratzeburg. Die Einrichtung beschäftigt 60 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Pongeez. Und sie betreibt bundesweit bisher 37 Notarzt-Standorte, von der Ostsee bis zur Schweizer Grenze. Seit April 2013 betreut die Börse bereits Bad Säckingen, seit November 2013 Dettighofen, seit November 2015 den ersten Standort in Waldshut und seit Januar 2019 auch den zweiten Standort dort. Seit 1. April 2020 betreut die Notarzt-Börse gemeinsam mit einer regionalen Ärztegruppe den Notarzt-Standort Bonndorf.

Blumberg erster Standort im Schwarzwald-Baar-Kreis

Blumberg ist jetzt der erste Standort im Schwarzwald-Baar-Kreis. Bei der Besetzung der Notarzt-Stellen kann die Notarzt-Börse auf eine Mitglieder-Datei von rund 5800 Notärzten zurückgreifen, von denen rund 70 Prozent in Krankenhäusern beschäftigt seien. 25 Prozent hätten eine eigene Praxis, die letzten fünf Prozent seien Ruheständler oder Ärzte von der Bundeswehr. Ist ein neuer Standort zu besetzen, schauen sie zuerst einmal das Mitgliedsprofil in der entsprechenden Region an, „ob ausreichend qualifizierte Notärzte bei uns vorhanden sind“, so Olaf Björk.

Der erste Blumberger Notarzt-Dienstplan für April steht, im Einsatz sind neben den Notfallsanitätern insgesamt zwölf Ärzte, schildert Olaf Björk. Das sei jetzt der Anfang. Ziel sei, für Blumberg einen Pool mit mindestens 20 Ärzten aufzubauen. Das „Management Medizinische Dienstleistung“ der Notarzt-Börse sei von der Dekra nach der DIN Iso 90/12105 zertifiziert, berichtet Björk.

Der Blumberger Notarzt Rainer Holzke teilte dem SÜDKURIER in einer Mail mit, dass er für die Malteser nicht arbeiten werde, „da ich eine Praxis habe und nicht halbtägige Schichten im Längehaus Standort ableisten und dort präsent sein kann.“ Den „Alleinfahrenden Notarzt“ habe die Politik abgeschafft.