Vom Kaufmann über den Straßenmusiker zum Musikproduzenten: Johannes Burghart (27) aus Hondingen erfüllt sich einen Traum und produziert Musik im eigenen Tonstudio. Kürzlich erschien seine neueste Single „Lifebelt“.

Der begnadete Singer-Songwriter, Gitarrist und Musikproduzent Johannes Burghart liebt nostalgische Elemente, die im Fachjargon auch als „LoFi“ bezeichnet werden und mit ihrem imperfekten, kratzigen Klang für ein besonderes Hörerlebnis sorgen.
Der begnadete Singer-Songwriter, Gitarrist und Musikproduzent Johannes Burghart liebt nostalgische Elemente, die im Fachjargon auch als „LoFi“ bezeichnet werden und mit ihrem imperfekten, kratzigen Klang für ein besonderes Hörerlebnis sorgen. | Bild: Nils Gote

„Musik hat schon von klein auf eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt“, schildert der sympathische junge Berufsmusiker, der als Singer-Songwriter, aber auch als Produzent tätig ist. Ganz klassisch begann er schon im Kindergartenalter mit der musikalischen Früherziehung an der Musikschule in Blumberg, bevor mit zehn Jahren der Unterricht an der Gitarre folgte. In diesem Alter fing Johannes Burghart bereits an, seine eigenen Lieder zu schreiben: eine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht mehr los gelassen hat. Um die selbst komponierten Songs auch entsprechend intonieren zu können, nahm er in der Gesangsschule „Wege der Stimme“ von Bettina Kuhn Gesangsunterricht. Seine Stimme konnte sich mehr als hören lassen und so war der Weg für eine professionelle musikalische Karriere geebnet.

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Trotz aller Begeisterung für die Musik entschied sich Johannes Burghart nach der Schule jedoch erst einmal für einen klassischen Beruf, eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und arbeitete danach zwei Jahre in der Schweiz. Dann ereilte ihn das Fernweh. Er gab seinen Job auf, packte seine Gitarre und einen großen Rucksack und begab sich auf Weltreise.

Dreieinhalb Jahre auf Tour

Dreieinhalb Jahre war Johannes Burghart auf Tour. Er reiste mit seinem umgebauten Citroen Berlingo durch fast ganz Europa und fand eine Erfüllung als Straßenmusiker. Besonders in den BeNeLux-Ländern, Skandinavien und Großbritannien musizierte er gerne auf der Straße sowie in Bars und Clubs. Er genoss die dort sehr etablierte Kultur der Straßenmusik mit seinem ehrlichen Publikum, das er mit abwechslungsreichen Coversongs und ausdrucksstarken Eigenkreationen begeisterte. In den Niederlanden schaffte es seine Musik sogar ins Radio. Beim Versuch, diese Tätigkeit auch in Deutschland fortzusetzen, kam leider schnell die Ernüchterung, da die Straßenmusiker hier mit viel mehr Bürokratie zu kämpfen haben und man „viele Steine in den Weg gelegt bekommt“, wie er bedauernd erzählt.

In Hondingen erfüllt er sich seinen Traum vom Tonstudio

Mit Beginn der Corona-Pandemie zog es ihn zurück in sein Heimatdorf Hondingen. Dort erfüllte er sich einen länger gehegten Traum und richtete sich vor einem Jahr sein eigenes Tonstudio mit dem Namen „Heavens Inn“ ein, in dem er seither fast ausschließlich arbeitet. Für ihn war dies kein Notnagel. „Auch ohne Corona hätte ich es genau gleich gemacht“, betont Johannes Burghart. Auf seiner Weltreise hatte er die Möglichkeit, mit zahlreichen Produzenten zu sprechen, viel Neues zu lernen und mitzubekommen, auf was es letztlich ankommt und was man alles dafür braucht. In den vergangenen fünf Jahren hat sich Johannes Burghart schließlich selbst zum Produzenten fortgebildet und arbeitet in seinem Studio an seinen eigenen Songs wie auch für andere Künstler.

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Früher hat er unter seinem richtigen Namen mehrere Lieder rausgebracht, zum Beispiel „Kids“. Inzwischen ist er unter dem Künstlernamen „Grownup Boy“ unterwegs. „Den Namen habe ich letztes Jahr ausgewählt, da ich ihn sehr passend finde: einerseits werde ich zwar immer älter, andererseits bleibt das Kind in mir nach wie vor erhalten.“ Seine erste Single unter diesem Namen hieß „Golden“, die er zusammen mit dem bekannten Blumberger Schlagzeuger Johannes Feederle aufnahm. Er arbeitet gerne mit anderen Künstlern zusammen. „Das macht unglaublich viel Spaß, bringt andere Ansichten ins Spiel und sorgt für mehr Charakter.“ Mit seiner neuen Single „Lifebelt“, auf Deutsch „Rettungsring“, machte er sich zu seinem 27. Geburtstag Mitte März selbst ein Geschenk. Für die Aufnahme ließ er viele Techniken einfließen. Besonders der Trend zum „LoFi“ (Low Fidelity) mit dem Hang zum imperfekten, alten und kratzigen Klang hat es ihm angetan. Für seinen Song reparierte er ein altes Radio aus den 1960er-Jahren, ließ Teile des Liedes darüber ablaufen, nahm sie wieder auf und integrierte sie in seinen neuesten Hit.

Für seine Stilrichtung ist Johannes Burghart noch in der Findungsphase, wie er selbst sagt. „Es ist wohl eine Mischung aus Indie im Sinne von unabhängig vom Plattengeschäft, Pop und LoFi-Elementen.“ Mit seiner wandlungsfähigen Stimme, die gefühlvolle Balladen gleichermaßen gekonnt umsetzt wie raue, röhrende Rocksongs, muss er sich auch nicht zwingend festlegen, da er das gesamte Spektrum beherrscht. Das Schöne an der Tätigkeit als Berufsmusiker sei das Feedback. Man könne sich ausprobieren und erhalte immer viele Rückmeldungen. „Im kreativen Prozess durchläuft man immer wieder selbstkritische Phasen, in denen man viele Entscheidungen hinterfragt, die mit den Freiheiten eines Indie-Künstlers einhergehen. Das positive Feedback, welches jedoch nach der Veröffentlichung vom Hörer zurück kommt, könnte nicht konträrer zu den eigenen Unsicherheiten und subjektiven Gedanken im Studio sein.“

Man merkt dem jungen Mann an, mit wie viel Freude und Leidenschaft er seiner Arbeit nachgeht. Das überträgt sich bei seinen Songs auch auf das Publikum, zu dem er bei seinen Auftritten immer einen guten Draht hat und es bestens versteht, den Funken überspringen zu lassen. Momentan arbeitet er an weiteren eigenen Liedern, denn sein Ziel ist es, als nächstes Projekt eine erste eigene EP, die Vorstufe zum umfangreicheren Album, vollzubekommen und zu veröffentlichen.