Die aus Blumberg stammende Angela Berlis (58) feiert an Pfingsten ihr 25. Jubiläum als Priesterin. Am Pfingstmontag, 27. Mai 1996, wurde sie in der alt-katholischen Christuskirche in Konstanz durch Bischoff Joachim Vobbe als eine der ersten beiden Frauen weltweit zur alt-katholischen Priesterin geweiht. Vobbe hatte ab 1976 sechs Jahre lang in Blumberg und Kommingen seine Wirkungsstätte. Mit seiner als hervorragend geltenden Jugendarbeit hatte er Angela Berlis zum Übertritt von der römisch-katholischen in die alt-katholische Gemeinde veranlasst.

Dieses besondere Ereignis erfüllte auch die Blumberger alt-katholische Gemeinde mit Freude und Stolz, was die Mitglieder nur wenige Tage später selbst zum Ausdruck bringen konnten. Für ihre Primiz am 2. Juni wählte Angela Berlis auf eigenen Wunsch bewusst die alt-katholische Sankt-Johannes-Kirche in Kommingen aus, wo die frisch gebackene Priesterin ihre erste heilige Messe zusammen mit den damaligen Pfarrern Harald Klein und Bernd Wnuk zelebrierte.

Mit drei Geschwistern als Tochter des ehemaligen Zahnarztes Dieter und Elisabeth Berlis in Blumberg aufgewachsen, studierte Angela Berlis nach ihrem Abitur am Fürstenberg-Gymnasium alt-katholische Theologie in Bonn und Utrecht und schrieb seither mehrfach ein Stück Frauengeschichte in der Theologie. 1988 wurde sie zur ersten Diakonin Deutschlands geweiht, als welche sie anschließend im niederländischen IJmuiden wirkte, bevor sie dort zur Pfarrverweserin ernannt wurde.

Angela Berlis auf einem aktuellen Bild. Die gebürtige Blumbergerin ist eine der anerkanntesten Frauen in der alt-katholischen Theologie. Sie blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück mit der Ernennung zur ersten Diakonin, Priesterin und Theologie-Professorin. Aktuell leitet sie als Dekanin die Theologische Fakultät der Universität in Bern.
Angela Berlis auf einem aktuellen Bild. Die gebürtige Blumbergerin ist eine der anerkanntesten Frauen in der alt-katholischen Theologie. Sie blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück mit der Ernennung zur ersten Diakonin, Priesterin und Theologie-Professorin. Aktuell leitet sie als Dekanin die Theologische Fakultät der Universität in Bern. | Bild: Angela Berlis

Ende 1991 wechselte sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Universität Bonn, wo sie ab 1996 als Seelsorgerin der alt-katholischen Studierenden aktiv war und als Direktorin das bischöfliche Seminar Johanneum leitete. Unter den Anwärtern befand sich auch der heutige Pfarrer Guido Palazzari, der sich gut an seine Zeit in Bonn erinnert: „Es war schon etwas Besonderes, erstmals eine Rektorin zu haben. Ich habe mich immer wohlgefühlt unter ihrer äußerst kompetenten Leitung und die Zeit an der Uni und auch während der geistlichen Tage mit ihr und Bischoff Joachim Vobbe sehr genossen, der Vater des Gedankens ihrer Weihung zur Priesterin war.“

Ausgezeichneter Ruf als Kirchenhistorikerin

1998 promovierte Angela Berlis an der Universität Nijmegen/Niederlande über die Anfänge des deutschen Alt-Katholizismus, dessen Erforschung ihr sehr am Herzen liegt. Mit ihrer Tätigkeit in einem Forschungsprojekt der Universität Tilburg zur Aufhebung der Zölibatspflicht und Einführung der Priesterehe sowie mit zahlreichen Veröffentlichungen über die Ökumene, Altkatholizismus-Forschung sowie Frauen- und Geschlechterrolle hat sie ihr Profil als Kirchenhistorikerin weiter geschärft.

2006 wurde sie als erste alt-katholische Professorin an der Universität Utrecht berufen, bevor im September 2009 der Wechsel als Professorin an die Theologische Fakultät der Universität Bern erfolgte, wo sie bis 2017 als Vizedekanin wirkte und seit 2018 Dekanin ist. Zudem ist Angela Berlis Chefredakteurin der „Internationalen Kirchlichen Zeitschrift“. Sie ist verheiratet mit dem niederländischen alt-katholischen Pfarrer Peter Feenstra. Das Paar hat zwei erwachsene Töchter im Alter von 28 und 30 Jahren.