Sie sind rund 30 Naturschützer im Raum Achdorf, und sie kümmern sich um einen etwa 7,5 Kilometer langen Abschnitt der Wutach. Die Rede ist von der Fliegenfischervereinigung 1966 Wutachflühen, einem eingetragenen Verein. Um die Besonderheit und die Bedeutung der Wutach als eines der jüngsten Wildwasser in ganz Europa deutlich zu machen, haben die Fliegenfischer jetzt neun Informationstafeln erstellt und vorgestellt.

Es werden keine Fische in die Wutach eingesetzt

Die Pacht an der Wutach bedeutet für die Fliegenfischer vor allem eines: Hege. „Wir führen keinen Besatz durch, das ist alles eigene Reproduktion“, erklärt der Vorsitzende Rainer Frei stolz. Vielsagend fügt er hinzu: „Wir wollen keine großen Erträge haben sondern ein sauberes Wasser.“ Die Frage, ob er selbst gerne Fische esse, beantwortet er so: Ja, er esse gerne Fische, aber ungern Fische aus der Wutach.

Respekt vor der Schöpfung

Es ist der Respekt vor der Schöpfung, die Freude an der vielfältigen Flusslandschaft und der Wunsch, zum Erhalt dieser Natur beizutragen, die die Fischer für ihre Aufgabe motiviert. Deshalb führen sie auch mit der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg mit Sitz in Langenargen gemeinsam Projekte zur Untersuchung der Wutach durch. „Wir untersuchen regelmäßig die Qualität des Wassers und die Insektenpopulation“, betont Rainer Frei.

„Für uns haben die Fischereivereine im oberen Wutachtal mit dem Nullbesatz Vorbildcharakter, um anderen Vereinen Mut zu machen.“Jan Baer, Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg.
„Für uns haben die Fischereivereine im oberen Wutachtal mit dem Nullbesatz Vorbildcharakter, um anderen Vereinen Mut zu machen.“Jan Baer, Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg. | Bild: Fischereiforschungsstelle

Die Einstellung der Fliegenfischer im Raum Achdorf ist bei den Vereinen im ganzen Bereich der oberen Wutach zu finden, die als IG Wutach auftreten und bis Neustadt reichen. Seit bereits 20 Jahren arbeitet Jan Baer von der Fischereiforschungsstelle in Langenargen mit den Vereinen zusammen. Er arbeite mit vielen Vereinen im Land zusammen, sagt Baer, aber die Mitglieder der Vereine im oberen Wutachtal inklusive Gutach und Haslach seien schon sehr engagiert.

Engagement trägt Früchte

Und dieser Einsatz der Flusspächter trägt Früchte: „Der Fischbestand, den Sie heute in der Wutach haben, ist wie früher. Das ist eines der wenigen Kleinode im Land, die wir noch haben“, erklärt Jan Baer. „Für die Landesforschungsstelle haben die Fischereivereine im oberen Wutachtal Vorbildcharakter, um anderen Vereinen Mut zu machen. Dass diese Zusammenarbeit seit 20 Jahren besteht, ist für uns Gold wert.“ Aus dieser Zusammenarbeit entstanden auch mehrere Veröffentlichungen der Landesstelle.

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Zum Pressetermin kommen mehrere Fliegenfischer, so der zweite Vorsitzende Hans-Hubert Rieth, Peter Hochhuth und Kassenprüfer Sebastian Meister, der in Achdorf wohnt. „Wir freuen uns, dass wir das Projekt zusammen mit der Stadt und der Touristinfo durchziehen konnten“, sagt der Vorsitzende Rainer Frei. Die Idee, auf dem Damm entlang der Wutach Informationstafeln aufzustellen, hatte Achdorfs Ortsvorsteher Hans-Peter Mess.

Beitrag zum Naturschutz

Blumbergs Bürgermeisterstellvertreter Rainer Gradinger würdigte das Engagement der Fliegenfischer. Die Vereinsmitglieder übernehmen eine wichtige Aufgabe, betonte er, und leisteten so einen Beitrag zum Naturschutz. An den Kosten für den Druck und das Aufstellen der Tafeln habe sich die Stadt Blumberg beteiligt.

Im 19. Jahrhundert war die Wutach das forellenreichste Gewässer Europas

Die Informationstafeln geben einen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der Wutach und beschreiben das heutige Leben in diesem Fluss.

  • Wertvolles Gewässer: Die Bedeutung der Wutach als ökologisch wertvolles Gewässer war bereits im 19. Jahrhundert schon weit bekannt. „Die Wutach galt zu dieser Zeit neben den Flüssen Schottlands als das forellenreichste Gewässer Europas“, heißt es auf einer Tafel. Deshalb habe der „Bad Boll Fishing Club, limited London“ im Jahr 1895 das Fischereirecht an der Wutach erworben.
  • Einleiten von Abwässern: „In den 50er, 60ern und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der natürliche Fischreichtum der Wutach durch das Einleiten von Abwässern und durch mehrere Fischsterben stark beeinträchtigt. Ab Mitte der 1980er Jahre konnte die Wasserqualität schrittweise verbessert werden.“
  • Seit 2001 kein Besatz mehr: „Nachdem die Wasserqualität, die Fischpopulation und der Artenreichtum an Insekten erholten, wurde auf Vorschlag der Fischereiforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg im Jahr 2001 entschieden, im oberen Wutachtal keine Besatzmaßnahmen mit Fischen mehr durchzuführen.“
  • Fischbestand: Neben der Bachforelle sind in der oberen Wutach auch die als gefährdet eingestuften Fische Äsche, Bachneunauge und Groppe heimisch. „Während die Forelle halbjährlich geschützt ist, gilt für die anderen genannten Fische ein ganzjähriger Schutz. Forellen dürfen außerhalb der Schonzeit nur mit der künstlichen Fliege ohne Widerhaken (als schonendste Art des Angelns) befischt werden.“ Alle Bewirtschafter der Wutach haben sich zur Reinhaltung und zum Schutz der Wutach verpflichtet.
  • Population geringer: Trotz intensiven Bemühens, die Ökologie in und an der Wutach zu schützen, weist die Wutach bei weitem nicht mehr die Population an Insekten und Fischen der Vergangenheit auf. Die Gründe sind die energetische Nutzung des Gewässers, die geringere Wassermenge, Einträge aus Industrie und Landwirtschaft, die Verringerung der Fließgeschwindigkeit und Erwärmung des Gewässers.
  • Ziel: „Je stärker die Einflüsse auf das Ökosystem sind, umso wichtiger ist es, die Ursprünglichkeit der Wutach beizubehalten und die einzigartige Natur vor weiteren Eingriffen zu schützen.“

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