Blumberg-Riedböhringen – Beim Begriff Landfrauen haben viele auch heute noch das einstige, mittlerweile doch etwas antiquierte Bild der früher noch viel häufiger vertretenen klassischen Bauersfrauen vor Augen, die sich mit Kittelschürze und Kopftuch bekleidet um das Vieh, die Kinder sowie Haus und Hof kümmern. Doch von wegen Landei! Das Image hat sich längst gewandelt: Die heutigen Landfrauen sind hip und modern, ohne dabei ihre traditionellen Werte außer Acht zu lassen.

Die Landfrauenvereine sind rührige Gruppen von vielseitig interessierten und auch talentierten Frauen, die mit ihren Aktivitäten als fleißige Bienen das Dorfgeschehen bereichern. Die Landfrauen Riedböhringen stehen mit 128 aktiven Mitgliedern als größter Verein an der Spitze innerhalb des Landfrauenbezirks Donaueschingen, der insgesamt 35 Ortsvereine mit in Summe über 2300 Mitgliedern zählt.

Woher kommt der Erfolg?

Es folgen die Landfrauen Pfohren mit 121 Mitgliedern bei etwa 1600 Einwohnern. Das ist eine beachtliche Quote in Blumbergs größtem Teilort mit knapp 1000 Einwohnern.

Doch wie kam es dazu, dass sich so viele Damen den Landfrauen anschlossen, die in zwei Jahren bereits auf ihr 50-jähriges Bestehen zurückblicken können? Der Grundstein für den neuen Verein wurde 1973 zur Fastnachtszeit gelegt. Die Riedböhringer Bürgerin Helga Rogg suchte ein paar Frauen, die zusammen mit ihr in Trainingsanzügen und Gymnastikgeräten am örtlichen Rosenmontagsumzug teilnehmen sollten.

Das Highlight des Jahresprogramms ist immer der gemeinsame Tagesausflug, bei dem ein ganzer Bus voller unternehmungslustiger Mitglieder unterwegs ist, die sich eine Stadt anschauen und meist ein Schloss oder ein Museum besuchen, wie hier beim Ausflug 2018 nach Tettnang und Radolfzell.
Das Highlight des Jahresprogramms ist immer der gemeinsame Tagesausflug, bei dem ein ganzer Bus voller unternehmungslustiger Mitglieder unterwegs ist, die sich eine Stadt anschauen und meist ein Schloss oder ein Museum besuchen, wie hier beim Ausflug 2018 nach Tettnang und Radolfzell. | Bild: Landfrauen Riedböhringen

Ihr Vorhaben war erfolgreich und so kann der Umzug mit der heiteren Teilnehmergruppe als Geburtsstunde der Landfrauen Riedböhringen gesehen werden. Denn es war schnell klar, dass es nicht bei dieser Einmal-Veranstaltung bleiben sollte.

Die beteiligten Frauen wollten gemeinsam einen Gymnastikverein gründen, da die Nutzung der im selben Jahr neu erbauten Mehrzweckhalle ausschließlich Vereinen vorbehalten war. Wenig später organisierten die Damen dann einen Informationsabend, der von vielen interessierten Frauen besucht wurde.

Sie stehen seit den letzten Neuwahlen an der Spitze der Riedböhringer Landfrauen: Erste Vorsitzende Roswitha Fehrenbach, Beisitzerin Inge Fricker, Beisitzerin Renate Zolg, Schriftführerin Katharina Sigwart, zweite Vorsitzende Stefanie Martin, Kassiererin Romana Maier, Beisitzerin Margarete Rieber und Beisiterin Yvonne Fricker.
Sie stehen seit den letzten Neuwahlen an der Spitze der Riedböhringer Landfrauen: Erste Vorsitzende Roswitha Fehrenbach, Beisitzerin Inge Fricker, Beisitzerin Renate Zolg, Schriftführerin Katharina Sigwart, zweite Vorsitzende Stefanie Martin, Kassiererin Romana Maier, Beisitzerin Margarete Rieber und Beisiterin Yvonne Fricker. | Bild: Landfrauen Riedböhringen

Viele Anregungen und Ideen wurden zusammengetragen, um ein abwechslungsreiches Programm für den zukünftigen Verein zu bieten. Am 4. Oktober 1973 wurde dann die Gründungsversammlung mit 55 Landfrauen abgehalten und der Verein aus der Taufe gehoben.

Dies war eine stattliche Mitgliederzahl für einen neu gegründeten Verein mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern. Und seither ging es mit den Mitgliedern ständig aufwärts. Meist waren kleine Grüppchen von Frauen, die häufiger zusammen etwas unternahmen, von den Aktivitäten des Vereins angetan und schlossen sich gemeinsam den Landfrauen an.

Bei Dorffesten und Veranstaltungen präsent

So knackten die Landfrauen bereits im Jahr 1985 die 100-Mitglieder-Marke und sind seither Spitzenreiter innerhalb des Bezirks Donaueschingen, was die Mitgliederzahl anbelangt. Nie musste der Verein speziell die Werbetrommel rühren und auf Mitgliedersuche gehen. „Sie kamen immer von alleine, da sie Lust hatten, Teil dieser rührigen Truppe zu werden“, wie Schriftführerin Katharina Sigwart erzählt.

Aus ihrer Sicht liegt das Erfolgsgeheimnis des Vereins auch mit darin begründet, dass unglaublich viel geboten wird. Bei Dorffesten und Veranstaltungen bringen viele Gäste die Landfrauen automatisch mit der Kaffeestube in Verbindung, in der sie ihre leckeren hausgemachten Kuchen- und Tortenkreationen feilbieten, auf deren Genuss kaum jemand verzichten möchte.

Die Kochkurse der Landfrauen sind gut besucht. Elfriede Martin präsentiert ihre frisch zubereiteten Speisen.
Die Kochkurse der Landfrauen sind gut besucht. Elfriede Martin präsentiert ihre frisch zubereiteten Speisen. | Bild: Landfrauen Riedböhringen

„Doch wir können nicht nur Kuchen backen, sondern sind das ganze Jahr über sehr aktiv, um die Dorfgemeinschaft zu bereichern“, stellt die Vorsitzende Roswitha Fehrenbach klar.

Die Landfrauen bieten für alle Altersklassen und Interessengruppen ein abwechslungsreiches Jahresprogramm. Dazu gehören immer wieder interessante Vorträge, beispielsweise zu Themen wie der Patientenverfügung oder zu Belangen der Kindererziehung, aber auch Diavorträge über außergewöhnliche Reisen.

Sportliche Angebote haben hohen Stellenwert

Einen großen Stellenwert nehmen auch die sportlichen Angebote ein, welche die Landfrauen mit externen Trainern organisieren und anbieten. Die Bandbreite reicht dabei von Mutter-Kind-Turnen und Mädchen-Turnen über Seniorengymnastik bis hin zu Rückenfit. Das Angebot variiert von Zeit zu Zeit je nach Nachfrage, auch Kurse für Zumba und Pilates waren bereits dabei.

Gerne bieten die Landfrauen auch Kochkurse an oder zeigen sich kreativ bei diversen Bastelangeboten. Beim fest im Fasnetkalender etablierten Programmabend der Landfrauen sind diese nicht nur Ausrichter, sondern meist auch gleich mehrfach als Akteure mit dabei. Alle zwei Jahre richten sie zudem den Adventsbasar aus.

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Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Aktivitäten zuletzt ruhen, doch die Landfrauen haben den Kontakt zu ihren Mitgliedern auch in dieser Zeit gehalten und sie immer wieder einmal mit kleinen Nettigkeiten wie einem Schokoladenpräsent zum Nikolaus oder einer Lavendelpflanze zum Muttertag erfreut. Wenn es die Situation erlaubt, hoffen die Landfrauen auf einen baldigen Wiedereinstieg ins aktive Vereinsleben.

„Zwischen Tracht und Jeans“

Die Landfrauen leben vor, was der Landfrauenbezirk Donaueschingen auch über sich auf seiner Homepage der Baaremer Landfrauen veröffentlicht: „Wir bewegen uns auf einem guten Fundament zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kochen und Computer, zwischen Tracht und Jeans. Wir sind offen und engagiert, aktiv und kompetent, motiviert und zukunftsorientiert, voller Power und Tatendrang. Unsere starke Gemeinschaft besteht aus Frauen aller Generationen und aller Berufe.“

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Bei den Riedböhringer Landfrauen mischen sich unter die 128 aktiven Mitglieder im Alter von 25 bis 90 Jahren sogar sechs männliche Mitglieder, die dem Verein angehören, auch wenn es der Name nicht vermuten lassen würde. Auch wenn die Landrauen der mitgliederstärkste Verein im gesamten Bezirk sind, sind neue Mitglieder jederzeit willkommen.

Wer Interesse hat, kann sich bei der Vorsitzenden Roswitha Fehrenbach melden (Tel. 477725) oder auch unverbindlich bei einer Aktivität zum Schnuppern vorbeikommen. Freuen würden sich die Landfrauen besonders über jüngere Mitglieder, um die Zukunft des Vereins zu sichern, die gerne auch die Möglichkeit bekommen, sich bei Interesse in der Vorstandschaft zu engagieren und bei der Gestaltung des vielseitigen Programms mitzuwirken. Die Vorsitzende könnte sich sogar vorstellen, bei genügend Zulauf eine Untergruppe mit jüngeren Landfrauen-Mädels zu eröffnen.