Egal ob Kommune oder privater Investor: Bauvorhaben sind in der Regel mit Eingriffen in die Natur verbunden. Ein mathematisches Berechnungsmodell soll der Stadt Blumberg in Zukunft helfen, einen ökologischen Ausgleich zu schaffen. Die Währung hierfür sind Ökopunkte. Ihren Wert zu ermitteln, ist komplex. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Blumberger Gemeinderats deutlich. Virginia Lorek, stellvertretende Forstamtsleiterin, erläuterte, was es mit dem Ökokonto auf sich hat.

In vielen Stellen des Stadtwalds wie hier im Distrikt Breitwang sind abgestorbene Bäume zu sehen, erkennbar an ihrer braunen Farbe.
In vielen Stellen des Stadtwalds wie hier im Distrikt Breitwang sind abgestorbene Bäume zu sehen, erkennbar an ihrer braunen Farbe. | Bild: Lutz, Bernhard

Danach müssen nicht vermeidbare Eingriffe in den Naturhaushalt oder in das Landschaftsbild im Rahmen der sogenannten „Eingriffsregelung“ naturschutzrechtlich ausgeglichen werden. Dabei ist es meist nicht möglich, den Eingriff direkt im Bereich des betreffenden Bebauungsplanes zu kompensieren. In der Regel sind weiter entfernte Maßnahmen zum angemessenen Ausgleich erforderlich. Geeignete Kompensationsmaßnahmen wiederum müssten oft zeitaufwendig gesucht und entwickelt werden. Um dies künftig zu vermeiden und zugleich einen nachhaltigen Beitrag zur kommunalen Landschaftsentwicklung zu leisten, hat das Rathaus die Einrichtung eines solchen Ökokontos empfohlen. Der Gemeinderat stimmte jetzt zu, die Kalkulation der Ökopunkte an ein Planungsbüro zu vergeben. Denn den Wert von Ökopunkten zu ermitteln, ist komplex. Um den ökologischen Verbrauch eines Bauvorhabens tatsächlich zu ermitteln, sind aufwendige Gutachten notwendig.

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Für ökologische Aufwertungsmaßnahmen sind Flächen nötig, die im Sinne des Naturschutzes auch aufwertbar sind, erklärte Lorek. Als ökologische Verbesserung gelten die Schaffung höherwertiger Biotope, die Förderung spezifischer Tier- oder Pflanzenarten, die Wiederherstellung natürlicher Retentionsflächen oder die Verbesserung von Bodenfunktionen und Grundwassergüte. Maßnahmen, die lediglich einen Zustand sichern, sind nicht ökokontofähig. Die betreffenden Flächen dürfen nicht bereits Gegenstand von Ausgleichsmaßnahmen gewesen oder anderweitig für Bebauung verplant sein. Außerdem darf eine solche Öko-Maßnahme nicht mithilfe öffentlicher Fördermittel durchgeführt werden. Die Forstverwaltung plant nun, am Blumberger Buchberg einen Lichtwald zu etablieren, außerdem will sie ein Alt- und Totholzkonzept in Teilen des Stadtwalds umsetzen.

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Für einen Lichtwald wird der Baumbestand über Jahre hinweg verringert, es muss also gefällt werden. Nach und nach siedeln sich auf dieser Fläche dann eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten an. Für die Herstellung und Pflege eines Lichtwalds am Buchberg rechnet die Forstverwaltung mit Kosten in Höhe von 80.000 bis 100.000 Euro, das Konzept geht dabei von einer 25-jährigen Laufzeit aus. 200.000 bis 400.000 Öko-Punkte könnten laut Berechnung der Forstverwaltung generiert werden. Ein Öko-Punkt entspricht ungefähr einem Euro. Im September vergangenen Jahres nahmen die Gemeinderäte bei einem Waldbegang mit der Vize-Forstamtsleiterin das betreffende Areal in Augenschein.

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Eine weitere Öko-Konten-Maßnahme ist das Alt- und Totholzkonzept. Totholz stellt im Ökosystem Wald nämlich eine enorm wertvolle Ressource dar. Pilze, Flechten, Moose, Schnecken, Käfer, Vögel und Säuger stellen rund 11.000 Arten in den Wäldern Deutschlands dar, so die Forstverwaltung Baden-Württemberg . Von diesen Arten sei ein Großteil auf das Vorhandensein von Totholz zum Beispiel als Unterschlupf, Brutplatz oder Nahrungsquelle angewiesen. Das bedeutet, dass Totholz ein entscheidender Faktor für die Sicherung der biologischen Vielfalt im Ökosystem Wald ist. Außerdem diene Totholz der weiteren Ökosystemfunktion, unter anderem als Wasser- und Nährstoffspeicher und wirke sich damit positiv auf die Vitalität des Waldes aus.

Und wie ist der aktuelle Zustand des Blumberger Stadtwalds? Lorek sprach von einer „dramatischen Situation“. Seit 2018 habe es extrem wenig Niederschläge gegeben, der Borkenkäfer setze dem Wald zu und gleich eine ganze Reihe von Sturmtiefs hätten für viel Sturmholz gesorgt, das zwischenzeitlich aber komplett aufgearbeitet worden sei. „Alle Baumarten leiden, nicht nur die Kiefer“, so die Forst-Fach-Frau. Selbst die Corona-Pandemie wirke sich auf die Waldbewirtschaftung aus, denn Sägewerke seien stillgelegt worden. Auf Nachfrage sagte Lorek, dass Käferholz nicht ins große Nasslager bei Donaueschingen gebracht werde.

Diskussion um Verbissschäden

Der fraktionslose Gemeinderat Hermann Zorbach sprach Lorek auf Verbissschäden im Wald an der Grenze zur Schweiz an. Die Fressspuren von Rehen seien im Blumberger Stadtwald immer noch vergleichsweise hoch, doch die Einführung der vor einigen Jahren heftig umstrittenen Regiejagden zeigten Erfolge, meinte Lorek. Das habe auch ein Überprüfung bestätigt, so Bürgermeister Keller.

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