Es gibt Menschen, deren Wirken auch noch nach Jahrzehnten Spuren hinterlässt. Zu ihnen zählt der frühere Blumberger Realschulrektor Helmut Pietsch, der vorige Woche im Alter von 97 Jahren gestorben ist. Helmut Pietsch war nicht nur ein begnadeter Pädagoge, er schrieb auch ein Stück interkommunale Kulturgeschichte mit, die 1975 zur Gründung der Volkshochschule Baar mit den Städten Donaueschingen, Blumberg, Hüfingen und Bräunlingen führte und bis heute als Vorbild für andere Städte gilt.

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„Helmut Pietsch zählte auch bei der Erwachsenenbildung zu den Pionieren in Blumberg.“ Dies sagt der langjährige frühere Geschäftsführer der VHS Baar, Gunter Faigle, der die VHS von 1978 bis 2010 leitete. Neben seiner Tätigkeit als Pädagoge in Blumberg habe Pietsch in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre aktiv zu den Gründern des Volksbildungswerkes Blumberg gezählt und dieses später viele Jahre bis zur Gründung der VHS Baar geleitet. Die Gründung der VHS Baar zum Zweck der Professionalisierung der Erwachsenenbildung zum 1. Juli 1975 hat Helmut Pietsch weitsichtig und aktiv unterstützt und als Leiter der dann eingerichteten Außenstelle Blumberg der VHS Baar diese bis 1991 mit hohem Engagement geleitet.

Helmut Pietsch setzte nicht nur als Rektor der Realschule Blumberg Akzente, er war auch ein Pionier in der Erwachsenenbildung. Unser Bild vom Juli 2019 zeigt Helmut Pietsch (von links) bei der Verabschiedung von Realschulrektor Egon Bäurer mit allen seinen vier Nachfolgern Rainer Gradinger (1987 – 1997), Rainer Beha (1998 – 2008), Egon Bäurer ( 2008 – 2019) und Sven Dorn ab 2019.
Helmut Pietsch setzte nicht nur als Rektor der Realschule Blumberg Akzente, er war auch ein Pionier in der Erwachsenenbildung. Unser Bild vom Juli 2019 zeigt Helmut Pietsch (von links) bei der Verabschiedung von Realschulrektor Egon Bäurer mit allen seinen vier Nachfolgern Rainer Gradinger (1987 – 1997), Rainer Beha (1998 – 2008), Egon Bäurer ( 2008 – 2019) und Sven Dorn ab 2019. | Bild: Roger Müller

Wobei die Gründung der Volkshochschule Baar schon eine Pionierleistung für sich war. Bis zur Gemeindereform in Baden-Württemberg Anfang der 1970er Jahre gab es in den vier Städten neben dem Volksbildungswerk in Blumberg die Volkshochschule in Donaueschingen, die beide ehrenamtlich geführt wurden. Dann sollte die Erwachsenenbildung plötzlich in ganz Baden-Württemberg professionalisiert werden, schildert Gunter Faigle.

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In den vier Städten der Südbaar habe man überlegt, was machen wir? Jede Gemeinde habe sich alleine für zu klein empfunden, eine eigene Volkshochschule zu gründen. Die Idee kam von den Bürgermeistern im Städteviereck, die sich alle aus dem Kreistag kannten: In Donaueschingen der damalige Bürgermeister und spätere Oberbürgermeister Bernhard Everke, in Hüfingen Max Gilly, in Bräunlingen Werner Schneider und in Blumberg Werner Gerber.

Akzente gesetzt

Damit das neue Pflänzchen Volkshochschule Baar wachsen konnte, bedurfte es Unterstützer. Einer von ihnen war Helmut Pietsch. Für die VHS habe Helmut Pietsch markante Akzente gesetzt. So habe er mit der VHS die Reihe „Technik im Wandel“ ins Leben gerufen, bei der sie namhafte Betriebe in Wirtschaft und Landwirtschaft besucht hätten. Darunter war der Birchenhof außerhalb Fützens an der Schweizer Grenze als einer der ersten Höfe mit einem Kuhstall ohne angebundene Kühe und einem neuen Fütterungssystem, so Faigle.

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Sein Wissen, seine Ideen und auch sein Rat waren auch außerhalb Blumbergs gefragt. Hüfingens langjähriger früherer Bürgermeister Anton Knapp erinnert sich noch gut an die Arbeit im Zweckverband der Volkshochschule Baar und an Helmut Pietsch: „Wir haben intensiv und gut mit ihm zusammengearbeitet.“