Die Botschaft von Ruth Scheuch zeugt von ihrem großen Herz für kleine Tiere, wobei das Tierchen, um das es in diesem Artikel geht, in seiner Gattung zu den Großen zählt. Die Rede ist von der Blauen Holzbiene, der größten Wildbiene in Europa (siehe Infokasten). Am vergangenen Freitag entdeckte die Fützenerin die auf der Roten Liste der gefährdeter Arten gelisteten Tiere bei einem Spaziergang in ihrer Nachbarschaft. Am Samstag hielt sie erneut Ausschau, allerdings erfolglos. Umso größer dann die Freude, als sie am Sonntag beobachtete, dass sich zwei Holzbienen im Beet eines Nachbarhauses auf die Suche nach Nektar machten. Der 63-Jährigen ist es ein Anliegen, auf den besonderen Schutzstatus dieses Insekts hinzuweisen. „Nicht, dass es aus Unwissenheit von irgendjemandem totgeschlagen wird“, so die Fützenerin, die in einem umgebauten Bauernhaus wohnt.

Dieses Bild zeigt die streng geschützte Holzbiene. Das Foto hat Ruth Scheuch in ihrer Nachbarschaft aufgenommen.
Dieses Bild zeigt die streng geschützte Holzbiene. Das Foto hat Ruth Scheuch in ihrer Nachbarschaft aufgenommen. | Bild: Privat

Zu einem Bauernhaus gehört ein Bauerngarten. Ruth Scheuch ist dabei, ihren in einen Naturgarten umzubauen. Sie hat sich über die Lebensweise und die Vorlieben der Blauen Holzbiene schlau gemacht und sich einen Holzstamm besorgt. Denn man kann viel besser schützen, was man kennt. Holzbienen bohren lange Brutgänge in Totholz. Außerdem lieben sie großblütige Pflanzen. Keine Angst vor Bienenstichen? „Ach was, das sind doch keine aggressiven Insekten„, sagt Ruth Scheuch, die gelegentlich zusammen mit ihrem Lebensgefährten bei den Fützener Seniorentreffs mit ihrer Steirischen Harmonika für Unterhaltung sorgt. Nachdem die Zahlen vom rasanten Insektensterben durch die Medien gingen, sind viele Menschen offensichtlich sensibilisiert.

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„Ich mag es einfach, wenn es um mich herum brummt und summt“, sagt Ruth Scheuch, die auf einem Bauernhof bei Stühlingen aufgewachsen ist und von der Mutter einst als „Garten-Wühlmaus“ bezeichnet wurde. Pflanzen, die nur dem menschlichen Auge schmeicheln, Insekten aber keine Nahrung bieten, hat sie nach und nach aus ihrem Garten verbannt. Früher habe auch sie Geranien auf dem Balkon gehabt, doch diese Zeiten seien vorbei – weil Geranien und andere Pflanzen mit gefüllten Blüten Insekten nur wenig oder gar keine Nahrung bieten. Als gefüllt werden Blüten bezeichnet, deren Blütenblätter züchterisch vermehrt wurden. Dabei werden meist die Staubblätter in Blütenblätter umgewandelt. Ohne Staubblätter kann jedoch kein Pollen erzeugt werden. Mit der Folge, dass die Bienen leer ausgehen. Außerdem ist es für die Insekten mühsam, durch die vielen, dicht stehenden Blütenblätter zum Nektar vorzudringen.

Eine Holzbiene (Xylocopa violacea)
Eine Holzbiene (Xylocopa violacea) | Bild: Manfred Ruckszio

Das ist der Grund, weshalb in Ruth Scheuchs Garten vor allem Pflanzen mit ungefüllten Blüten wachsen. Auch die sorgen dafür, dass vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein in jeder Ecke leuchtet und duftet. In dem kleinen Teich soll sich ansiedeln, was die Natur hergibt und der Steinhaufen ist als Rückzugsort für Eidechsen gedacht. Doch bislang hat sich dort kein Eggäsli (so der Namen der Fützener Narrenzunft) dort blicken lassen. Auch die zahlreichen Nistmöglichkeiten für Vögel fallen beim Spaziergang durch ihren Garten auf. In dem Garten steckt viel Arbeit, das sieht der Besucher sofort. Weshalb die Plackerei? „Weil Gartenarbeit erdet. Ich spüre, wie sie mir gut tut“, so Ruth Scheuch.

Übrigens: Der Naturschutzbund Nabu hatte Anfang Juni zu seiner Aktion Insektensommer aufgerufen. Da wurden Privatpersonen – ähnlich wie bei den bekannten Vogelzählungen – aufgerufen, die Insektenarten in ihrem Garten zu notieren. Ein Zwischenergebnis ist bereits veröffentlicht worden. Danach liegt auf Platz eins die Steinhummel, ein samtig-schwarzes Insekt mit rotbraunen Hinterende. Danach folgten Hainschwebfliege und – noch vor der Honigbiene – auf Platz drei der Asiatische Marienkäfer. Bemerkenswert: die Blaue Holzbiene verbessert sich zunehmend: 2018 kam sie auf Platz 46, im vergangenen Jahr auf Platz 24 und nun sogar noch ein bisschen besser auf Rang 22.

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Außerdem breitet sich die wärmeliebende Art zunehmend vom südlichen Deutschland nach Norden aus: Blaue Wildbienen wurden auf der Insel Rügen gesichtet. „Der Klimawandel wird uns noch viele neue Tiere bescheren“, sagt Ruth Scheuch. Möglicherweise gehört die Wallace-Riesenbiene dazu: Mit bis zu 38 Millimetern Körpergröße und einer Flügelspannweite von etwa sechs Zentimetern ist dieses schwarze Insekt die größte Biene der Welt. Sie lebt in Indonesien. Dort hat sie der Naturforscher Alfred Russel Wallace entdeckt.

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