Monika Rednik bestand Mitte der 1970er-Jahre ihre Führerscheinprüfung. Seither hat sie ein graues Dokument aus einem Papier-Textil-Gemisch zum Auto fahren berechtigt – im Volksmund genannt: der „Lappen“. Er hat über die Jahre viele Eselsohren bekommen und bereits vor langer Zeit seine Farbe verloren.

Das Aus für den „Lappen“

Doch die Zeit ihres „Lappens“ neigt sich dem Ende entgegen: Ab Mitte Januar 2022 verlieren die Führerscheindokumente für die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 in Baden-Württemberg ihre Gültigkeit. Die Blumbergerin gehört daher zu den Autofahrerinnen, die sich zuletzt einen neuen Führerschein beantragen mussten.

Weg führt über die Führerscheinstelle

Doch die Beantragung für den Nachfolger ihres „Lappens“ stellte sich schwieriger heraus, als gedacht. Beim Rathaus Blumberg sei das Formular laut einer Mitarbeiterin nicht verfügbar gewesen, so Rednik. Diese habe sie darauf verwiesen, dass dieses lediglich bei der Führerscheinstelle des Landratsamts des Schwarzwald-Baar-Kreises zu erhalten sei.

Um also das Formular zur Beantragung des Führerscheins zu erhalten, fuhr Monika Rednik 36 Kilometer zum Landratsamt, erzählt sie. „Das waren 35 Minuten Fahrzeit, Parkgebühr, anstehen und die Kosten von 24 Euro für den Führerschein inklusive.“ Auf der Führerscheinstelle habe sie ihre Verärgerung einem Mitarbeiter geschildert. Doch dort hieß es nur: In sechs bis acht Wochen würde man sie benachrichtigen. Dann dürfe sie sich ihren neuen Scheckkarten-Führerschein abholen und ihren alten als ungültig abstempeln.

„Das finde ich sehr ärgerlich“

Das heißt: Erneut 36 Kilometer nach Villingen fahren, den neuen Führerschein abholen und anschließend 36 Kilometer zurückfahren. In der Summe sind das 144 Kilometer Fahrt. „Das finde ich sehr ärgerlich“, sagt Rednik, „denn das sind hohe Fahrtkosten, um weiterhin fahren zu dürfen.“ Schließlich seien es nur zwei Seiten, wo man seine Daten eintragen müsse, inklusive einer Kopie des Personalausweises und des „Lappens“.

Drei Führerscheine verschiedener Generationen liegen auf dem Tisch. Die Zahl der alten Papierführerscheine dürfte in den kommenden Jahren deutlich abnehmen (Symbolbild).
Drei Führerscheine verschiedener Generationen liegen auf dem Tisch. Die Zahl der alten Papierführerscheine dürfte in den kommenden Jahren deutlich abnehmen (Symbolbild). | Bild: Oliver Berg

An eine telefonische Beantragung habe die 68-Jährige nicht gedacht, gibt sie zu. Denn so machte es stattdessen Irmgard Herz aus Hüfingen. „Ich habe anschließend das Formular vom Landratsamt erhalten und ausgefüllt mit einer Kopie von meinem Personalausweis und meinen Führerschein mit eingeschickt“, sagt die 67-Jährige. Sie habe sich zuvor beim Landratsamt erkundigt und sogar „schneller als gedacht“ die Formulare erhalten. „Nun warte ich darauf, dass der neue Führerschein und die Rechnung dafür in ein paar Wochen in der Post liegen.“

Beantragung bald auch in den Rathäusern

Die Pressestelle vom Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass die Kreisverwaltung den Aufwand für die Neubeantragung von Alt-Führerscheinen wie im Falle von Monika Rednik aus Blumberg künftig verringern wolle. So sollen Antragsformulare bald auch in Gemeindebüros und Rathäusern von Kommunen im Landkreis verfügbar sein.

Digitaler Assistent hilft weiter

„Somit können die Menschen im Landkreis auch auf analoge Art und Weise den Führerschein neu beantragen“, sagt Heike Frank, Pressesprecherin vom Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises. Neben dem telefonischen Weg ist die Beantragung auch im Internet möglich. Ein digitaler Assistenten auf der Webseite des Landratsamts soll beim Ausfüllen der notwendigen Formulare helfen.

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Am Ende dieses Antragsprozesses erhalten Antragsteller ein PDF-Dokument, das sie zusammen mit den notwendigen Unterlagen an die Führerscheinstelle per Post senden. Ein persönliches Erscheinen bei der Führerscheinstelle ist daher nicht erforderlich. Bevor der neue Führerschein erteilt wird, muss der bisherige Führerschein im Original der Führerscheinstelle zugesandt werden.

Fast 1200 umgetauschte Führerscheine seit Jahresbeginn

Wie Pressesprecherin Frank erklärt, seien zwischen Jahresbeginn und Ende Oktober insgesamt fast 1200 alte Führerscheine beim bei der Führerscheinstelle des Landratsamts umgetauscht worden. „Schätzungsweise liegen aktuell noch 500 bis 600 offene Anträge zur Bearbeitung vor“, sagt sie.

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Es werde erwartet, dass bis zum ersten Stichtag im Januar nochmals so viele Anträge bei der Führerscheinstelle eingehen werden, so Frank. Wer bis dahin nicht seinen alten Fahrausweis termingerecht umgetauscht hat, dem droht ein Verwarnungsgeld von zehn Euro.