Von seiner Haustüre in der alten Randenstraße in Zollhaus überblickt Stadtrat Werner Waimer fast den ganzen Ort. Mit dem Arm zeigt er Richtung Lindenbühl und Waldshuter Straße. Dort, und das beschäftige in Zollhaus mehrere Anwohner, seien öfters die Flugzeuge, die auf dem nahegelegenen Luftlandeplatz des Luftsportvereins Blumberg starteten, bei ihrer Platzrunde zu sehen. Dabei, und das betont Waimer, führe die Platzrunde eigentlich in einem weiteren Bogen um Zollhaus und den Randenwald dann Richtung Riedöschingen. Die verkürzte Platzrunde würde für Zollhaus mehr Lärm bedeuten.

Bild: Schönlein, Ute

Für Diskussion sorgte nun ein Antrag des Luftsportvereins Blumberg, die für den Luftlandeplatz genehmigten Flugzeugkategorien um die Kategorien Gewichtskraftgesteuerte Ultraleichtflugzeuge, Ultraleichte Tragschrauber und ultraleichte Hubschrauber zu ergänzen. Bisher genehmigt sind Ultraleichtflugzeuge, Segelflugzeuge, Motorsegler und Motorflugzeuge bis 1,3 Tonnen Startgewicht. Die Bevölkerung in Zollhaus befürchtet im Fall einer Genehmigung mehr Lärm, so Waimer, mehrere Anwohner legten Einspruch ein, es läuft noch eine Unterschriftenaktion.

Einspruchsfrist endet am 7. September

Die Einspruchsfrist endet am 7. September. Beim Luftsportverein heißt es dagegen, der Lärm würde eher reduziert, da die beantragte Erweiterung nur für Vereinsmitglieder sei und in den drei neuen Kategorien dann keine fremden Piloten mehr starten und landen dürften.

Anfrage der FDP im Gemeinderat

Die FDP-Fraktion im Blumberger Gemeinderat, der Werner Waimer angehört, ist skeptisch. Werner Waimer erklärt, dass sogenannte Ultraleicht Tragschrauber wegen ihrer Lärmentwicklung in der Vergangenheit bereits zu Unmut in der Bevölkerung geführt hätten. Bürgermeister Markus Keller sagte dazu, der Antrag diene nur zur Legitimierung des jetzigen Betriebs. Werner Waimer betont, für ihn sei der Luftsportverein grundsätzlich eine Bereicherung. Nach Ansicht eines Experten sei aber das Lärmschutzgutachten fehlerhaft, und es werde nicht berücksichtigt, dass es in Zollhaus eine Pflegeeinrichtung gebe.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein grundsätzliches Thema sei, dass nach Meinung mehrerer Zollhäuser die sogenannte Platzrunde nicht eingehalten werde. Davon besonders betroffen seien die Anwohner in der Waldshuter Straße und im Lindenbühl. Laut dem Gutachten im Antrag des Luftsportvereins sei die Platzrunde wie folgt vorgeschrieben: Sie beginne auf der Startbahn und führt dann parallel zur L 185 nach Westen bis zum Baufachmarkt Knöpfle, Gewerbegebiet Vogelherd und im 90 Grad Winkel über den Randenwald Richtung Riedöschingen. Tatsächlich werde diese Kurve öfter kürzer geflogen und führe dann über den Lindenbühl und die Waldshuter Straße. Der Schleppbetrieb koste Geld, und bei jeder Minute weniger sparten die Piloten Kosten. Einwendungen können bis 7. September beim Regierungspräsidium Stuttgart oder bei der Stadt Blumberg erhoben werden.

Mitglieder des Luftsportvereins stellen im Mai 2019 das überholte, vereinseigene Segelflugzeug vor. Bild: Reiner Baltzer
Mitglieder des Luftsportvereins stellen im Mai 2019 das überholte, vereinseigene Segelflugzeug vor. Bild: Reiner Baltzer | Bild: Reiner Baltzer

Beim Luftsportverein Blumberg will man das so nicht stehen lassen, schon gar nicht mit der verkürzten Platzrunde. „Von unserer Seite sind das eher Einzelfälle“, sagt Vorstandsmitglied Alexander Geisser und fügt hinzu: „Wir sensibilisieren alle Piloten“. Der lautere Ultraleicht-Helikopter sei seit circa zwei Monaten gar nicht mehr am Platz, „der ist weg.“ Inzwischen kämen keine externe Tragschrauber mehr, ebenso wenig kämen externe motorisierte Gleitschirme und Drachen. „Alle Flüge am Platz sind dokumentiert, bei jedem Flugzeuge können wir die geflogene Route anhand der Messdaten genau nachverfolgen.“

„Wir halten die Platzrunde ein“

Der Verein habe derzeit drei Schlepppiloten, „wir halten die Platzrunde ein“. Externe Schlepppiloten bei einem Fluglager würden genau eingewiesen. „Wenn wir Richtung Blumberg starten und die Situation es nicht zulässt, die Hochspannungsleitung zu überfliegen, können wir immer noch über den Platz abdrehen, sodass Zollhaus nicht überflogen“ werde. Um den Lärm für die Anwohner zu reduzieren, holten sie ohnehin bei jedem motorisierten Start Richtung Blumberg weiter nach rechts, sprich Norden, aus, dann hätten sie über Zollhaus schon wesentlich mehr Höhe. Um den Lärm zu reduzieren, hätte sie vor ein paar Jahren bereits eine leisere Schleppmaschine angeschafft. Dieses Jahr hätten sie ohnehin mehr Starts Richtung Osten als in Richtung Westen nach Blumberg.

Das könnte Sie auch interessieren

Alexander Geisser ging auch auf den Einwand ein, dass der Verein mittlerweile fast überwiegend in Schweizer Hand sei. Hintergründig heiße es immer, so Geisser, die Schweizer, die Schweizer, „aber wir sind ja kein Schweizer Verein, die Mehrheit im Verein sind deutsche Mitglieder“, die Hälfte der Vorstandsmitglieder sei deutsch.

Das könnte Sie auch interessieren

Betroffen im Verein ist man über ein Flugblatt, das in Zollhaus kursiert und die Bürger dazu aufruft, Widerspruch gegen den Antrag des Luftsportvereins einzulegen. Die Vorwürfe wie Belastung für die Zollhauser Bevölkerung, Tiere und die Umwelt kann Alexander Geisser nicht nachvollziehen. Die Erweiterung führe nicht zu mehr Flügen, vielmehr werden die am Platz stationierten Flugzeuge limitiert. „Ich bin seit 23 Jahren im Verein, mir ist noch keine Kollission mit einem Vogel bekannt“, sagt Alexander Geisser.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €