Blumberg – In Kürze schnaufen sie wieder durchs wildromantische Wutachtal: Die Dampf- und die Diesellok der Bahnbetriebe Blumberg, die bis zu acht historische Waggons hinter sich herziehen können und damit knapp über 400 Fahrgästen auf eine Zeitreise mitnehmen. Eigentlich sollte die Museumsbahn seit Anfang Mai unter Dampf stehen, doch das Coronavirus hat die Saisonplanung komplett über den Haufen geworfen. Los geht‘s jetzt erst am Donnerstag, 2. Juli. Gegen 14.10 Uhr werden sich die Schranken am Bahnhof Zollhaus in diesem Jahr zum ersten Mal für die Museumsbahn senken. Desinfektionsmittel und Spender sind bestellt und ein Betriebskonzept mit Hygiene- und Abstandsregeln steht.

Bahn ein wichtiger Frequenzbringer für das Gastgewerbe

„Bleib im Ländle und fahr Bähnle“. Unter dieses Motto haben die Verantwortlichen der Museumsbahn die diesjährige Saison gestellt, die am 18. Oktober zu Ende gehen wird. Klar ist: Die in den Vorjahren stets anvisierten 100 000 Fahrgäste können dieses Jahr sicherlich nicht erreicht werden, da zwei komplette Monate fehlen. Dennoch besteht Hoffnung, doch noch eine zufriedenstellende Auslastung zu erreichen. Jasmin Schwerbach von der Sauschwänzlebahn setzt darauf, dass viele Deutsche dieses Jahr von einem Urlaub im Ausland absehen und ihre freien Tage in heimatlichen Gefilden verbringen werden. Das, so die Hoffnung, könne für eine akzeptable Zahl an Fahrgästen sorgen. Dass die Sauschwänzlebahn wieder Fahrt aufnimmt, wird auch vom Gastgewerbe herbei gesehnt – denn das holpernde und tutende Denkmal deutscher Ingenieurskunst ist ein wichtiger Frequenzbringer für Hotels und Restaurants, wie Hans-Joachim Salomon vom Blumberger „Hirschen“ unlängst in einem SÜDKURIER-Gespräch betonte.

Damit sich die Dampflokfreunde im Eisenbahnmuseum beim Bahnhof Zollhaus nicht zu nahe kommen, wird dort eine Einbahnstraßenregelung gelten. Und es besteht eine Maskenpflicht. Das Foto stammt aus Vor-Corona-Zeiten.
Damit sich die Dampflokfreunde im Eisenbahnmuseum beim Bahnhof Zollhaus nicht zu nahe kommen, wird dort eine Einbahnstraßenregelung gelten. Und es besteht eine Maskenpflicht. Das Foto stammt aus Vor-Corona-Zeiten. | Bild: Matthias King/ Bahnbetriebe Blumberg

Ohne einen Mund- und Nasenschutz geht‘s natürlich nicht. Den müssen Einheimische und Touristen tragen, wenn sie eine Karte kaufen und am Bahnsteig stehen. Auch während der 25 Kilometer langen Fahrt zwischen Zollhaus und Weizen muss die Maske aufbleiben. Das ist also etwas anders geregelt als zum Beispiel ein Restaurantbesuch, bei dem der Gast die Maske abstreifen darf, sobald er am Tisch Platz genommen hat. Getränke und Snacks werden diese Saison im Zug nicht verkauft. Ihren Hunger und Durst können Eisenbahnromantiker aber am Kiosk in Zollhaus stillen.

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Wenn Fahrgäste ihr Ticket kaufen, dann werden sie so gelenkt, dass sie nicht an der Warteschlange wieder vorbei müssen. Sprich: Es wird eine Einbahnstraßenregelung geben. Die ist auch im Eisenbahnmuseum vorgesehen. Ob dort eine bestimmte Besucherzahl nicht überschritten werden darf, müsse laut Schmerbach noch entschieden werden.

Erlebnisfahrten fallen in dieser Saison aus

In den vergangenen Jahren hat die Museumsbahn den reinen Fahrbetrieb mit besonderen Erlebnisfahrten aufgewertet. Da gab‘s Whisky-, Prosecco- und Muttertagsfahrten oder Schwarzwaldhof-Ingenieurs- oder Spargel- und Erdbeerfahrten. Die sind allesamt Opfer des Coronavirus geworden. Auch die Wanderzüge, die an Wochenenden zusätzlich zum normalen Fahrplan verkehrten und Wanderfreunden eine größere Flexibilität ermöglichten, sind gestrichen worden. Aber: An den ersten drei Adventswochenenden finden die Nikolausfahrten mit der Diesellok zwischen Zollhaus und Fützen statt. Bei diesen Fahrten können sich die Kinder auf eine kleine Überraschung freuen.

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Für Gruppen bieten die Kombi-Tagesangebote ein abwechslungsreiches Programm. Die „Fahrt ins Blütenmeer“ kombiniert die Bahnfahrt mit einem Besuch auf der Blumeninsel Mainau, im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck tauchen die Gäste „Mit Volldampf in die Vergangenheit“ ein und bei „Schwäbisch-alemannische Fasnacht entdecken“ die Gäste das Fastnachtsmuseum bei Eigeltingen. Ganz neu in dieser Saison sind die Kleingruppenangebote. Für kleinere Gruppenausflüge (zwei bis zwölf Personen) gibt es Kombi-Erlebnisse der besonderen Art. Kombiniert wird hier die Sauschwänzlebahn-Fahrt zum Beispiel mit einer Eselwanderung durch das Wutachtal, einer Oldtimer-Tour oder einem Rundflug über einen Teil des Südschwarzwaldes.

Die Sauschwänzlebahn verkehrt seit 1977 auf 25 Kilometern zwischen Blumberg und Weizen durch eine Bilderbuchlandschaft mit Streuobstwiesen und schnuckeligen Dörfern. Auf 25 Kilometern überwindet sie mit zehn Bauwerken (vier Brücken, sechs Tunnels) einen Höhenunterschied von 231 Metern. Für Kenner wie den früheren SWR-Redakteur Hagen von Ortloff zählt sie zu den schönsten Museumsbahnen überhaupt. Ihren Namen bekam sie vom Volksmund wegen der vielen Kringel der Strecke und vor allem wegen Deutschlands einzigem Kreiskehrtunnel, dem großen Stockhaldetunnel.