Seit einigen Monaten wird in Achdorf ein Gebäude erbaut, dessen Art heutzutage nicht mehr oft errichtet wird. Im sogenannten „Kaiserhof“ im Gewann „Auf Kellen“ entsteht eine neue Kapelle, welche in Eigenregie durch die Achdorfer Familien Scherzinger, Hamburger und Parschau verwirklicht wird.

Faszination hat den Zimmermann erfasst

Bereits vor rund drei Jahren hatte Jürgen Scherzinger den Gedanken, eine eigene Kapelle zu errichten, nachdem er zuvor einige Kapellen im Urlaub in Südtirol oder anderen Orten besucht hatte. Die Faszination dieser kleinen Gotteshäuser und die Leidenschaft zu seinem Beruf des Zimmermanns ließen die Gedanken einer eigenen Kapelle zu einer immer größeren Idee werden.

Motiviert, etwas für die Allgemeinheit zu tun, wurden die Gedanken wenig später in Worte gefasst. So erzählte Jürgen Scherzinger zunächst seiner Lebensgefährtin Edith Kunzelmann und anschließend seinem Nachbarn und guten Freund Michael Parschau davon. Auch sie fanden die Idee eine tolle Sache und erklärten sich bereit, an diesem Projekt mitzuwirken.

Die neue Jakobuskapelle befindet sich gerade noch im Rohbau. Die Struktur des Gotteshauses ist schon deutlich zu erkennen.
Die neue Jakobuskapelle befindet sich gerade noch im Rohbau. Die Struktur des Gotteshauses ist schon deutlich zu erkennen. | Bild: Simon Bäurer

Schließlich stellte sich die Frage nach einem geeigneten Platz sowie einem Plan der konkreten Verwirklichung. Als Jürgen Scherzinger einen geeigneten Platz gefunden hatte, der sich allerdings nicht auf seinem Privatgrundstück befindet, fasste er sich an der Fasnet 2019 ein Herz und erzählte den Grundstücksbesitzern Ulrich und Stefan Hamburger von seiner Idee. Als sich nach der Fasnet herausstellte, dass dies keine „Schnapsidee“ war, waren die Herren Hamburger von dem Gedanken durchaus begeistert. Zumal an dieser Stelle bereits ein Feldkreuz der Familie steht.

Spatenstich war im Frühjahr

Kurz darauf ging es dann in die Planungsphase. Nach ein paar Planungsgesprächen zu organisatorischen und baulichen Voraussetzungen erfolgte im Frühling dieses Jahres der Spatenstich. Schnell stellte sich heraus, dass die Begeisterung noch größere Wellen schlagen würde. So beteiligten sich immer mehr Mitbewohner aus Achdorf sowie aus den umliegenden Nachbarorten und halfen beim Bau der Kapelle mit.

Stefan Hamburger, Jürgen Scherzinger, Rainer und Michael Parschau (von links) arbeiten gemeinsam Hand in Hand, um ihr Herzensprojekt zu vollenden.
Stefan Hamburger, Jürgen Scherzinger, Rainer und Michael Parschau (von links) arbeiten gemeinsam Hand in Hand, um ihr Herzensprojekt zu vollenden. | Bild: Simon Bäurer

„Die Hilfsbereitschaft der Menschen hat uns sehr berührt.“ Das sagt der Bauherr Jürgen Scherzinger. Unbeschreiblich groß sei die Unterstützung durch örtliche Handwerksbetriebe sowie Privatpersonen. So konnte aus Sponsoring und Spendengeldern zum Beispiel Eisen und Beton für das Fundament, Holz, Farbe, Blech, die Ziegel sowie die Fenster für den Bau der Kapelle bezogen werden. Weiterhin konnte eine Werkstatt kostenfrei benutzt werden.

Die Pfarrkirche St. Nikolaus im Kleinen

Das kleine Gotteshaus, welches vom baulichen Stil die Pfarrkirche St. Nikolaus im Kleinen abbildet, soll ein Ort der Begegnung für alle werden. Ebenso wie die große Nikolauskirche bekommt die Kapelle einen Zwiebelturm. Die Glocke, welche vor zwei Wochen in Innsbruck gegossen wurde, enthält neben einem Spruch eine Jakobsmuschel.

Nachdem der Rohbau bereits steht und auch der Turm schon aufgesetzt ist, wurde am vergangenen Freitag in kleinem Rahmen das Richtfest gefeiert. Dem Anlass würdig und in Zimmermannstracht sprach der Bauherr Jürgen Scherzinger den Richtspruch. „Mit Fleiß vom Morgen bis zur Nacht wurd‘ unser schönes Werk vollbracht.“ Der Spruch solle Segen für die Familien bringen sowie Heil und Glück für alle Zeit.

Die Initiatoren Michael Parschau, Stefan Hamburger, Ulrich Hamburger, Jürgen Scherzinger und Edmund Scherzinger (von links) sind stolz auf die neue Jakobuskapelle im Achdorfer Tal und bedanken sich bei allen Helfern und Sponsoren.
Die Initiatoren Michael Parschau, Stefan Hamburger, Ulrich Hamburger, Jürgen Scherzinger und Edmund Scherzinger (von links) sind stolz auf die neue Jakobuskapelle im Achdorfer Tal und bedanken sich bei allen Helfern und Sponsoren. | Bild: Simon Bäurer

An der Kapelle führen drei bekannte und gut frequentierte Wanderwege vorbei. Der Schluchtensteig, der neue Premiumwanderweg „WasserWeltenSteig“ sowie ein Teilstück des Jakobsweges. Aus diesem Grund wird die Kapelle auch den Namen des Heiligen Jakobus tragen. Dieser schöne Ort sei ideal für diese Kapelle, sind sich die Initiatoren einig.

Zwei Wanderer durften in der Kapelle übernachten

Viele Wanderer können zukünftig in der Kapelle kurz verschnaufen und zur Ruhe kommen; die Kapelle werde bis auf die Wintermonate tagsüber für alle Personen geöffnet sein. Bereits jetzt haben viele Wanderer, die vorbeikamen, die Kapelle bewundert und das Projekt gelobt. Es hätten sogar schon einmal zwei Wanderer darin übernachtet, berichtet Edith Kunzelmann. Die Initiatoren freuen sich, dass sie gemeinsam die Idee umgesetzt haben und die Kapelle so gut angenommen und befürwortet wird. Dies zeigt erneut das intakte Gemeindeleben im Tal sowie den christlichen Bezug der Dorfgemeinschaft.

Wer gerne helfen oder etwas spenden möchte, darf sich bei Jürgen Scherzinger unter folgender Nummer melden: 0 77 02/47 63 89.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €