Conny Hahn

Die von den Nazis hingerichtete Widerstandskämpferin Sophie Scholl lebte eine Zeit lang in Blumberg. An ihr vorbildliches Wirken erinnert nun eine Gedenktafel. Die Schüler der Realschulklasse 10c brachten die neue Tafel am Montag am Bahnhof Zollhaus an.

Thema im Geschichtsunterricht

Bis es soweit war, hatten sich die Schüler im Geschichtsunterricht mit Lehrerin Johanna Vogelbacher intensiv mit dem bedeutsamen Thema des Nationalsozialismus sowie den Widerstandskämpfern beschäftigt. Das Augenmerk lag dabei auf Sophie Scholl als eine der bedeutendsten Widerstandskämpferinnen, die aufgrund ihrer Tätigkeit als Erzieherin einen Teil ihres kurzen Lebens in Blumberg und durch ihre Freundin Hildegard Schüle auch in Zollhaus verbracht hatte.

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Ihre Zeit in Blumberg wurde zum Wendepunkt in ihrem Leben, da sie den grausamen Umgang der Nazis mit den Menschen vor Ort wahrnahm und sich zunehmend von Hitler und dem NS-Regime abwandte, dem sie einst als Mitglied im Bund Deutscher Mädchen „mein ganzes Leben lang unverbrüchliche Treue“ geschworen hatte. Sie ist bis heute Namensgeberin des städtischen Sophie-Scholl-Kindergartens.

Mit der Bedeutung von Sophie Scholl im Kampf gegen die Nationalsozialisten hatten sich bereits Jahre zuvor vier Realschülerinnen beschäftigt, die ihr zu Ehren im Rahmen einer Projektprüfung im Jahr 2009 eine Gedenktafel erstellt hatten, die ebenfalls am Bahnhof in Zollhaus angebracht war. Irgendwann war die Tafel verschwunden und 2019 durch eine neue, kleinere Tafel des Blumberger Heimatforschers Bernhard Prillwitz ersetzt worden.

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Nachdem die Diskussion über die entfernte Tafel größere Kreise gezogen und allseits Bedauern über das unglücklich gelaufene Verschwinden geherrscht hatte, entschieden sich Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Bahnbetriebe, sowie Lorena Bausch vom Gästeservice der Sauschwänzlebahn dafür, eine neue Gedenktafel von Schülern erstellen zu lassen. „Wir haben auf unsere Anfrage bei der Realschule sofort eine Zusage erhalten“, wie Lorena Bausch erfreut schildert. „Die Schüler waren mit großem Interesse und Eifer dabei.

Neue Tafel als gemeinsames Ergebnis

Nach der Behandlung des Themas im Unterricht der neunten Klasse hat zunächst jeder einen eigenen Entwurf für eine mögliche Tafel erstellt. Anschließend haben wir diese gemeinsam gesichtet und bewertet und schließlich aus allen Konzeptionen eine neue Tafel als gemeinschaftliches Ergebnis erstellt“, zeigt sich auch Klassen- und Geschichtslehrerin Johanna Vogelbacher sehr zufrieden mit der Arbeit ihrer Schützlinge.

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Die Gedenktafel wurde nun im Beisein von Bürgermeister Markus Keller, Christian Brinkmann sowie Lorena Bausch gut sichtbar und an prominenter Stelle auf einer ehemaligen Original-Bahnschwelle am Rand des Spielplatzes am Bahnhof Zollhaus angebracht.

Keller wirbt für kritisches Reflektieren

„Steh zu den Dingen, an die du glaubst. Auch wenn du alleine dort stehst“ prangt in großen Lettern ein bekanntes Zitat Sophie Scholls auf der Tafel. Bürgermeister Keller appellierte an die Schüler, diesem Leitsatz auch im eigenen Leben zu folgen und nicht mit seinem Standpunkt hinter dem Berg zu halten. „Das Dritte Reich konnte nur bestehen, weil es eine schweigende Mehrheit gab“, fügte er hinzu und betonte die Vorbildfunktion von Sophie Scholl.

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Auch im Hinblick auf die Politik forderte er die jungen Menschen auf, kritisch zu reflektieren, wer nur lautstark Probleme propagiere oder an Lösungsvorschlägen arbeite.

Auch Brinkmann lobte das Werk und sah einen aktuellen Bezug zu den Menschen, die sich trauten, für ihre Interessen und Überzeugungen einzustehen und auf die Straße zu gehen.