Landrat Sven Hinterseh (CDU) wollte die Maßnahme in der jüngsten Sitzung des Kreistags schieben, doch da spielten Blumbergs Bürgermeister Markus Keller und die Mehrheit der Kreisräte nach einem entsprechenden Antrag der Grünen-Fraktion nicht mit: Die Sanierung der Kreisstraße 5747 zwischen Blumberg und Achdorf wird in diesem Jahr in Angriff genommen. Die als Gampen bekannte Strecke mit einem Gefälle von bis zu 15 Prozent soll für 500 000 Euro wieder fit gemacht werden. In der Vergangenheit ist es hier immer wieder zu größeren und kleineren Erdrutschen gekommen.

1966 war vom Fuß des Eichbergs bis hinunter zum Krottenbach das gesamte Gelände in Bewegung geraten. Bild: Archiv Martin Schwemmer
1966 war vom Fuß des Eichbergs bis hinunter zum Krottenbach das gesamte Gelände in Bewegung geraten. Bild: Archiv Martin Schwemmer | Bild: Archiv Martin Schwemmer

Die Kreisräte begeben sich regelmäßig auf Straßenbesichtigungs-Tour, um sich mit eigenen Augen ein Bild davon zu machen, welche der Kreisstraßen so marode sind, dass sie ausgebessert oder in großem Stil saniert gehören. Im vergangenen Oktober machten die Kreisräte auch Station am Gampen, wo Straßenbauamtsleiter Gerold Günzer genau erklärte, dass dort im Opalinusgestein immer wieder Rutschungen, Setzungen und Murenabgänge auftreten. Weite Bereiche der Steilstrecke sind durch talseitige Betonrandbalken gesichert. Starkregen führten zu Unterhölung des Betons, das Bodenmaterial wurde abgespült. Inzwischen hat sich knapp unterhalb des Fahrbahnrandes eine Abrisskante mit einer Erosionsrinne gebildet und den Straßenrand in Mitleidenschaft gezogen. Der Fachmann geht davon aus, dass die bituminöse Straßendecke hohl liegt und mit einem weiteren Abrutschen der Vegetationsdecke in der Umgebung zu rechnen ist.

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Hierzu hat ein Ingenieubüro eine Sanierungskonzeption erstellt. Laut Kostenvoranschlag für diese geotechnischen Maßnahmen inclusive der erforderlichen Projektbegleitung belaufen sich die Kosten auf rund 250 000 Euro. Die Gesamtkonzeption zur Sicherung der K 5747 sieht daneben auch den Bau eines Stahlbetonrandbalkens vor. Die Kosten hierfür belaufen sich schätzungsweise ebenfalls bei 250 000 Euro.

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Aus Sicht der Kreisverwaltung hätte die Sanierung nicht unbedingt noch dieses Jahr umgesetzt werden müssen. Man hätte nur bereit sein müssen, gegebenenfalls eine halbseitige Sperrung der Straße in Kauf zu nehmen. Weshalb der gewünschte Aufschub? Hinterseh ist auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten im Kreishaushalt, weil die Einnahmen coronavirusbedingt nicht so üppig wie geplant ausfallen werden. „Es handelt sich lediglich um eine Verschiebung von einem halben Jahr hin oder her.“ Mit diesen Worten warb er um seinen Vorschlag, setzte sich aber nicht durch. Günzer und Keller sowie dessen Kreisratskollegen Niko Reith (FDP) und Hans-Peter Huonker (AfD) sprachen sich dagegen für den Antrag der Grünen aus, die Sanierung schon dieses Jahr in Angriff zu nehmen. Spätestens nach der Sommerpause soll die Ausschreibung erfolgen, bis dahin sind noch umfangreiche geologische und ingenieurtechnische Untersuchungen vorzunehmen. Die Maßnahme wird vermutlich im Frühjahr 2021 fertiggestellt sein, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.

Aufgeschoben heißt nicht aufgehoben

Angenommen wurde dagegen Hintersehs Vorschlag, die Fahrbahndecke der K 5744 zwischen Opferdingen und Riedböhringen noch nicht in diesem Jahr zu erneuern. Einsparsumme: 430 000 Euro. Aufgeschoben und nicht aufgehoben heißt es auch für drei Brücken: die Schleifenbachbrücke in Achdorf, die Aubachbrücke in Aselfingen und die Mühlbachbrücke bei Aselfingen. Außerdem sollen dieses Jahr noch zwei Durchlässe an der K 5742 bei Achdorf-Eschach instand gesetzt werden.

Mitte der 90er Gampen für ein Jahr dicht

Der letzte große Erdrutsch am Gampen ereignete sich Ende Januar 1995. Über ein Jahr lang war die Straße gesperrt, bis die talseitige Böschung mit einer Spritzbetonschale gesichert war. Der Leiter der Straßenmeisterei Donaueschingen schätzte damals, dass rund 1500 Kubikmeter Erde und Geröll in Bewegung geraten waren. Die Aufräumarbeiten zogen sich hin, weil das ganze Gelände viel zu nass war, um schwere Maschinen einsetzen zu können. Plätschernde Bäche spülten immer wieder Lehm über die Straße und eine ziemlich große und abgesackte Scholle unterhalb der Abrisskante drohte vollends abzurutschen. Die Spuren der Naturkatastrophe sind noch heute sichtbar. Dort, wo der Erdrutsch eine Schneise im Wald hinterließ, sind die Bäume nicht so hoch wie in der Umgebung. Auch nach 1995 ereigneten sich einige Erdrutsche, die aber viel weniger dramatisch verliefen.

Als Teile der Talstraße 1966 plötzlich ganz verschwanden

„Bereits in den Jahren 1884, 1889, 1939 und 1953 hatten die Achdorfer böse Erfahrungen mit Erdrutschen gemacht“, schreibt der Blumberger Heimatforscher Bernhard Prillwitz in seiner Reihe „Archivbilder Blumberg“ von 2005. Was aber am 7. Januar 1966 und in den folgenden Tagen auf sie zukam, hatte wohl noch keiner vorher erlebt. Vom Fuß des Eichbergs bis hinunter zum Krottenbach war das gesamte Gelände in Bewegung geraten. Das dauerte drei Tage lang an. Große Risse taten sich auf, und die Straße nach Eschach war auf einer Länge von 1,5 Kilometern unbefahrbar oder ganz verschwunden. In vielen Fotoalben von Achdorfern und Blumbergern finden sich Bilder, auf denen Menschen vor diesen Rissen posieren. Als Gründe für die massiven Erdbewegungen machten Experten den außergewöhnlichen Wechsel zwischen Trockenheit und extremen Niederschlagsmengen aus und die Tatsache, dass in diesem tektonisch jungen Gebiet die Neigung der Talhänge im Opalinus-Ton-Bereich den natürlichen Böschungswinkel noch nicht erreicht hatte. Der hohe Gehalt an quellfähigen Tonmineralien begünstigte die Gleitfähigkeit.

Laut dem damaligen Ortsvorsteher Ferdinand Rothmund, der seine Erinnerungen an die Naturkatastrophe in dem Buch „Blumberg-Achdorf einst und jetzt“ schildert, halfen alle Talbewohner fleißig mit, um die ersten notwendigen Aufräumarbeiten voranzubringen, später beteiligten sich auch in Immendingen stationierte Bundeswehrsoldaten. Diese wurden eingesetzt, um Baumstämme aus dem Krottenbach zu holen, da diese das Wasser aufstauten und eine Überschwemmung drohte. Rothmund erlebte schon die Hochwasserkatastrophe vom 16. Mai 1924 in Aselfingen mit. Wolkenbruchartiger regen ließen den Aubach und die Wutach über ihre Ufer treten. Die Folge: Aselfingen stand komplett unter Wasser. (hon)

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