Hans Herrmann

Seit 70 Jahren bringt sich die Ortsgruppe der Naturfreunde Blumberg mit sozialem und ökologischem Einsatz nachhaltig für den Naturschutz ein. Nun löst sich die in die Jahre gekommene Ortsgruppe aufgrund Nachwuchsmangels auf. Mit einem Altersdurchschnitt von rund achtzig Jahren sieht man in der Vereinigung keine Zukunftschancen mehr. Dies wurde bei der Jahreshauptversammlung im alten Schulgebäude am Samstag einstimmig beschlossen.

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Über zwei Jahrzehnte unterhielten die Naturfreunde eine Jugendgruppe. Bis zu 25 Kindern wurde die Natur näher gebracht. Waren es in den 1990er Jahren noch über 130 Mitglieder, so sind aktuell nur noch 24 Beitragszahler registriert. Zwei Drittel der Mitglieder hätten zum sofortigen Auflösungsbeschluss präsent sein müssen. Immerhin fanden sich zwölf Personen zum Jahrestreff 2022 ein.

Nächster Schritt am 10. Dezember

Nach rechtlicher Grundlage wird nun am Samstag, 10. Dezember, eine außerordentliche Versammlung einberufen, bei der eine einfache Mehrheit zur Auflösung der Naturfreunde reicht. Kassiererin Bertl Fischer und der stellvertretende Vorsitzende Gernot Suttheimer wurden per Akklamation zu Liquidatoren bestimmt.

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Der stets engagierten Vorsitzenden Christel Faller, die seit 25 Jahren an der Spitze der Naturfreunde in der Verantwortung steht, fiel dieser erste förmliche Akt schwer. Sichtlich gerührt führte sie, gepaart mit vielen schönen Erinnerungen, durch den denkwürdigen Nachmittag. „Wir sind alle in die Jahre gekommen und es geht einfach nicht mehr“, gab sie mit Tränen in den Augen bekannt.

Mit der Betonung auf Nachhaltigkeit standen die Blumberger Naturfreunde in den vergangenen Jahrzehnten die Aspekte Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Kultur im Zentrum. Aufgaben wie die Instandsetzung von Wanderwegen oder Reparaturen von Stufentreppen in der Natur wurden regelmäßig ausgeführt. Durch die Überalterung des Vereins, an dem die junge Generation kaum Interesse zeigt, wurden diese Einsätze in den vergangenen Jahren immer weniger.

Seit 65 Jahren Mitglied

Treue Mitglieder wie Klara Laube, die mit ihrem Ehemann Hubert sechs Jahrzehnte im Verein aktiv war, oder Edith Schipanski, die sich 65 Jahre einbrachte, haben in der Vereinigung viel erlebt. „Unser jährliches Holzhackervesper auf der Hütte in Epfenhofen oder unsere gemeinsame Freizeiten, wo wir bis zu einer Woche mit bis zu dreißig Personen im Schwarzwald oder auch im Hegau verbrachten, waren immer von großer Kameradschaft geprägt,“ erzählt Klara Laube.

„Wie eine große Familie“

„Für uns waren die Naturfreunde wie eine große Familie. Zahlreiche Ausflüge wie an den Kaiserstuhl oder zur Rothaus Brauerei bleiben unvergessen“, möchte Edith Schipanski diese Zeit nicht missen.

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Mit ihrem Kassenbericht für die vergangenen drei Jahre bilanzierte die Schatzmeisterin Bertl Fischer bei solider Kassenlage ein leichtes Plus. Auch bei der Getränkekasse von Edgar Jung gab es nichts zu beanstanden.

Rotes Kreuz bekommt die Restfinanzen

Nach Auflösung des Vereines sollen im Frühjahr 2023 die restlichen Finanzen an die Ortsgruppe des Blumberger Roten Kreuzes fließen, wurde einstimmig beschlossen. Mit einer letzten Versammlung, wo auch das 70-jährige Vereinsbestehen im kleinen Rahmen gefeiert werden soll, will man sich in den Vereinsräumlichkeiten in der alten Schule in der letzten Februarwoche 2023 zum letzten Mal treffen. Auch einige verdiente Ehrungen sollen noch vollzogen werden.

Wechsel in Nachbarvereine möglich

Der stellvertretende Vorsitzende Gernot Suttheimer informierte, dass sich die Mitglieder bei Bedarf den Naturfreunden Bräunlingen und dem Landesbezirk anschließen könnten. „Wir sind mit Vereinsauflösung kein Einzelfall. Die Naturfreunde Villingen oder Furtwangen mussten in den vergangenen Jahren ebenfalls aufgeben“, informierte er die Versammlung.