Das Kardinal Bea-Museum in Riedböhringen wird hin und wieder zum Zentrum der Wissenschaft. Und wenn der Rottweiler Professor Werner Mezger zum Vortrag in den 960 Einwohner umfassenden Blumberger Ortsteil kommt, wird es spannend und kurzweilig. Da haben Stefanie Degen, die Vorsitzende des Kardinal Bea-Fördervereins, und ihr Teamwieder den richtigen Joker gezogen.

Werner Mezger, Volkskundler und Professor für Europäische Ethnologie lockte gut 60 Besucher an. Er redet über das Zweite Vatikanische Konzil, das von 1962 bis 1965 einige neue Kapitel in der Kirchengeschichte aufschlug. Es öffnet die Kirche für die neue Zeit, Kirchenreform und ein Dialog mit anderen Religionen sind wichtige Themen. Augustin Kardinal Bea, der berühmte Sohn von Riedböhringen, prägt das Treffen der Purpurträger mit wesentlichen Schriften, wie dem Text "Nostra Aetate", der mit dem jahrhundertealten Vorwurf aufräumen soll, Juden seien die "Gottesmörder".

Aber trocken wissenschaftlich und theologisch geht es bei Mezger nicht zu. Locker und reich bebildert liefert er auch Anekdoten, wie den "Vogelschiss" der einmal auf der Sutane von Papst Johannes XXIII. landete und ihn zu dem witzigen Kommentar gebracht haben soll: "Danke lieber Gott, dass die Kühe keine Flügel haben."

Werner Mezgers Blick gilt natürlich den Volksbräuchen. Er arbeitet heraus, dass die meisten von ihnen Wurzeln in der 2000-jährigen Geschichte des Christentums und den Lesungen der Bibel haben: Ostern und Pfingsten, Weihnachten oder Fronleichnam und natürlich die Fastnacht und die Fastenzeit. Ostern, mit Auferstehung und Tod Jesu Christi als wichtigstes Fest und Weihnachten haben sich, so Mezger, aus den wiederkehrenden christlichen Erinnerungstagen heraus entwickelt und immer auch verändert.

Um 1780 in der Barockzeit, sind in Augsburg noch Geißelungen bekannt, in italienischen und europäischen Städten und auch in Hüfingen werden gigantische Blumenteppiche gelegt, in einem Ort in Spanien springt das verkleidete Böse über die neugeborenen Kinder, um sie eben vom Bösen zu befreien. Engel und Teufel mischen sich unter die Prozession an Christi Himmelfahrt. Und wenn in Bozen der Heilige Georg mit dem Drachen kämpft und sich der "Drachenstich" vom christlichen Ursprung löst, ist der Weg zum Fasnet-Brauchtum und "Lindwurm" vorgeprägt. Quer durch die europäische Geschichte zeigt Werner Mezger zahlreiche, zum Teil abstruse Beispiele auf. Er macht deutlich, dass das Konzil sich auch die Aufgabe stellte, den Sinn der biblischen Botschaft und der Volksbräuche wieder ins Lot zu bringen. "Das Konzil musste ein weites Herz haben, um all diese Bräuche zu akzeptieren", sagt Mezger. Aus dem christlichen Brauch ist an Ostern und Weihnachten eine Werbebotschaft geworden. Der Nikolaus bemalt schon die Ostereier.

"Und während die christliche Prozession immer kleiner wird, ist in den letzten Jahrzehnten zum Beispiel der Rottweiler Narrensprung immer größer geworden".